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Leverkusen
Kein Zoch: Prinz Markus kamen die Tränen

Rosenmontagszug in Leverkusen abgesagt: Prinz Markus kamen die Tränen
Prinz Markus und FLK-Chef Uwe Krause versanken in Kamellebergen. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. Gestern Früh sagte das Festkomitee Leverkusener Karneval (FLK) den Rosenmontagszug wegen der Sturmwarnung ab - was folgte waren emotionale Momente in der Wagenhalle des FLK und Pragmatismus bei Strüßjer-Verteilen. Von Ludmilla Hauser

Ich schiebe die Wolken jetzt weg, ich brauch ne freie Bahn", schallt aus dem Handy von Manfred Luxem, als es klingelt. Und das klingt an diesem Vormittag ein bisschen wie Hohn, denn die Zeile aus einem Lied von Andreas Martin kann die Sturmwarnung des Deutschen Wetterdienstes nicht wegschieben. Die Traurigkeit aus Manfred Luxems Gesicht auch nicht. Der Zugleiter sieht bedröppelt aus. Am Mittag wäre sein 24. Rosenmontagszug losgegangen - 2000 Teilnehmer, Zigtausend Zuschauer. "Ich bin maßlos enttäuscht", sagt Luxem mit belegter Stimme und traurigem Blick. "1990 war ich noch aktives Mitglied im Zug, als der mittags wegen Sturms abgesagt werden musste. Ein Jahr später fiel er wegen des Golfkrieges ganz aus", erzählt der Zugleiter, der in dem Augenblick gerne Zugleider heißen könnte.

An den Zug, bei dem Wolfgang Gerner Prinz Karneval war, erinnert sich auch FLK-Präsident Uwe Krause. "Das hat hier heute die selbe Wirkung wie 1990. Damals stand der halbe Zug parat, als er abgesagt wurde. Da waren schon Ziegel von den Häusern geflogen", berichtet er mit einer mindestens so belegten Stimme wie Luxem, als er in der Wagenhalle des FLK an den aufgetürmten Kamellekisten vorbeigeht. Tapfer sagt er: "Die Sicherheit der Zuschauer und Teilnehmer geht vor."

Eine Vernunftentscheidung. "Wir haben auf Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr gehört. Es gab keine Alternative. Wenn auch nur ein Bürger durch einen herabfallenden Ast oder anders verletzt werden würde, dann hätten wir als Veranstalter am Pranger gestanden: Wie konntet Ihr nur, es gab genug Sturmwarnungen", fasst Krause zusammen. An mögliche Kosten für Ordner und Kapellen mag er noch nicht denken.

Das traurige Trio an der Spitze des Opladener Karnevalszugs komplettiert Prinz Markus I. (Hilche), der "glücklicherweise Sonntag schon auf dem Wiesdorfer Zug mitgefahren ist". Auch er sagt, was man an so einem Tag sagen muss: "Die Sicherheit geht vor." Tränen kann er nicht unterdrücken. "Diese Entscheidung ist brutal für jeden Karnevalisten." Hilche denkt in dem Moment an andere: "Mir tut das so für die Opladener Vereine leid, die sich monatelang auf den Zug vorbereitet haben. Und dann das Kinderprinzenpaar der Neustadtfunken. Das wäre deren Zug gewesen. Jetzt sind sie in der Session in keinem Zug mitgefahren", sagt Markus I., während das Handy nicht stillsteht: Einladungen zum Feiern vom Bayer Spielmannszug, von Senator Helmut Krausen (Rheinkadetten), von den Roten Funken, den Altstadtfunken.

"Der Prinz hat ja jetzt Zeit", versucht Markus einen ersten Scherz. Zu Hause verkriechen will er sich nicht: "Ich bin ein Prinz, der zum Publikum geht." Von Seiner Frau Manuela Hilche hat er schon die Erlaubnis: "Nächstes Jahr kann er gerne nochmal den Prinzen geben", sagt sie aufmunternd in der frustrierten Stimmung um die FLK-Wagenhalle, wo Luxem, Krause und der Prinz auf Ex-Prinz Andreas Edelmann treffen: "Ich habe so einen Hals", sagt er seinen Frust offen heraus. "Warum können die in Köln laufen und wir nicht?"

Wütend gewesen sei sie zuerst auch, erzählt Davina (12) vom Kinderprinzenpaar der Neustadtfunken, als sie mit zwei Arm voll Strüßjer im Seniorenwohnheim Upladin steht. Die Blumen wollen sie und Prinz Patrick (12) unter den Bewohnern verteilen. " Und traurig, vorhin war es sonnig und windstill. Das ist echt Mist", verdeutlich sie. "Ich bin noch nie auf einem Wagen mitgefahren."

Und dann wischen die Beiden fast wie in Luxems Handyklingelton dunkle Wolken weg: "Also erstens wird der Zug ja vielleicht nachgeholt oder wir fahren im Sommer in Bürrig mit. Und wenn nicht, dann sind wir im nächsten Jahr als Ex-Kinderprinzenpaar auf einem Wagen."

Quelle: RP
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