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Leverkusen
Katholiken wünschen sich eine offenere Kirche

Leverkusen. Als Drehung um 180 Grad bezeichnete Dr. Holger Dörnemann vom Ehe- und Familienpastoral im Erzbistum Köln das Schreiben 'Amoris Laetitia' von Papst Franziskus. Das Abschlussdokument der zwei Jahre währenden Familiensynode stelle die kirchliche Hierarchie auf den Kopf. Von Monika Klein

Der Geistliche vor Ort müsse nun für sich klären, wie er es in der Praxis mit der Eucharistie für Geschiedene und Wiederverheiratete und mit den Konfliktthemen Zusammenleben vor der Ehe, Empfängnisverhütung oder Homosexualität hält. Nicht Papst oder Bischof könne verbieten, und auch nicht der Stadtdechant, setzte er in Richtung Monsignore Heinz-Peter Teller hinzu, der die Teilnehmer des diesjährigen Martinsempfangs im Pfarrsaal von St. Andreas begrüßt hatte. Mit 140 Anmeldungen waren es im Jahr des doppelten Jubiläums mehr Vertreter aus Pfarrgemeinden, kirchlichen Vereinen und Verbänden und aus Politik und Verwaltung als sonst. Katholikenratsvorsitzende Norbert Hölzer machte als Veranstalter darauf aufmerksam, dass am 7. April 1946, also vor 70 Jahren, der Katholikenrat Leverkusen gegründet wurde und vor 30 Jahren erstmals zum Martinsempfang eingeladen hat.

Am Anfang kurz nach dem Krieg stand die Mitwirkung an Grundsätzen und Bildungsangeboten im Vordergrund, ging es nach der Nazizeit darum, "verlorenes Terrain" zurückzugewinnen. Wurden die Delegierten früher vom Pastor ernannt, sind es nach dem 2. Vatikanischen Konzil gewählte Vertreter. "Wir Laien sind in unserer Kirche gefragter denn je", betonte Hölzer mit Blick auf Priestermangel und einem Rückgang der Hauptamtlichkeit. Skeptisch fragte er angesichts von schwindender Bereitschaft zum Ehrenamt: "Sind wir vorbereitet?"

Laien vor Ort waren an der Vorbereitung einer Diskussion für die Synode beteiligt, durch Fragebögen. Mit der Beantwortung der sperrigen Fragen habe man sich zwar schwergetan, doch die Zusammenfassung auf der Homepage des Erzbistums zeigte die Haltung der überwiegenden Mehrheit der Katholiken. Die erwarteten die Lockerung des Verbots von Pille und Kondom, Eucharistie für wiederverheiratete Geschiedene und Segnung homosexueller Verbindungen. Erwartungen, die in Gegensatz zu Auffassungen von Katholiken in Asien oder Afrika standen, die es aber doch alle unter einen Hut zu bringen galt.

Was für den einen Bischof normal schien, empfand der andere als befremdend, oder gar skandalös, umschrieb Dörnemann im Vortrag "Die Liebe im Mittelpunkt. Das nachsynodale Schreiben 'Amoris Laetitia' von Papst Franziskus" das Dilemma, bei der Vielfalt von Kulturen eine Sprache zu finden. Seine Deutung des Schreibens ist im Kern der Gedanke der Barmherzigkeit, nicht nur im karitativen Sinne, sondern in der Überzeugung, dass Gott jede Sünde verzeiht und Neubeginn ermöglicht. Die Kirche müsse der Haltung Christi folgen, der niemanden ausgeschlossen habe.

Quelle: RP
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