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Leverkusen
Jung und Alt bekennen sich in der Aloysiuskapelle zu ihren Werten

Leverkusen: Jung und Alt bekennen sich in der Aloysiuskapelle zu ihren Werten
Pfarrer Heinz-Peter Teller sprach gestern in der Aloysiuskapelle über Werte. Den Nachmittag für Jung und Alt moderierte Klemens Büsch (r.). FOTO: Ralph Matzerath
Leverkusen. Die renovierte Aloysius-Kapelle ist viel zu hallig: Diesen Eindruck teilte Pfarrer Heinz-Peter Teller gestern mit einer Gruppe von Senioren, mittelalten und jungen Leuten, die mit ihm über "Werte im Wandel" sprechen wollten. Von Gundhild Tillmanns

Ob mit oder ohne Mikrofon, die Redebeiträge sind in der Kapelle nur schwer zu verstehen. Da scharte sich die Gruppe aus dem CBT-Wohnheim Upladin und Jugendlichen aus dem Landrat-Lucas-Gymnasium (LLG) umso enger im Kreis, um einander auch verstehen zu können. Teller hielt in seiner gewohnt humorvollen Art ein kleines Auftaktreferat, bevor er, wie alle anderen, zu einem der 40 ausgelegten Blätter griff. Darauf waren Wertbegriffe wie "Verantwortungsgefühl", "Mut", "Disziplin" und viele andere mehr notiert. Doch Teller griff zur "Pünktlichkeit": "Ich habe etwas genommen, was ich nicht habe", gab der Monsignore zu. Denn zuvor hatte er Werte als etwas bezeichnet, nach dem sich der Mensch hinstrecken müsse. Wert komme von dem Verb werden.

Diesen Nachmittag der Reihe "Was denkst du denn?" moderierte Klemens Büsch, Lehrer des LLG. Seiner Aufforderung an die Besucher der unterschiedlichsten Altersgruppen, über eigene Werteerfahrungen zu sprechen, folgte sogar eine Viertklässlerin. Die kleine Judith ließ allerdings ihre Mutter vortragen, was sie ihr zuvor über den Wertebegriff "Achtung" gesagt hatte. Judith hatte in ihrer Klasse gelernt, dass man andere Kinder ausreden lässt und sie nicht auslacht, und dass die Stärkeren den Schwächeren helfen sollen.

Eine Seniorin wählte die "Ehrlichkeit" und verblüffte mit ihrem Bekenntnis: "Ehrlichkeit gehört zum Zusammenleben, aber sie ist manchmal sehr, sehr schwierig. Ich lebe jetzt seit fünf Jahren im Upladin, und ich frage mich oft, ob ich das sagen soll, was ich denke." Eine Jugendliche wählte "Disziplin" als einen wichtigen Wert für ihr Leben aus. Sie verfolge ihre täglichen Ziele, und dafür lohne es sich, Disziplin aufzubringen, meinte die Schülerin. Pfarrer Teller fand das zunächst "anstrengend", lobte die junge Frau dann aber genauso wie alle anderen. Denn keine Äußerung wurde kritisiert, jeder konnte frei sprechen und tat es auch.

So gab eine Besucherin zu: "Jetzt als alte Frau habe ich den Mut, Dinge zu wagen, die ich mich früher nicht getraut habe." Und hatte Teller eingangs doch so treffend gesagt: "Werte sind dem Menschen vorgegeben, die muss man sich nicht ausdenken."

Quelle: RP
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