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Leverkusen
IG-Metall kündigt Streiks für Ende April an

Leverkusen. Batterien für Elektroautos sollen langfristig tausende Arbeitsplätze in der Region sichern. Die SPD will sogar Vizekanzler Gabriel einschalten. Von Isabell Konegen und Jim Decker

Zuletzt, sagt Witich Roßmann, seien es "vier erstaunlich stabile Jahre" gewesen. In den 1990er Jahren gingen reihenweise Betriebe der Metall- und Elektroindustrie zwischen Köln und Leverkusen kaputt. Doch das sei zuletzt besser gewesen. "Wir haben tolle Tarifverträge abgeschlossen, aber langsam sieht es wieder kritisch aus", fürchtet der 1. Bevollmächtigte der IG-Metall Köln Leverkusen. Gerade erst habe man eine Verhandlung mit den Arbeitgebern grußlos verlassen. Das Angebot sei unverhandelbar gewesen. Jetzt sind Streiks programmiert: Am 29. April soll zum ersten Mal der Arbeitskampf ausgerufen werden.

Vermutlich stehen dann auch bei Ford in Köln die Bänder still. In wenigen Jahren schon droht aber noch größeres Ungemach: In der Automobilbranche bahnt sich ein Umbruch an. Elektromotoren sind die Zukunft - Verbrenner stehen vor dem Aus. Doch darauf scheinen die Zulieferer im Rheinland nicht vorbereitet. "Wir brauchen alternative Arbeitsplätze in der Region, weil wir wissen, dass viele wegfallen werden", forderte Roßmann gestern bei der Wahl des neuen Gewerkschaftsvorstandes in Köln-Mühlheim.

Um dem Technologiewandel zuvorzukommen, wollen er und seine Gewerkschaftsgenossen mit einem Zukunftsantrag unter anderem ein Industriezentrum für Speichertechnologien in den Industriepark Nord in Köln holen. 15.000 Unterschriften übergab die IG-Metall-Spitze dazu angereisten Bundestagsabgeordneten aus dem Umfeld.

"Der Vorschlag ist großartig und stellt eine wichtige Initiative dar", lobte Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter für Leverkusen. Dabei entpuppe sich der Kölner Raum als optimaler Standort für das große Vorhaben. Lauterbach bot seine Unterstützung an: "Ich habe mit Herrn Roßmann ein Treffen abgemacht und werde auch mit Sigmar Gabriel reden." Zudem sei man mit Umweltministerin Barabara Hendricks und Wirtschaftsminister Gabriel gut aufgestellt, um so ein "Leuchtturmprojekt" umzusetzen. Allerdings sei das Zukunftsmusik: "Frühestens in zehn Jahren ist so eine Industrie realisierbar", gab der Politiker zu bedenken.

Die Standortvorteile von Köln und Leverkusen seien klar: Durch die stark ausgeprägte Chemieindustrie im Umland sei ein wichtiger Zulieferer bereits vor Ort. Außerdem befinden sich die Universität Köln und die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule in Aachen (RWTH) in unmittelbarer Nähe. "Die weltweite Batterieindustrie droht nach Indien abzuwandern", sagte Lauterbach. Und selbst die sei nie sonderlich innovativ gewesen: "Wir müssen dazu kommen, hier zu entwickeln und größere Reichweiten durch intelligente Hochleistungsbatterien für E-Autos zu ermöglichen. Ich sehe mit großer Sorge, wie die Konkurrenz in den USA in dem Bereich forschen". merkte Lauterbach gestern an.

Konkret könnte das Produktion, Montage, Recycling und Entsorgung beinhalten. Mit dem Vorstoß wollen die Gewerkschafter tausende Arbeitsplätze erhalten, die andernfalls wegbrechen könnten. "Die Asiaten sind bisher Tophersteller in dem Bereich", sagte Roßmann. "Dadurch ist man abhängig von der zweitbesten Technologie.

Quelle: RP
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