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Leverkusen
Jugendliche fürs Handwerk begeistern

Leverkusen. Zwei junge Holzdesigner luden die Öffentlichkeit in ihre Werkstatt ein. Sie sind Teil eines regionalen Netzwerkes, das, den Nachwuchs an Handwerks-und Technikberufe heranführen möchte. Dazu gibt es auch Ferienkurse. Von Siegfried Grass

Viele wissen nicht, was ein "Wakeboard" ist. Es ist ein Wassersportgerät, das an die Füße geschnallt wird, um damit auf dem Wasser zu gleiten. Besucher der Wasserski-Anlage in Langenfeld kennen es natürlich. Es ist ein Gerät, das einige hundert Euro kostet. Aber warum kaufen, man kann es auch selber machen. Wie das geht, haben Tim Hoffmann und Thomas Goth nicht nur gezeigt, sondern auch mit Jugendlichen nachgemacht. Die beiden jungen Handwerksmeister der Fachrichtung Holz sind die Geschäftsführer der "Meisterwerk Holzdesign & Workshops" und haben neben einer Schreinerei in der Neuen Bahnstadt in Opladen auch eine Werkstatt in der Reuschenberger Mühle in Bürrig.

Sie hatten jetzt die Öffentlichkeit als Partner im "zdi-Netzwerk cLEVer" eingeladen. Sie sind damit zugleich Teil einer Gemeinschaft zur Förderung des naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchses in Nordrhein-Westfalen. In Leverkusen (und der Bildungsregion Rhein-Wupper) besteht diese Initiative seit einem Jahr. Bereits mehr als 450 Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren wurden für die sogenannten MINT-Themen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) begeistert. Denn darum geht es Peter Theobald, Lehrer an der Geschwister-Scholl-Schule, der die Initiative koordiniert und das Ziel hat, im nächsten Jahr noch 40 Firmen (derzeit 14) als Partner zu gewinnen, die Angebote für Jugendliche vorbereiten. Von Anfang an dabei ist die Burscheider Firma Federal-Mogul, die in den Schulferien Jugendliche begeistern konnte, ein eigenes solargetriebenes Flugzeug und einen elektronischen Würfel zu bauen.

Joachim Ferrier, Leiter technische Ausbildung beim Burscheider Unternehmen, schildert die Notwendigkeit, Jugendliche schon sehr früh für technische Themen zu gewinnen: "Ich sehe einen Besorgnis erregenden Trend, wenn wir die Jugendlichen nicht für Technik begeistern können," sagte er. In seiner Firma beispielsweise hätten sich 350 Jugendliche auf lediglich drei kaufmännische Ausbildungsberufe beworben, die Chancen auf einen der 22 technischen Stellen seien da ungleich größer. Dabei hat er bei den Ferienworkshops durchaus eine Begeisterung bei den Jugendlichen für das Handwerkliche und die Technik erkennen können, wenn sie erst einmal etwas selber hergestellt haben und das Produkt dann mit nach Hause nehmen. Schon frühzeitig können die Talente der Jugendlichen damit gefördert werden. Sie machen eigene praktische Erfahrungen, wissen auch, wie es in Firmen aussieht, wie Ferrier hervorhebt. Auch wenn es nicht immer einfach sei, die Jugendlichen von der Beschäftigung mit ihren Handys abzulenken, so gelinge das mit dem Fortschritt der eigenen handwerklichen Arbeit, fügt er hinzu.

In der Reuschenberger Holzwerkstatt haben das die beiden Meister Hoffmann und Goth beobachtet, wenn nämlich jemand eine eigene Nachttischlampe oder Schachfiguren aus Holz baut, dann wird das Handy auch schon mal zur Nebensache.

Wie groß das Interesse mittlerweile ist, zeigten die Kursangebote für die vergangenen Herbstferien: Das Angebot "Naturkosmetik für Mädchen, hautverträgliche Kosmetik selbst herstellen", fand ein reges Interesse, oder der Kurs "Ara Shoes, wie mache ich einen schönen Schuh" war ganz schnell ausgebucht.

Die Angebote reichten von der Erstellung einer eigenen Windkraftanlage über Pneumatik, Robotik und Elektrotechnik. Die Ferienkurse für das nächste Jahr - in der Regel fünf Stunden am Tag und für eine Woche - werden vorbereitet. Ein Blick auf die Internetseite "http://clever-zdi.de" lohnt sich schon jetzt. Die Ferienkurse sollen dann von Firmen, dem Berufskolleg Opladen und in Feriencamps angeboten werden.

Quelle: RP
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