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Walter Sittler
"Ich trank nie Wein mit Roger Willemsen - leider"

Leverkusen. Der Schauspieler ist am Sonntag um 18 Uhr bei Bayer Kultur zu Gast mit einem literarisch-musikalischen Programm. Er liest Texte über "Landschaften" von Roger Willemsen. Monika Klein sprach mit ihm.

Herr Sittler, Sie sind für Maria Schrader eingesprungen, die wegen Dreharbeiten zu "Deutschland '83" vereinbarte Termine absagen musste. Ist das schwierig, in ein fertiges Programm einzusteigen?

Sittler Ich habe schon zwei sehr schöne Veranstaltungen in Norddeutschland übernommen. Das Programm stand schon, und es ist ein großes Glück, wenn alles so gut zusammengefügt ist. Es ist zum einen sehr sorgfältig gebaut. Das sind andere zwar auch. Aber zum anderen ist in diesem Buch von Roger Willemsen, aus dem ich ja nur einen Teil vortrage, noch viel mehr drin.

Was genau ist das Besondere an diesem Abend, den Willemsen für sich selbst konzipiert hat, aber vor seinem Tod nur einmal aufführen konnte?

Sittler Es ist eine hervorragende Beschreibung von Landschaften und Städten mit einem Blick auf das, was dort passiert ist und in welchem Zustand sie sind. Das sind schöne, aber auch traurige Dinge. Willemsen beschreibt sehr klar und auch kritisch, aber er beschuldigt nie, und damit macht er eigene Erfahrungen möglich. Je mehr Sichten man auf etwas hat, umso klarer wird das Bild. Die Art wie Willemsen war, ist so reich, ich persönlich kann davon sehr viel mitnehmen.

Fühlen Sie sich durch seine Persönlichkeit nicht festgelegt?

Sittler Nein, gute Texte sind frei. Ich spiele und andere schreiben. Wenn ich spiele, dann mache ich mein eigenes Ding. Ich versuche in Willemsens Gedankenwelt einzutauchen, aber ich imitiere ihn nicht. Das kann ich gar nicht.

Willemsen hat außerdem sehr viel Wert auf die Musik gelegt.

Sittler Er hat mit den beiden Musikerinnen Franziska Hölscher und Marianna Shirinyan die passenden Kompositionen ausgewählt. Es sind wunderbare Stücke aus dem 19. und beginnendem 20. Jahrhundert, die seine Texte nicht illustrieren, sondern bereichern. Und das lustvolle Musizieren der beiden passt sehr gut dazu. Es hat jedenfalls keine pseudointellektuelle Trockenheit.

Sie engagieren sich politisch, nicht nur beim Protest Stuttgart 21, und produzieren Dokumentarfilme. Was ist da die Motivation?

Sittler Zusammen mit Gerhard Schmidt produziere ich für Gemini die Reihe "199 Kleine Helden" über Kinder und wie sie die Welt sehen. Wir haben 29 Filme in 27 Ländern gemacht. Mir geht es so, dass die Empathie für Kinder zunimmt. Sie sind so schlau und klar. Aber sie jammern nicht, auch wenn sie Sachen erzählen, die nicht schön sind. Es ist beeindruckend, man bekommt einen anderen Blick.

Sie sind vielbeschäftigt mit Fernsehen, spielen andererseits Theater, sind mit einer Dieter Hildebrandt-Lesung und jetzt mit Willemsen unterwegs. Sind Ihnen diese "kleinen Produktionen" genauso wichtig?

Sittler Ich mache gerade dieses Programm wahnsinnig gerne. Roger Willemsen war ein sehr schlauer Mann. Schade, dass er so früh gestorben ist. Ich habe ihn nicht wirklich getroffen, nur mal von weitem erlebt. Aber ich habe nie mit ihm zusammengesessen und Wein getrunken - leider.

Quelle: RP
 
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