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Leverkusen
Jana Gunstheimer schafft Lebensräume

Leverkusen: Jana Gunstheimer schafft Lebensräume
Jana Gunstheimer hat das Dachgeschoss in Schloss Morsbroich zu ihrem Haus des Lebens gemacht - mit roten Wänden und Zeichnungen. Allesamt Einblicke in die Lebenskapitel der Künstlerin, sagt die Jenaerin, die am Sonntag bei der Ausstellungseröffnung dabei ist. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Am Sonntag eröffnet das Museum Morsbroich die Ausstellung "Jana Gunstheimer. Image in Meditation". Dafür hat die Künstlerin in der Grafiketage im Schloss ganz neue Räume inszeniert. Von Monika Klein

Das Deckblatt fehlt beim ungewöhnlichen, komplett roten Katalog-Buch im Taschenformat, das unvermittelt mit der Beschreibung eines Bauwerks beginnt. Ein rätselhaftes Haus, aus unterschiedlichen Quadern zusammengesetzt. Das Buch enthält neben Texten, Grundriss und Wegeplan eine Fülle von Abbildungen aus dem Inneren. In der Grafiketage des Museums Morsbroich kann man diese beschriebenen Räume "Image in Meditation" tatsächlich betreten. Dort hat Jana Gunstheimer ihre eigene fiktive Architektur mit der bestehenden verschränkt. Eine aufwendige Konstruktion vom Bau im Bau, alle temporären Wände rot gestrichen.

Jana Gunstheimer, die derzeit in Jena lebt und arbeitet, bezeichnet sich selbst als sehr organisierten Menschen. So ist auch ihre architektonische Ordnung zu verstehen, in der Kunstwerke wie Bewohner leben. Denn die gewährt Einblicke in das Leben und Denken der Künstlerin. Jeder Raum, von denen sie in der Theorie noch mehr konzipiert hat als im Dachgeschoss des Schlosses realisiert, entspricht einem Kapitel.

Architektur und Installationen spielen zwar eine wichtige Rolle bei der Präsentation. Aber in erster Linie ist Jana Gunstheimer eine exzellente Zeichnerin. Alle Bilder, die sie in ihrem Haus des Lebens zeigt, sind feine, aber relativ großformatige Zeichnungen. Darunter sind perfekte Nachempfindungen von altmeisterlichen Werken, die allerdings Zeichen einer Attacke von Kunstschändern tragen. Gunstheimer, die neben der angewandten auch die Geschichte der Kunst studierte, hat sich lange mit solchen Fällen beschäftigt und in einer ganzen Serie von Grafiken abgearbeitet, die sie hier präsentiert.

Im Raum Nummer fünf "The Whole" verfolgte sie die Idee der Ausgrabung von früheren Kulturen. Das imaginäre Loch im Boden ist der markierte Betrachterstandpunkt, von wo aus man die Relikte vergangener Zeiten betrachten kann. Allerdings, ohne ihnen wirklich ins Auge blicken zu können. Denn Jana Gunstheimer zeichnete die historischen Skulpturen von der Rückseite. So schaut man ringsum nur auf Hinterköpfe der Geschichte, ohne den Personen wirklich nahe zu kommen. Kunstwerke werden oft auf Sockeln oder Stellagen öffentlich präsentiert. Wie ein altes Ehepaar wachsen sie dabei zusammen, so empfindet es die Künstlerin. Wenn das Kunstwerk ausgeliehen ist, bleibt nur das Präsentationsobjekt zurück, einsam und auf einmal im Bewusstsein der Besucher. Sie machte solche verwaisen Objekte zum alleinigen Bildinhalt.

Im Eingangsraum müssen sich Besucher zwischen zwei Wegen entscheiden. Einer führt vorbei an einer eingebauten und verklebten Schranktür, die Intimes und Privates verbirgt, und endet vor einem Stahlstift in der Wand, an der Gunstheimer ihren Ausschuss der Woche aufgespießt hat. Der andere endet bei der gezeichneten Vorstellung, dass zu viel Bildinformation dazu führt, dass man am Ende gar nichts erkennt. Wie ein Stoßseufzer liest sich der Neon-Schriftzug: "Thanks God, it's abstract."

Quelle: RP
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