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Leverkusen
"Ich habe Respekt vor dem Job, keine Angst"

Leverkusen: "Ich habe Respekt vor dem Job, keine Angst"
Lars Friedrich ist der neue Chemparkleiter für alle drei Standorte. Komplett neue ege will er nicht gehen. Denn „die Themen Energiepolitik, Infrastruktur, Sicherheit“ bleiben, gleich wer da auf dem Chefsessel säße. FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen. Er ist der Neue an der Spitze des Chemparks: Lars Friedrich. Im RP-Gespräch erzählt er über Ziele, Aufgaben und Bustouren auf dem Werksgelände. Von Ludmilla Hauser

Notfallkrawatten? Hat Lars Friedrich im Auto. Der Mann will weniger Bürokrat hinterm Schreibtisch sein und mehr ein Ansprechpartner auf Augenhöhe. Der Kollegen. Und der "Nachbarn" des Chemparks an den drei Standorten Leverkusen, Krefeld und Dormagen. Ein Navi brauche er nicht, um sich an den Standorten zurechtzufinden. "Ich bin in den vergangenen Jahren an allen tätig gewesen", erzählt der neue Leiter des Chemparks.

Dennoch kann es sein, dass er in den nächsten Wochen an einem Samstag in einen der Besucherbusse steigt und mitfährt durch einen der Standorte. "Die Perspektive des Besuchers interessiert mich. Ich möchte die Anekdoten hören, die unsere Besucherführer erzählen", sagt der 45-Jährige und lächelt verschmitzt.

Eine könnte Friedrich beisteuern. "Als ich meine Ausbildung zum Chemielaboranten beendet hatte, habe ich erstmal bei Bayer gekündigt. Macht man eigentlich nicht." Er habe sich aufs Studiums zum Sicherheitsingenieur konzentrieren wollen. Friedrich kehrte danach zurück zu Bayer, sattelte eine Feuerwehrausbildung drauf, avancierte später zum Gesamtverantwortlichen für den Brandschutz an den drei Standorten. "Ich habe dann auch immer in der Nähe gewohnt." Nachsatz: "Zur Freude der Familie - Frau, drei Kinder, Hund, Gartenzaun." Jetzt wohnt Friedrich mit den "Orgelpfeifen zwischen vier und 18 Jahren", Frau und Hund in Odenthal und auch ganz viel im Auto - unterwegs im Chempark-Standorte-Dreieck.

Als er von den Currenta-Chefs Günter Hilken und Alexander Wagner im Zuge von Umstrukturierungen innerhalb des Chemparkbetreibers gefragt wurde, ob er sich die Nachfolge von Ernst Grigat vorstellen könnte, "habe ich eine Minute überlegt und dann Ja gesagt". Freilich, er habe Respekt vor der Aufgabe, aber keine Angst. Träfe Letzteres zu, wäre er der falsche Mann für den Posten. Lars Friedrich, der sich selbst als offen, verlässlich und neugierig beschreibt, will der richtige Mann für die Aufgabe sein. Den Bereich Feuerwehr und Sicherheit kennt er aus dem Effeff. In andere Bereiche muss er sich noch einfuchsen: Nachbarn, Netzwerken, Wirtschaftsgremien, Stadt, Politik. "Aber ich setze auf ein Netzwerk auf, das gut gepflegt ist. Die Chempunkt-Nachbarschaftsbüros dienen da als wunderbare Türöffner. Deshalb kann ich in dem Fall ganz beruhigt atmen." Ihn reize an der neuen Aufgabe vor allem die Vielfalt. "Wenn ich nur netzwerken sollte ohne zwischendurch konkrete Dinge zu tun, das läge mir nicht", gesteht der 45-Jährige.

Friedrich hat nicht nur einen gut aufgestellten Chemiepark und ein gutes Kontaktenetz "geerbt", sondern muss sich auch mit den Problemthemen befassen. A-Brückenbau und Öffnung der Mülldeponie Dhünnaue zum Beispiel. "Dass die Deponie und die Brücke beieinander liegen, ist eben so. Aber da muss man eine Lösung finden, sicher mit dem Ganzen umzugehen", sagt er zurückhaltend. "Nicht nur wir als Chempark haben eine hohe Abhängigkeit von dieser Brücke und den Autobahnen. Das ist ein europaweites Thema. Die Brücke muss solange halten, bis Ersatz da ist." Auch zum Thema Tunnel oder Stelze auf der A1 in Höhe Küppersteg führt Lars Friedrich weiter, was aus dem Chempark seit Beginn der Diskussion zu hören ist: "Für uns spielt es erstmal keine Rolle, ob es einen Tunnel gibt. Wichtig ist, dass Gefahrguttransporte laufen können." Chemie sei in der Region eine Lebensader. Allein im Chempark Leverkusen arbeiteten 30.000 Menschen.

Themen umgehen, das wird im Gespräch schnell klar, ist Friedrichs Sache nicht. So bezieht der Sicherheitsfachmann auch zur umstrittenen Covestro-CO-Pipeline zwischen Dormagen und Krefeld Stellung: "Eine unterirdische Leitung ist der sicherste Transportweg. Ob da nun Chemie durchgeschickt wird oder Erdgas für Haushalte." Für die Chemieindustrie sei wichtig, dass es solche Rohrverbindungen gebe.

Völlig neue Wege will er nicht gehen. Friedrich lobt Vorgänger Grigat und schließt dann an: "Die Themen Sicherheit, Energiepolitik, Infrastruktur bleiben ja, nur betreut sie eine andere Persönlichkeit." Die muss im Chempark noch ankommen, hat noch eine Liste von Antrittsbesuchen abzuarbeiten. "Die Themen und Probleme, die es gibt, finden einen dann von ganz alleine", sagt der neue Chempark-Leiter.

Drei Dinge will der Neue an der Spitze aus der Antrittszeit ("Noch genieße ich Welpenschutz") neben seinem sportlichen Ausgleich (Mountainbiken, Skifahren, Windsurfen) beibehalten: Lockerheit, Offenheit und Verlässlichkeit. "Oder wie meine Oma immer gesagt hat: ,Wie Du kommst gegangen, so Du wirst empfangen'."

Quelle: RP
 
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