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Thema Darmrkebsvorsorge-Monat März
Keine Angst, dass der Krebs wiederkommt

Leverkusen. Das Ehepaar Wiegard aus Monheim hat eine erstaunliche Krankheits- und Genesungsgeschichte hinter sich. Von Ludmilla Hauser

Opladen Elisabeth und Walter Wiegard sind seit 61 Jahren verheiratet. Im Leben teilen sie seitdem alles - "offenbar auch Erkrankungen", sagt der 88-Jährige aus Monheim-Baumberg süffisant lächelnd. Im Frühjahr 2015 wurde bei seiner Frau Darmkrebs diagnostiziert. "Im ersten Moment habe ich gedacht, hoffentlich sterbe ich nicht daran", merkt die 87-Jährige ehrlich an. "Man merkt ja davon nichts außer eine ungeheure Schlappheit." Kurz drauf war wieder ihr Lebenswille geweckt, und der Termin für die Operation im Opladener Remigius-Krankenhaus stand.

Walter Wiegard gesteht, er sei von dem Schicksalsschlag seiner Frau "sehr getroffen" gewesen, habe aber Wert darauf gelegt, sich das nicht anmerken zu lassen. Wenig später beschlich ihn ein mulmiges Gefühl, eine Vermutung, er könnte die Krankheit auch haben. Hausarztbesuch, Darmspiegelung im Krankenhaus, Gewebeproben - auch bei dem vitalen Senior wurde Darmkrebs diagnostiziert. Mitte Dezember hat Dr. Dirk Wassenberg, Chefarzt der Viszeral- und Thoraxchirurgie am Remigius-Krankenhaus den Monheimer operiert. Und staunt drei Monate später in seinem Büro darüber, als Walter Wiegard heiter sagt: "Dieser Tage muss ich ein bisschen Kaminholz schlagen. Unsere Kinder kommen bald zu Besuch, da soll es abends gemütlich sein."

60 bis 70 Patienten werden pro Jahr am Remigius-Krankenhaus, das zur katholischen Kplus-Gruppe gehört, wegen Darmkrebs operiert. Etliche, betont Wassenberg, "wären vermutlich vermeidbar, wenn die Patienten frühzeitig zur Koloskopie, also zur Darmspiegelung gegangen wären. Dabei können dann schon Polypen entfernt werden, aus denen sich Darmkrebs entwickeln kann", erläutert der Arzt. Seit etlichen Jahren zahle die Krankenkasse ab einem bestimmten Patientenalter zwar die Koloskopie. Die Scheu vor dem Gang zur Darmspiegelung aber baue sich nur langsam ab. "Jetzt merkt man aber, dass die Zahl der Darmkrebserkrankungen allmählich etwas zurückgeht", sagt Wassenberg.

Walter Wiegard nickt: "Bevor der Darmkrebs bei mir festgestellt wurde, habe ich auch immer gedacht: ,Damit hab' ich nix zu tun.'" Dass es ihn nun doch erwischt hat - und er sich im Gegensatz zu seiner Frau - derzeit noch einer Chemotherapie in Tablettenform unterziehen muss, nimmt der Monheimer mit Gelassenheit. "Es ist ganz gut für solche Fälle, wenn man von Natur aus positiv geladen ist", sagt er wieder mit diesem charmanten, leicht schelmischen Lächeln.

Seine Frau steht ihm in Sachen Lebensbejahung nicht nach: "Außerdem wirst Du ja auch gut von mir gepflegt", neckt sie ihn.

Beide haben in der Zeit der Krankheit jeweils um die 16 Kilo Gewicht verloren. "Ein Vierteljahr mussten wir auf Schwerverdauliches wie alle Kohlsorten verzichten", beschreibt die Seniorin. Der Mediziner ergänzt: "Die Patienten bekommen eine Ernährungs- und eine psychologische Beratung, Stomatherapie, einen Ordner, in dem alle Unterlagen zu allen Bereichen der Krankheit und der Therapie abgelegt werden können." Das gehöre eben auch zur medizinischen Gesamtbetreuung dazu.

Dass die beiden Senioren aus Monheim-Baumberg so fit sind, macht auch den erfahrenen Chirurgen Staunen: "Die Beiden sind wirklich eine Ausnahme. Aber an ihnen zeigt sich, dass man heute nicht mehr so denkt wie früher. Wenn bei jemandem im hohen Alter Darmkrebs diagnostiziert wurde, hieß es oft: Das lohnt sich ja nicht mehr zu operieren. Heute ist das anders. Es gibt die Alterschirurgie. Und man sieht an den Wiegards, dass sich eine Operation sehr wohl lohnt." Die Wiegards, die gerne reisen und sich jetzt den schönen, aber in jungen und mittleren Lebensjahren von ihnen vernachlässigten Regionen Deutschlands widmen wollen, nicken. Sie: "Wir haben keine Angst, dass der Krebs wiederkommt." Er: "Wenn ich die Chemo hinter mir habe, ist für mich der Fall erledigt." Das letzte Wort hat Elisabeth Wiegard: "Wir haben nämlich immer etwas vor."

Quelle: RP
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