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Leverkusen
Schon 1500 Kennzeichen-Diebstähle

In Leverkusen schon 1500 Kennzeichen-Diebstähle
Nur knapp sechs Wochen hatte die Linken-Ratsherrin Nicole Kumpfert Spaß an ihrem besonderen OP-Kennzeichen, dass übrigens das erste OP-Schild nach der Wiedereinführung war. FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen. Gestohlene Autoschilder werden oft für Tankbetrügereien benutzt. In Köln/Leverkusen wurden seit Januar 1500 Kennzeichen entwendet. Ein Opfer ist Nicole Kumpfert: Der Ratsherrin wurden ausgerechnet die neuen OP-Schilder gestohlen. Von Ulrich Schütz

Hauptkommissar Rüdiger Thust liest jeden Tag eine Menge Diebstahlsanzeigen. Ende letzten Jahres fiel dem Chef des Kölner Kriminalkommissariats 74 (zuständig für Eigentumsdelikte) eine Besonderheit auf: "Wir wurden offensichtlich mit Anzeigen zu Kennzeichen-Diebstählen überschwemmt", sagte der Kripo-Mann unserer Redaktion. Es war zunächst nur ein Bauchgefühl, denn die Polizeistatistik verfügt über keine eigene Position zu diesem Phänomen. Thust startete deshalb in seinem Kommissariat eine interne Auflistung, die ein alarmierendes Ergebnis ergibt: Seit Januar wurden in Leverkusen/Köln 1500 Kennzeichen-Diebstähle gemeldet.

Dabei geht es nicht um Bagatellen: Gestohlene Auto-Schilder werden für eine große Bandbreite von Straftaten verwendet: beispielsweise für Tankbetrügereien. Ganz dreiste Diebe füllen neben dem Autotank auch noch eine Reihe von Kanistern im Kofferraum. In einigen Fällen wurden gestohlene Kennzeichen monatelang verwendet. Ein spektakulärer Fall mit gestohlenen Kennzeichen war die jüngste Verfolgungsjagd, den sich ein Audi-Fahrer mit 23 Streifenwagenbesatzungen und einem Polizei-Hubschrauberteam geliefert hat. Die Jagd führte bis in die Niederlande, die Täter entkamen.

Die ersten OP-Kennzeichen in Leverkusen sind da FOTO: Ulrich Schütz

Andere Diebe entwenden Kennzeichen, schneiden die möglichst frischen TÜV-Plaketten raus, um andere Fahrzeuge auszustatten. Gern montieren auch Autodiebe gestohlene Schilder an den gestohlenen Wagen. So können die Täter ihre Fluchtrouten verschleiern. Hauptkommissar Thust ist auch deshalb ein Fan von den Kennzeichenerfassungsanlagen wie in Bayern und Baden-Württemberg. Damit erfolge ein schneller automatischer Abgleich mit dem Polizeicomputer. Oft stehen Streifenwagenteams in der Nähe der Kontrollanlagen und können sich bei Alarm den Tätern direkt an die Fersen heften: "Ein probates Mittel, um Diebe zu fangen", sagte der Kölner Fahnder. Angesichts der vielen Kennzeiche-Diebstähle kritisiert Thust die Befestigungsart für die Autoschilder. Das Anbringen in den einfach zu bedienenden Kunststoffhalterungen erleichtere den Diebstahl enorm. "Wo möglich, da sollte der Autofahrer seine Kennzeichen festschrauben", rät Tust, "Diebe mögen keine langwierigen Demontagen, sie suchen sich dann lieber ein anderes Fahrzeug aus."

Auch bei Nicole Kumpfert waren die OP-Kennzeichen in den üblichen Befestigungen. Die Politikerin hatte ihren Fiesta am Montag in der Rathaus-Galerie nur ein paar Meter entfernt vom Dienstwagen des Oberbürgermeisters geparkt und war in die Ratssitzung gegangen. Nach der Versammlung waren die Schilder weg, übrigens die ersten Kennzeichen seit Wiedereinführung der OP-Zulassungen. Die Opladenerin erstattete sofort Anzeige. Wer also das "OP FC 1" an einem anderem Wagen als einem roten Fiesta sieht, sollte die 110 wählen.

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