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Faktencheck aus Leverkusen
Jedes achte Mal wird der Patient nicht mitgenommen

Faktencheck aus Leverkusen: Jedes achte Mal wird der Patient nicht mitgenommen
2015 führte der Rettungsdienst der Stadt Leverkusen 23.883 Einsätze durch. (Symbolbild) FOTO: dpa, nar soe vfd
Leverkusen. Eine Familie erhob schwere Vorwürfe gegen zwei Leverkusener Rettungssanitäter. Sie sollen sich geweigert haben, eine 76-Jährige in ein Krankenhaus zu bringen. Wie entscheiden Rettungssanitäter in solchen Fällen? Und passiert so etwas häufiger? Wir haben die Stadt gefragt.  Von Sebastian Fuhrmann

Im Fall der 76-Jährigen ermittelt die Polizei wegen unterlassener Hilfeleistung. Sanitäter sollen sich zunächst geweigert haben, die Frau mitzunehmen. Später sollen Ärzte einen lebensbedrohlichen Darmverschluss bei der Frau festgestellt haben. Angehörige stellten am 31. Oktober Strafanzeige.  Zum laufenden Verfahren wollen sich derzeit weder Stadt noch Polizei äußern. 

Wie oft kommt es vor, dass der Rettungswagen Personen nicht mitnimmt? 

Nach Angaben der Stadt Leverkusen führte der Rettungsdienst der Stadt im Jahr 2015 23.883 Einsätze durch. 19.054 davon waren Notfalleinsätze, 4.829 Krankentransporte. 2.303 Mal wurde kein Patient mitgenommen.

Welche Gründe waren entscheidend?

Zum Beispiel diese: 113 Mal reichte es aus, die Personen im Haus zu behandeln, 309 Einsätze wurden abgebrochen, in 620 Fällen wurde die Behandlung verweigert, 464 Mal befand sich keine verletze Person an der Einsatzstelle, 233 Mal stellte ein Notarzt den Tod des Patienten fest. 486 Mal gab es keine Indikation, das heißt, es wurde nichts festgestellt, was einen unbedingten Transport erfordert hätte. Nach Angaben der Stadt Leverkusen fällt auch der Fall der 76-Jährigen in diese Kategorie. 

Werden Einsätze dokumentiert?

Ja, jeder Einsatz wird schriftlich dokumentiert, unabhängig davon, ob ein Patient transportiert wurde oder nicht. 

Wie oft wird in Leverkusen am Tag ein Rettungswagen gerufen? 

In der Leitstelle der Feuerwehr Leverkusen gingen von August bis Oktober 2016 mehr als 19.000 Anrufe ein, davon etwa 6300 Notrufe. Das sind durchschnittlich etwa 70 Notrufe pro Tag.

Wie oft gibt es "Scherzanrufe"? 

Scherzanrufe sind nach Angaben der Stadt selten, sie werden aber je nach Schwere zur Anzeige gebracht. Häufig seien versehentliche Anrufe, etwa weil sich in der Hosentasche die Tastensperre löste. 

Wer sitzt im Rettungswagen?

In der Leitstelle arbeiten Disponenten, die nach Angaben der Stadt grundsätzlich zu Rettungsassistenten ausgebildet sind. Jeder Rettungswagen ist mit zwei Mitarbeitern des Rettungsdienstes besetzt. Mindestens einer von ihnen ist ausgebildeter Rettungsassistent. Die theoretische und praktische Ausbildung zum Rettungsassistenten dauert zwei Jahre, Absolventen werden staatlich geprüft. Im Notfalleinsatz entscheide somit ein entsprechend qualifizierter Einsatzführer (Rettungsassistent) anhand der Situation und der Befunde über das weitere Vorgehen, erklärt die Stadt.

Wie viele Beschwerden über den Rettungsdienst gibt es? 

Im Jahr 2015 gab es bei der Feuerwehr elf Beschwerden, die den Rettungsdienst betrafen. Das entspricht einem Anteil von 0,046 Prozent aller Einsätze. Die Feuerwehr nehme die Fälle "sehr ernst", erklärt die Stadt Leverkusen.

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