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Leverkusen
Karussellfahren hinterm "Eisernen Vorhang"

Leverkusen. Platz nehmen und sich in Ruhe eine schöne Vorstellung ansehen? Kennt vermutlich jeder. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter den Kulissen? Spannende Einblicke gab es am Samstag bei einer besonderen Kultur-Stadtrundfahrt. Von Gabi Knops-Feiler

Gleich zwei Premieren gab es bei der jüngsten Stadtrundfahrt des Vereins "Leverkusen, ein starkes Stück Rheinland": Der Leverkusener Journalist Günter Jagenburg übernahm seine erste Führung durch die "Kulturstadt Lev", und zum ersten Mal gewährte Bayer Kultur diesem Kreis einen Blick hinter die Kulissen seines Kulturtempels", sprich dem Erholungshaus. Allzu viel Zeit blieb zwar nicht für die Bühnenführung mit 50 Teilnehmern. Doch es reichte, um einen kleinen Eindruck von der komplizierten, aber modernen Technik zu bekommen.

Am Eingang begrüßte Reiner Ernst Ohle, Schauspiel-Referent der Bayer Kultur, die Gruppe und informierte über die Historie des 1907 erbauten und 1908 eingeweihten Gebäudes, das damals als erste Adresse für Musiker galt und noch heute gilt. Die weitere Führung übernahm der stellvertretende technische Leiter Roland Tebarth. Dort, wo sich sonst nur Schauspieler aufhalten, sollten die Besucher raten, wo der große Saal mit bis zu 800 Sitzplätzen ist.

Ja, richtig, hinter dem elf Meter breiten und sechs Meter hohen so genannten "Eisernen Vorhang", der als Brandschutz dient und sich sogleich vor den Augen der Besucher öffnete. Sie blickten nach oben in das 16 Meter hohe Bühnenhaus und sahen insgesamt 27 Zugstangen an dessen Wänden, mit denen Bühnenbilder verschwinden oder Leinwände herabgelassen werden. Fast alle Stangen sind handbetrieben und tragen Gewichte zwischen 300 Kilo und einer Tonne.

Einmal Karussellfahren gefällig? Dazu stellten sich Gäste in die Mitte der Bühne, schon drehte sich eine neun Meter große Scheibe, die eigentlich für den schnellen Szenenbildwechsel installiert ist. Den notwendigen Strom für Bühne und Beleuchtung liefere ein eigener Transformator mit 800 Kilowattstunden, sagte Tebarth. "Die Energie würde ausreichen, um 200 Einfamilienhäuser mit Strom zu versorgen", erläuterte er. In der Regel würden 60 bis 150 Scheinwerfer zeitgleich brennen.

Apropos brennen: Für den Fall eines Feuers lagern 2500 Liter Löschwasser und ein Zusatztank mit 10.000 Litern Wasser im Keller des Hauses. Abschließend gestattete Ohle einen kurzen Blick ins Künstlerzimmer, dem "Gral mit eigenem Geist", in dem Porträts berühmter Menschen zu sehen sind, die allesamt schon im Erholungshaus gastierten. "Ein schönes Geburtstagsgeschenk", urteilte Ann-Kathrin (24) aus Bürrig an dieser Stelle über die Stadtrundfahrt, die sie von ihrer Freundin Rebecca (22) aus Quettingen erhielt und die sie unter anderem auch zum Walzwerk Wuppermann, dem Lindenhof und in die neue Bahnstadt führte.

Quelle: RP
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