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Leverkusen
Kinder bereichern, sind aber immer öfter arm

Leverkusen: Kinder bereichern, sind aber immer öfter arm
Lea (15, links) von den Maltesern beim Wundenschminken mit Joy (11) aus Küppersteg: Nicht nur bei dieser Attraktion des Kinderfestes standen die Bewerber bisweilen Schlange. FOTO: uwe miserius
Leverkusen. Die Wimpel weisen den Weg, bunte Luftballons tanzen im Wind. Fröhliches Kindergeschrei, das von eben jenem Wind durch Alkenrath getragen wird, lässt aufhorchen. Das Spielfest auf dem Schulhof der Erich-Klausener-Grundschule ist im vollen Gange. Von Michael Brücker

Organisatoren sind viele Vereine und Institutionen, die sich gegen Kinderarmut in Deutschland engagieren. Auch - oder besser: gerade deshalb - ist das Fest nach Alkenrath gelegt worden - ein Problemstadtteil im Leverkusener Stadtgebiet. Rüdiger Porsch arbeitet seit 25 Jahren für die Stadt, leitet das Haus der Jugend in Opladen. Er erläutert, Kinderarmut liege bundesweit bei rund 22 Prozent. Das allein solle in einem eigentlich reichen Land wie Deutschland nicht vorkommen. "In Alkenrath liegt die Kinderarmut bei 50 Prozent", betont der 60-Jährige.

Bei Familien, die mithilfe der staatlichen Stütze leben, seien für Schulsachen gerade einmal circa 1,79 Euro eingeplant. "Da kann man sich ja vorstellen, was man davon kaufen kann. Dafür kriegt man vielleicht einen Kugelschreiber", sagt Porsch. Mit dem Fest sollen den Kindern Möglichkeiten eröffnet werden, die sie in ihrem Alltag sonst nicht hätten - kostenlos versteht sich. Einnahmen, die sodann für weitere Arbeit mit benachteiligten Kindern verwendet werden können, gibt es noch nicht.

Hinter der Aktion steckt das Netzwerk gegen Kinderarmut. Es besteht unter anderem aus dem Jugendhaus Bunker (Dr.-August-Blank-Straße, Manfort), dem Haus der Jugend (Kolberger Straße, Opladen) sowie dem Verein "Kleiner Goldfisch" (Pfarrer-Klein-Straße, Lützenkirchen). Unterstützt wird das Netzwerk durch den Jugendhilfeplaner der Stadt, Michael Küppers.

Gleichwohl, das betont Porsch, sei der Begriff Armut relativ, dennoch müsse etwas getan werden. Das Fest kann da wohl nur allzu kurzzeitig ein Freizeitangebot bieten. Ein Angebot, das gestern stark nachgefragt wurde. Kinder im dreistelligen Bereich liefen über den Hof, malten, spielten Fußball oder Basketball, und wurden kreativ. "Dass so viele Menschen kommen würden, damit haben wir nicht gerechnet", erzählt Porsch lächelnd, "wir müssen ständig Nachschub an Materialien holen."

Gerade erst werden neue, weiße Leinwände in einer Ecke aufgestellt. Dort können sich Kinder im legalen Graffiti versuchen. Eine Art der Kunst, die entgegen anderen Kunstformen die jungen Menschen des Stadtteils anspricht. Nach dem Vorzeichnen auf einem Blatt Papier, geht es an die Spraydosen.

"Es ist wichtig, dass die Kinder schnell drankommen", sagt Carsten Klett, dessen Kleidung mit Farbe vollgekleckert sind. Im Gegensatz zu Wassermalfarbe und Pinsel, könnten die Kinder hier schneller ein Ergebnis sehen, ihre Kreativität zügig ausleben.

Auch der zehnjährige Alex und der ein Jahr ältere Armin versuchen sich in der Straßenkunst. Sie bestätigen: Es ist zwar anders als das Malen mit dem Pinsel, aber dadurch für sie auch besser.

Quelle: RP
 
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