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Leverkusen
Hunderte besichtigen Flüchtlingsheim

Leverkusen. Zahlreiche Rheindorfer schauten sich die neue städtische Unterkunft an der Felderstraße mit 90 Plätzen an. Von Susanne Genath

Ein Spiegel aus unverwüstlichem Blech anstatt aus zerbrechlichem Glas? Den müssen Lucy (7) und Benny (5) näher in Augenschein nehmen. "Es ist nicht ganz scharf, aber man kann sich sehen, oder?", fragt Mama Susanne Scharley. Ihre Kinder nicken. Dann geht es weiter in den Gemeinschaftsraum im ersten Stock, in dem ein Kicker stehen soll. Die drei Rheindorfer gehörten gestern zu den mehreren Hundert Besuchern, die beim Tag der offenen Tür das neue städtische Containerheim für Flüchtlinge an der Felderstraße besichtigten.

"Wir haben von der Bushaltestelle aus den Aufbau verfolgen können", erzählt Susanne Scharley. "Die Kinder haben immer gesagt: ,In den Containern ist doch gar kein Platz. Darin kann doch keiner wohnen.'" Nun hätten sie die Chance genutzt, sich die Anlage einmal von innen anschauen zu können. Fazit: "Es ist ein bisschen wie in einem Krankenhaus, aber es ist schön, und man kann hier wohnen."

Die Unterkunft bietet auf zwei Etagen Platz für 90 Menschen - für Familien, aber auch für Paare oder Alleinreisende. In etwa zehn Tagen ist sie bezugsbereit. "Wir wissen noch nicht, wer kommt", sagt Sozialdezernent Markus Märtens, der als Ansprechpartner vor Ort war. "Wir sind froh, einen barrierefreien Bereich und Bereiche für Familien zur Verfügung stellen zu können." Die Anlage besteht aus 138 Einzelcontainern und ist wie die Anlage "Im Bühl" konzipiert. Die 45 Zimmer haben eine durchschnittliche Wohnfläche von 13 Quadratmetern.

"Ist der Teich hinter dem Wohnheim abgesichert, damit die Kinder nicht hineinfallen können", fragt ein Besucher Oberbürgermeister Uwe Richrath. "Die Bewohner müssen darauf hingewiesen werden", antwortet das Stadtoberhaupt. "Wir sind froh, dass wir eine so schöne Anlage und so viel Platz drumherum haben."

Richrath lobt zudem die ehrenamtlichen Helfer, die dazu beitragen, dass sich die künftigen Bewohner dort wohlfühlen werden. In die Helferlisten im Erdgeschoss haben sich nach rund einer Stunde schon 30 Leute eingetragen.

Auch Siegfried Dresen (80) überlegt, wie er sich einbringen kann. "Meine Frau und ich wohnen in der Nähe", sagt er. "Wir könnten mal eine Familie zu uns einladen." Die Unterkunft findet er gut. "Es ist eine wesentliche Verbesserung gegenüber der bisherigen Unterkunft." Die Bewohner bekämen eine geeignete Grundausstattung "und haben die Möglichkeit, den Tag nach ihren Gewohnheiten zu gestalten".

So sehen es auch Stephanie Beth (45) und Karin Walldorn (54). "Die Räume sind klein, es hätten mehr Küchen sein können, aber man kann hier leben", finden sie. In der Nachbarschaft gebe es Vorbehalte gegen die neuen Bewohner. "Viele haben sich aus Angst schon Pfefferspray gekauft", erzählen sie. "Wir nicht. Wir warten erst einmal ab, wer hier einzieht. Man kann ja nicht alle über einen Kamm scheren."

Quelle: RP
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