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Leverkusen
Hölzerne Zeugen lebendiger Natur

Leverkusen: Hölzerne Zeugen lebendiger Natur
Die hölzernen Werkstücke schneidet sich Konrad Koppold selbst zurecht (Foto oben), um sie an der eigenen Drechselbank zu formen (Foto unten). Das Ergebnis sind hölzerne Skulpturen mit prägnantem Ausdruck. FOTO: Koppold
Leverkusen. Der Bildhauer und Innenarchitekt Konrad Koppold ist mit dem "Manu-Factum-Staatspreis" des Landes NRW ausgezeichnet worden. Von Monika Klein

Gehofft hat Konrad Koppold auf eine Auszeichnung. Sonst hätte er sich nicht zum fünften Mal mit drei seiner Arbeiten für den "Manu-Factum-Staatspreis" beworben, den das Land Nordrhein-Westfalen alle zwei Jahre für außergewöhnliche Leistungen im Kunsthandwerk vergibt. Aber überrascht war er dennoch über den Anruf, dass eine Jury seine asymmetrischen Gefäße aus Eichenholz als beste Unikate in der Kategorie Skulpturen gewertet hat. Diese Auszeichnung, die am 9. September verliehen wird, ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden.

Jedes Mal war er mit seinen Einsendungen bisher in die engere Auswahl gekommen und damit auch in der Ausstellung im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) vertreten. Ein Objekt hat das Museum sogar von ihm angekauft.

Koppold ist in Bayern auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat vor dem Fachhochschulstudium Innenarchitektur eine Schreinerlehre gemacht. Aber nach vier Jahren als Geselle reichte ihm das reine Handwerk nicht mehr. "Man möchte doch immer gestalten", erklärt der Preisträger, der mit seiner Frau und zwei Kindern in Lützenkirchen lebt. Bei einem Aufenthalt in Alaska hat er einen Bildband in die Finger bekommen, der für ihn so etwas wie die Initialzündung war. "Jetzt brauche ich eine Drechselbank", entschied er. Die sei ihm schon bald zu klein gewesen, weil er immer größere Stücke herstellen wollte. Er fand eine entsprechende Bank aus Gusseisen. Auf der formt er bis heute Gefäße aus Holz, die aber nicht zum praktischen Gebrauch bestimmt, sondern Skulpturen sind.

"Eine Frau hat einmal eine Schale bei mir gekauft, um ihre bemalten Straußeneier hineinzulegen", erzählt er, und man merkt ihm an, dass er damit nicht glücklich ist. Aber es sei Sache der Besitzer, wie sie mit seinen Geschöpfen umgehen. Jedes ist anders, so, wie sich die Bäume in Wuchs und Größe unterscheiden, die er im Wald ganz grob mit der Kettensäge zurechtschneidet. Dabei habe er schon die Idee für eine Skulptur im Kopf.

Das tatsächliche Ergebnis sieht allerdings oft anders aus, denn Holz ist ein lebendiger Werkstoff. Beim Bearbeiten kann er auf Astlöcher und Verwachsungen stoßen, die zur Planänderung zwingen. Oder es springt beim Drechseln ein Stück heraus. Koppold gibt in jedem Fall nach, und häufig stellen sich die Überraschungen hinterher als Bereicherung heraus. Wenn nicht, muss er das Gefäß kleiner machen.

"Ich arbeite nur mit nassem Holz", sagt Koppold. Denn im großen Block würde der Stamm während der Lagerung reißen. Außerdem lasse sich das feuchte Holz viel besser bearbeiten. Schicht für Schicht nimmt er ab, während sich seine Drechselbank dreht. Und er höhlt die Gefäße aus, bis nur noch ein dünner Rand von fünf Millimetern steht.

Das erfordert Geschick, Augenmaß und viel Erfahrung, die er längst gesammelt hat. Sonst wäre ihm kaum das 1,20 Meter hohe Gefäß gelungen, das wie ein Baumstamm steht, aber auf dessen Außenwänden zwei komplette Jahresringe zu erkennen sind. Tatsächlich hat er den Rohling quer aus einem Baum geschnitten, direkt unterhalb der Stelle, an der er sich teilte. Koppold hat auch schon mit Obsthölzern gearbeitet, aber sein Lieblingsmaterial ist die Eiche, sagt er.

Dass die fertigen Objekte farblich unterschiedlich aussehen, liegt an den Bearbeitungstricks. Innen schleift er die Gefäße immer ganz glatt, außen werden sie gerne so gebürstet, dass die Maserung optimal zur Geltung kommt. Mit Stahlwolle und Essig hat er eine Schale innen geschwärzt. "Die Verfärbung kommt dadurch, dass der Essig mit der Gerbsäure reagiert", erklärt er. Andere Schalen erhielten ihre Farbe, weil er sie über Nacht in einer Tonne Ammoniak-Dämpfen aussetzte.

Seine Arbeiten verkauft Koppold auf besonderen Kunsthandwerkermärkten. Während der nächsten drei Jahre vielleicht auch in Frankreich, denn für diese Zeit zieht die Familie wegen beruflicher Veränderung seiner Frau nach Lyon. Arbeiten kann der Kunst-Tischler zum Glück überall. Auch als Innenarchitekt, denn das ist sein zweites Standbein. Dafür braucht er nur einen Internetanschluss und seinen Rechner.

www.konrad-koppold.de

Quelle: RP
 
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