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Leverkusen
Höhere Gewalt in Brunsbüttel

Leverkusen: Höhere Gewalt in Brunsbüttel
An der vielbefahrenen künstlichen Wasserstraße Nord-Ostsee-Kanal liegt der Covestro-Standort Brunsbüttel. Da stockt derzeit die MDI-Produktion. FOTO: Covestro
Leverkusen. Heute treffen sich die Covestro-Aktionäre im Bonner World Conference Center. Zu hören bekommen sie von der Konzernspitze vermutlich viel Positives: gute Kennzahlen, beeindruckende Aktienentwicklung. Einen Schönheitsfleck hat die Bilanz derzeit aber: Wegen eines unerwarteten Anlagenausfalls hat das Unternehmen "force majeure" (höhere Gewalt) erklärt. Von Ludmilla Hauser

So ganz mit der Sprache rausrücken möchte Kunststoffhersteller Covestro (früher Bayer Material Science, BMS) nicht. Nur auf Anfrage bestätigt der Sprecher aus dem noch jungen Konzern, dass es derzeit am Standort Brunsbüttel ein unvorhergesehenes Produktionsproblem gebe und der Konzern deshalb "force majeure" (Höhere Gewalt) für die Lieferung des Stoffs MDI (polymer) in den Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika erklärt habe. Zu "force majeure" zählen nicht nur unbeeinflussbare äußere Umstände wie Naturkatastrophen, sondern im industriellen Bereich auch Produktionsstörungen. Was genau in Brunsbüttel los ist, kommuniziert Covestro nicht.

Das Vorprodukt MDI wird für die Herstellung von Polyurethan-Hartschaum gebraucht, der wiederum etwa in der Gebäudedämmung und in Kühlschränken Verwendung findet. Im Moment sei nicht verlässlich vorhersagbar, wann die Produktion in Brunsbüttel wieder komplett anlaufen werden, heißt es von Covestro. Bis dahin arbeite man eng mit den Kunden zusammen, um alternative Lösungen zu finden.

Ganz einfach ist das womöglich nicht, denn seit 1988 stellte BMS am Standort am Nord-Ostsee-Kanal Diphenylmethan-Diisocyanat, besagtes MDI, her. Und: Covestro "baut Brunsbüttel zum größten Produktionszentrum für MDI in Europa aus", heißt es vom Konzern, der dort oben im Norden nicht nur seine Anlage, sondern auch den Covestro Industriepark Brunsbüttel betreibt.

Während der börsennotierte Leverkusener Kunststoffhersteller zu den Hintergründen des Produktionsausfalls in Brunsbüttel schweigt, ist ganz offen bei den Quartalszahlen: Das Ebitda, also der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, lag mit 846 Mio. Euro 66,5 Prozent über dem Vorjahresquartal.

Das Konzernergebnis verbesserte sich um 157,1 Prozent auf 468 Mio. Euro (Vorjahr: 182 Mio. Euro gelegen). Diese positiven Zahlenspiele freuen Covestro-Vorstandschef Patrick Thomas: "Es ist uns gelungen, zum neunten Mal in Folge unser Ebitda gegenüber dem Vorjahresquartal zu steigern. Damit setzen wir unsere positive Entwicklung nahtlos fort", lobte der Brite, der auch schon vor der Konzerngeburt von Covestro BMS führte und die harten Zeiten für die Kunststoffsparte in der Wirtschaftskrise 2008/2009 durchlebte.

Auch das Börsenpapier spielt mit: Aktienkurs gestern: um die 71,50 Euro, also fast das Dreifache des Einstiegskurses von 24 Euro im Herbst 2015. Vor ein paar Tagen hatte die Covestro-Aktie die 76 Euro Marke geknackt.

Von den positiven Zahlen sollen auch die Aktionäre (das ist zum großen Teil noch Bayer, der Konzern hält noch 64 Prozent an Covestro) profitieren. Patrick Thomas hatte bei der Vorstellung der Bilanzzahlen Anfang des Jahres 1,35 Euro als Dividende angekündigt. Heute stimmen die Anteilseigner bei der Hauptversammlung ab. Die findet übrigens, wie das Treffen der Bayer-Aktionäre vergangene Woche, etwas weiter weg statt: im World Conference Center in Bonn.

Quelle: RP
 
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