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Leverkusen
Kampf um Bücherei hat sich gelohnt

Leverkusen: Kampf um Bücherei hat sich gelohnt
Das Team der Bücherei: Barbara Hörniß, Stefanie Sprokhofen, Marion Arnold, Maria Schobel; vorne: Edeltraut Hartmann, Rosemarie Pankow und Eva Müller. FOTO: Miserius
Leverkusen. Vor 20 Jahren verhinderten engagierte Bürger Schließung in Steinbüchel. 7300 Medien und 200 Ausleihen pro Monat. Von Tobias Brücker

Die hölzernen Regale scheinen unter der Last zu ächtzen. Sie tragen nicht nur Bücher. Sie schultern Geschichten, bunte Figuren, Reisen in unbekannte Welten, Wissen aus der ganzen Welt und viel Fantasie - eine schwere und kostbare Last. Sie stehen in Steinbüchel, in der Bücherei. Die hatte eigentlich vor rund 20 Jahren schließen sollen - ein kleiner Kampf begann.

Rosemarie Pankow war es, die damals die Schließung nicht hinnehmen wollte. Zusammen mit Freundin und Mitstreiterin Magret Meidow wehrte sie sich. Sie schickten Mitteilungen an die Stadt, das Land und drückten ihren Unmut aus. "Wir haben viele böse Briefe geschrieben", sagt die Rentnerin, die mittlerweile über 80 Jahre alt ist, schmunzelnd.

So böse, betont Stefanie Spickhofen lächelnd, seien diese Briefe gar nicht gewesen. Gleichwohl, könne ihnen eine fordernde Formulierung nicht abgesprochen werden. Die 54-Jährige muss es wissen, denn schließlich ist sie ist seit einiger Zeit Vorsitzende des Bücherei-Fördervereins, der die kleine Bibliothek unterstützt.

Der Kampf, der vor rund 20 Jahren mit ein paar Briefen seinen Anfang nahm, war also erfolgreich. Seitdem ist die Bücherein mit all den Büchern einige Male umgezogen. Nun sind sie in einem Anbau der Montanus-Realschule zu finden, der über den Schulhof zugänglich ist.

Die vielen Umzüge bergen allerdings ein großes Problem. "Man muss die Leute bei der Hand nehmen", erzählt Pankow. Demnach wüssten viele Menschen nicht, dass im Stadtteil eine Bücherei zu finden ist. "Wenn man Pech hat, dauert es zehn Jahre", berichtet sie weiter.

Dennoch: Die Bücherei, in der rund 7300 Medien zu finden sind, ist sehr beliebt. Im Monat werden rund 200 Ausleihen registriert. Gerade Kinder sind begeistert von der großen Auswahl - und dem Fakt, dass sie die Bücher tatsächlich für geraume Zeit mit nach Hause nehmen dürfen.

Eine Begegnungsstätte ist der kleine Ort jedoch nicht. Dafür stöbern oft zu wenig Menschen zeitgleich in den Regalen. Immerhin aber haben die 16 ehrenamtlichen Helfer sich selbst. Sie räumen Regale ein, sind gute Seelen der Bücherei. Insgesamt zehn Stunden arbeiten sie in der Woche - das teilen sie untereinander auf. Finanziert werden die Krimis, alten Schmöker und Bilderbücher von der Stadt. Die zahlt auch die Miete. Und doch tut der Förderverein, der rund 70 Mitglieder umfasst, eine kleine Summe dazu. Vom jährlichen Beitrag von zehn Euro werden Feste, Bücher oder Lesungen organisiert.

Auch Rentnerin Pankow ist dann mit dabei. "Ich fühle mich verpflichtet", betont sie. So hilft sie obendrein im hohen Alter mit - obwohl ein großer Garten zu Hause auf sie wartet.

Ihr erfolgreicher Kampf wurde am Sonntag gefeiert. Höhepunkt des Programms war die Lesung der Autorin Isabella Archan, die aus ihrem neuen Buch "Auch Killer haben Karies" vortrug.

Quelle: RP
 
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