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Leverkusen
Jeckes Jubiläum: 111 Jahre Berufskolleg Opladen

Leverkusen. Anfang des 20. Jahrhunderts fing die Fortbildungsschule mit 69 Lehrlingen - und ohne eigene Räume - an. Von Monika Klein

Es ist ein jeckes Jubiläum, das im Berufskolleg Opladen in diesem Schuljahr gefeiert werden kann. Seit 111 Jahren gibt es die Einrichtung, die anfangs allerdings noch ein ganz anders Angebot vorwies als heute. Im Mai 1904 hat die Opladener Stadtverordnetenversammlung die Errichtung einer Fortbildungsschule für männliche Jugendliche, Lehrlinge, Gesellen und Arbeiter, für die bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres Schulpflicht galt. Die bestand nicht für Mädchen und für Kontolehrlinge. Angeregt wurde die Gründung durch Handwerksmeister, die sich in einer freien Innung für Opladen und Umgebung zusammengeschlossen hatten. Interesse hatte auch das (damals noch junge) Eisenbahnausbesserungswerk, das zunächst den Fortbildungsunterricht für 30 Lehrlinge wünschte. Erster Unterrichtstag für die 69 Gründungsschüler in drei Klassen war der 3. November 1904.

Der Unterricht fand jeweils dienstags und donnerstags am Abend, sowie am Mittwochnachmittag in den Räumen der katholischen Volksschule Düsseldorfer Straße 10 statt. Deren Rektor, Josef Bolten, wurde auch Leiter der neuen Fortbildungsschule. Sechs seiner Kollegen unterrichteten die Jugendlichen in Deutsch und Rechnen. Die Regeln waren damals streng und klar gefasst. Jedes Schulversäumnis wurde mit einer Geldstrafe von zwei Mark geahndet.

Die Schüler hatten mit gewaschenen Händen und in reinlicher Kleidung zu erscheinen und durften den Unterricht nicht durch ungebührliches Betragen stören oder gar Lernmittel beschädigen. Und Punkt 6: "Sie haben sich auf dem Weg zur Schule und von der Schule jedes Unfugs und Lärmens zu enthalten."

Bei Zuwiderhandlungen drohte die Stadt in ihren Ortsbestimmungen Geldstrafen bis 20 Mark oder im Unvermögensfalle Haft bis zu drei Tagen an. Für die Jugendlichen war der zusätzliche Schulbesuch hart, immerhin betrug ihre tägliche Arbeitszeit damals je nach Alter zwischen zehn und elf Stunden. Die lange Schulpflicht stellte manche Familie vor Probleme.

Eine 63-jährige Witwe beantragte beispielsweise die Entlassung ihres Sohnes aus der Schule, damit er eine höher bezahlte Stelle annehmen könne. Er arbeitete bei Schöller in Opladen für zwei Mark pro Tag und könnte bei Entlassung aus der Schulpflicht als Wagenputzer bei der Eisenbahn 2,70 Mark täglich verdienen und damit die Familie ernähren. Offenbar kein Einzelfall, auch in manchen Betrieben regte sich Widerstand, so dass im Jahr 1906 sogar die Auflösung der Fortbildungsschule erwogen wurde. Die Schule blieb, und wuchs sogar. 1907 wurden bereits 136 Schüler in vier Klassen unterrichtet.

Bald wurde der erste Zweckverband der Gemeinden Opladen und Langenfeld vereinbart. Das stetige Wachstum erforderte zusätzliche Räume und Lehrkräfte. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte die positive Entwicklung ein abruptes Ende - vorübergehend, denn mit steigender Einwohnerzahl und Neugründung von Betrieben wuchs die Einrichtung wieder, ab 1925 als "Städtische Berufsschule".

Nach dem Neubeginn 1945 nahm die Weiterentwicklung in den Wirtschaftswunderjahren Fahrt auf. Neue Bildungsgänge werden eingerichtet, nach Monheim treten auch Burscheid und Witzhelden dem Zweckverband bei. Die wachsende Raumnot hat 1968 mit dem Bezug des neuen Gebäudes an der Stauffenbergstraße ein Ende. 1979 wird die Einrichtung in eine Kollegschule umgewandelt, 1981 das erste Abitur abgenommen.

Das 100-jährige Bestehen feierte man 2005 als "Schule der Vielfalt" mit breiter Angebotspalette. Im laufenden Schuljahr soll mit diversen Veranstaltungen der 111. Geburtstag der Lehranstalt begangen werden.

Quelle: RP
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