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Leverkusen
Kein Anpfiff für die Badegäste

Leverkusen: Kein Anpfiff für die Badegäste
Thomas Honnef ist gelernter Schwimmmeister, aber niemandem böse, der ihn Bademeister nennt. FOTO: Matzerath, Ralph
Leverkusen. Seit fast 40 Jahren arbeitet Thomas Honnef in Leverkusen als Schwimmmeister. Er und seine Mitarbeiter wachen an heißen Tagen im Freibad an der Talstraße über das Wohl von 1200 Badegästen. Heute kommen noch mehr. Von Roman Zilles

Die Sonne? Brennt ohne Erbarmen. Schatten? Mangelware. Lärmpegel? Auf permanent hohem Niveau. Genau so mag Thomas Honnef das. An Tagen, an denen schon Schulterzucken Schweißanfälle verursacht, kommt er am liebsten zur Arbeit. "Das", sagt der 55-Jährige und breitet auf der Liegewiese des Freibades Wiembachtal die Arme aus, "ist unsere Belohnung für die viele Arbeit, die hinter dem Betrieb eines solchen Bads steckt."

Auf 1200 schätzt Honnef die Besucherzahl am Dienstag. Er ist Bad-Leiter an der Talstraße, und mit ihm sind nachmittags acht Mitarbeiter im Einsatz. Acht Augen von vier Schwimmmeister wachen über die Badegäste. Als Leiter arbeite er inzwischen viel im Büro. Aber wenn der Schreibtisch auf ihn verzichten kann oder es die personelle Lage erfordert, hat er auch immer wieder mal ein Auge auf die Badenden und hält Ausschau nach einem möglichen Notfall. Eine Erfahrung lautet: "Nicht auf die Leute achten, die oben schwimmen, denen geht es gut. Immer auch einen Blick auf den Boden des Beckens werfen." Er hoffe vor jedem Arbeitstag, dass nichts Dramatisches passiert. Und seit dreieinhalb Jahren sei die Hoffnung erhört worden. "Damals bekam jemand einen Herzinfarkt im Bad. Das hätte überall passieren können, aber ich weiß noch, wie sehr das alle Mitarbeiter gefordert hat."

Am 1. September jährt sich Honnefs Berufseinstieg zum 40. Mal. Damals begann er eine Lehre bei der Stadt, die er unter anderem noch in den Hallenbädern an der Bismarckstraße und in Rheindorf absolvierte. "Ich hab mich 1976 beworben, da war nach der Ölkrise, und es gab nicht so viele Lehrstellen." Also bewarb er sich gleich mehrfach, zum Beispiel auch als Fernmeldemechaniker. Stattdessen wurde er Schwimmmeister. "Und ich bin froh, dass es so gekommen ist", sagt Honnef. Dass ihn die meisten nicht Schwimm-, sondern fast alle Bademeister nennen? "Ist schon okay", sagt Honnef. "Obwohl Bademeister eigentlich ein medizinischer Beruf in Kur-Bädern ist."

1200 Gäste wie am Dienstag seien zwar gut in einer durchwachsenen Saison, aber weit unter Rekord. "Der liegt bei 4200. Das war letztes Jahr. Da sah man kein Grün von der Wiese mehr, so dicht lagen die Leute", schwärmt Honnef. Je heißer und schwüler, desto mehr Menschen suchen Abkühlung im Opladener Freibad - wobei das mit der Abkühlung angesichts von 25 Grad Wassertemperatur relativ ist. Der Klassiker unter den häufigsten Ansagen, die die Schwimmmeister tagtäglich machen müssen, sei im Übrigen seit Jahrzehnten gleich: "Nicht vom Beckenrand springen" ist nicht von Platz eins zu verdrängen.

Ab und an knackt und rauscht es im Funkgerät an Honnefs Hosenbund. Früher baumelte dort bei Bademeistern meist eine Trillerpfeife. "Aber die gibt es bei uns nicht mehr", sagt der Sportpark-Mitarbeiter. Man sei davon abgekommen, Gäste "anzupfeifen". Wenn sich jemand nicht an die Regeln hält, wird das Gespräch gesucht. "Jeder wird in vernünftigem Ton angesprochen", sagt Honnef. Dass Jugendliche nicht folgen und stänkern, komme öfter vor. Die zählen vermutlich auch zu den Leuten, wegen denen an den Bäumen Schilder aufgehängt wurden, auf denen zu lesen ist, dass Abfall tunlichst in einen der vielen Mülleimer geworfen werden sollte. Honnef zuckt die Achseln. "Das mit der Respektlosigkeit hat wie überall in der Gesellschaft zugenommen. Obwohl es manchmal nur eine Sache der richtigen Ansprache ist. Aber bei uns ist das kein großes Problem. Wir haben hier ein sehr schönes Publikum, zu uns kommen sehr viele Familien mit Kindern."

Und das wird auch am Mittwoch so sein. "Dann wird es noch heißer und schwüler. Das bedeutet, dass noch mehr Gäste kommen werden", sagt Honnef.

Quelle: RP
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