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Leverkusen
In Schaltjahren sind die Frauen an der Reihe

Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass dann die Mädchen ihrem Liebsten einen Gunstbeweis schenken müssen. Von Gabi Knops-Feiler

Die Tradition ist uralt. Doch der Hype um den "Liebesmaien", den sich Liebespaare gegenseitig vor die Tür stellen, wird immer größer. Ja richtig, gegenseitig. Denn immer in Schaltjahren - also jetzt - ist alles anders. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass dann der Spieß umgedreht wird und die Mädels an der Reihe sind, ihrem Liebsten einen Gunstbeweis zu schenken.

Die Frage: Woher einen Baum bekommen und nicht stehlen?, ist leicht beantwortet: Förster Karl Zimmermann (58) verkauft auf der Nobelstraße am Eingang zum Neulandpark insgesamt 400 Maibäume, jeweils rund sechs Meter groß, zum Stückpreis von zehn Euro. Und zwar am Samstag, 30. April, zwischen 16 und 18 Uhr.

Praktischerweise bringt er Sägen zum Kürzen und bunte Kreppbänder zum Schmücken gleich mit. Den Verkaufserlös erhält übrigens der Waldbesitzer, aus dessen Schonungen die frisch geschlagenen Bäume stammen.

Auch in Leichlingen gibt's Maibäume: Die Junge Union verschenkt die Stämme am 30. April, ab 15 Uhr, im Brückerfeld (Leichlingen). Während sich junge Damen abmühen und versuchen, die langen Hölzer in ihren Autos zu verstauen, steht der etwa zehn große Maibaum am Kirmesplatz in Bürrig schon.

Im Ursprung gehörte dieses Setzen des Maibaums zum so genannten "Mailehenbrauch", einer Art dörflicher Partnervermittlung, die im 17. Jahrhundert entstand und bei der unverheiratete junge Frauen eines Dorfes für eine bestimmte Zeit als "Lehen" (Leihgabe) an Junggesellen übergeben wurden, erläuterte der Bonner Volkskundler Alois Döring. Ziel war, dass Ehen innerhalb des Dorfes geschlossen und Strukturen in bäuerlich geprägten Dörfern erhalten werden sollten.

Während Männer in vielen Ländern Europas vorwiegend zu Schmuck oder Blumen greifen, um das Herz ihrer Angebeteten zu gewinnen, setzen Rheinländer auf einen Maibaum. Warum? Antwort gibt Professor Dr. Manfred Becker-Huberti.

Im Buch "Lebendige Bräuche im ganzen Jahr" schreibt er: Der Start in den Wonnemonat Mai (als Namensgeber wird Maius, altitalienischer Gott und Beschützer des Wachstums, vermutet) galt als Sommerauftakt. Der "Maibaum" gilt als Symbol des Lebens. Verliebte zeigen sich damit ihre Zuneigung und sagen indirekt: "Ich bin dir grün!" Allerdings sei Baum nicht gleich Baum, sagt Becker-Huberti.

Heute geht es mehr darum, dabei zu sein. "Der Baum ist nur Nebensache", sagt Förster Karl Zimmermann, sieht ihn aber auch als gute Chance, einen alten Brauch am Leben zu halten.

Meistens bleibt der "Liebesmaien" bis zum 1. Juni stehen und wird vom Überbringer abgeholt. Vielleicht gibt es spätestens dann eine Belohnung ...

Quelle: RP
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