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Leverkusen
Junges Theater: brutal, brillant, "bash"

Leverkusen: Junges Theater: brutal, brillant, "bash"
Homosexuellen zu Tode geprügelt - bei "bash" ein Partyspiel. FOTO: um
Leverkusen. Die Premiere des neuen Stückes hatte es in jeder Beziehung in sich - keine leichte Kost für das Publikum. Von Bastian Quednau

Ein Stuhl. Mehr ist auf einer kleinen Bühne im Opladener Kulturausbesserungswerk nicht zu sehen. Derweil schreitet ein junger Mann im Anzug ein paar Stufen hinunter und setzt sich an die Bar neben der Bühne. Er nippt an einem Whiskeyglas und schaut ausdruckslos ins Publikum. "Ok, ich erzähle die Geschichte einmal, aber nur, weil sie es wert ist, erzählt zu werden", bringt er nach einiger Zeit die ersten Worte heraus: "Aber was passiert ist, ist halt passiert. Daran kann man nichts mehr ändern."

So beginnt die Inszenierung von "Bash! Stücke der letzten Tage", die am vergangenen Wochenende drei Mal gezeigt wurde. Ein Theaterstück vom US-amerikanischen Autor Neil LaBute, aufgeführt vom Ensemble des Jungen Theaters Leverkusen. Genau genommen handelt es sich hierbei um drei verschiedene Geschichten, die nacheinander erzählt werden. Den Anfang macht der oben bereits beschriebene Geschäftsmann, der über den plötzlichen Kindstod seiner sieben Monate alten Tochter berichtet. Nach und nach beichtet er, dass er dem Unglück nachgeholfen hat, um sich durch das Mitgefühl der Kollegen bessere Chancen im Beruf zu verschaffen. Anschließend betritt ein junges Pärchen die Bühne, das während einer wilden Partynacht mit Freunden einen Homosexuellen zu Tode geprügelt hat.

Den Abschluss bildet eine Frau Anfang 20. Vor einigen Jahren hatte sie eine Affäre mit einem Lehrer. Nachdem sie ihm eröffnete, dass sie schwanger sei, verließ er sie. Ihre Liebe für ihn erlosch jedoch nie. Sie beschließt, sich an ihm zu rächen und ertränkt ihren gemeinsamen Sohn.

Erschreckend sind dabei nicht nur die Taten an sich, sondern auch die teilweise einfachen Motive, aus denen gehandelt wird. Dabei sind die Charaktere eigentlich normale Menschen, die nicht abgrundtief böse sind. Das Besondere ist, dass die Darsteller über die gut zwei Stunden lediglich Monologe führen. Von dem was sie getan haben, wird zu keinem Zeitpunkt irgendetwas gezeigt.

Das gesamte Geschehen findet ausschließlich im Kopf des Zuschauers statt. Das hört sich anstrengend, vielleicht sogar langweilig an, es funktioniert aber vor allem aufgrund der emotionalen Schilderung der Schauspieler.

Ihre Leistung ist dabei noch höher einzuordnen, da sie das gesamte Stück in gerade einmal drei Wochen eingeübt haben. "Das war eine sehr intensive Übungsphase", bestätigt Petra Clemens, Regisseurin und künstlerische Leiterin. "Es war auch ein wenig ein Abschiedsspiel, da drei der vier Akteure uns demnächst verlassen und staatliche Schauspielschulen besuchen werden."

Quelle: RP
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