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Leverkusen
Homosexualität im Fußball

Leverkusen: Homosexualität im Fußball
Fordert Zivilcourage im Stadion: Jens Langenberg, Vorsitzender des ersten schwulen-lesbischen Fanclubs von Bayer 04. FOTO: RPO
Leverkusen. Jens Langenberg, 31, der Vorsitzende des schwul-lesbischen Fanclubs Bayer 04-Junxx, berichtet von den Problemen und den Fortschritten mit Homosexualität in Fußballstadien und unter Fußballfans.

Sie haben eine Veranstaltung mit dem Bayer 04-Fanprojekt zum Thema "Homophobie im Fußball" organisiert. Wie ist es gelaufen?

Langenberg Naja, die Resonanz hielt sich in überschaubarem Rahmen. Viele Gäste kamen nicht. Das zeigt, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.

Warum ist das Thema Homosexualität noch kein Thema im Fußball?

Langenberg Da gibt es wohl drei Möglichkeiten: Entweder es ist den Leuten egal oder sie halten Homosexualität für eine normale Erscheinung – was ich stark bezweifle. Oder sie wollen damit nichts zu tun haben. In jedem Fall ist es bedauerlich, zumal in der Politik oder im Fernsehen längst ganz selbstverständlich damit umgegangen wird.

Wie verankert ist denn das veraltete Denken, dass Fußball und Schwulsein nicht zusammenpassen?

Langenberg Es ist noch ausgeprägt. Auf den Rängen sind ständig Ausdrücke wie "Schwuchtel" oder "Was war das denn für ein schwuler Pass" zu hören. Im Bewusstsein vieler Stadiongänger sind Schwule zu weich für den Männersport Fußball – selbst der Vertreter eines Bundesliga-Vereins hat mir das mal gesagt. Das geht natürlich an der Realität vorbei. Aber viele denken bei Homosexualität an den Halbnackten mit der Federboa, den sie im Fernsehen beim Christopher-Street-Day gesehen haben.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Bayer 04-Junxx gemacht?

Langenberg Eigentlich wird damit fast durchweg positiv umgegangen. Seit wir zum ersten Mal in der Presse waren und im Stadion-Magazin über uns geschrieben wurde, sind wir unter den Fans bekannt. Berührungsängste mit uns habe ich nicht festgestellt. Aber ich wage auch zu bezweifeln, dass sich jeder traut, uns ins Gesicht zu sagen, was er von uns hält. Allerdings bekamen wir zu Beginn viele E-Mails von Personen, die sagten, dass sie das gut finden, aber sich nicht trauen, bei uns mitzumachen.

Sie gehen offen mit ihrer Homosexualität um. Haben Sie Verständnis, dass Profi-Fußballer es nicht tun?

Langenberg Dazwischen liegen Welten. Jeder Normalbürger, der über sein Outing nachdenkt, überlegt sich das dreimal. Für einen Fußballer hängt von so einer Entscheidung aber noch viel mehr ab: Steht der Verein hinter mit? Wie reagiert das Publikum? Zudem könnte es wohl nur gehen, wenn sich mehrere Profis gemeinsam outen. Für einen alleine wäre das kaum zu stemmen.

Seine Existenz stünde auf dem Spiel.

Langenberg Ja, aber auch das Verheimlichen und Verleugnen der eigenen Homosexualität zollt seinen Tribut. Viele Fans sagen zwar: Es hat doch keinen zu interessieren, was ein Spieler privat macht. Aber so ist es ja nicht. Was glauben Sie, was auf einen Fußballer einstürzen würde, wenn er mit seinem Freund zum Abendessen geht und dabei fotografiert wird? Es wird ausgeblendet, dass schwule Spieler nicht das Privatleben führen können, das sie führen möchten. Womöglich organisieren sie sich eine Frau, die sie präsentieren können. So ein Leben führt doch fast automatisch zu psychischen Problemen.

Wie lässt sich die Homophobie aus dem Fußball vertreiben?

Langenberg Man muss das Thema kontinuierlich präsent halten, ohne dabei mit dem Holzhammer vorzugehen. Ähnlich wie bei der Aktion gegen Rassismus – die lief über viele Jahre und ging einem schon fast auf die Nerven: Aber das Thema hat sich inzwischen fast rausgewachsen. Zudem ist Zivilcourage gefordert. Die Zahl derer, die ihrem Nebenmann im Stadion die Meinung sagen, wenn der über die "Schwuchteln da unten" schimpft, muss Stück für Stück steigen. Anders ausgedrückt: Auch im Stadion sollte niemand das Gehirn ausschalten.

Letzte Frage: Wird Bayer 04 zuerst Meister oder outet sich vorher der erste schwule Bundesliga-Profi?

Langenberg (lacht) Gemeine Frage: Ich tippe mal darauf, dass das mit der ersten Leverkusener Meisterschaft schneller geht. Das Gespräch führte Roman Zilles.

Quelle: RP
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