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Leverkusen
Kirchengeschichte ist jetzt professionell geordnet

Leverkusen: Kirchengeschichte ist jetzt professionell geordnet
Bernhard Geuß (Kirchenvorstand), Pfarrer Ulrich Sander und Stefan Plettendorff (Historisches Archiv des Erzbistums Köln, v.l.) präsentieren Auszüge aus dem nun nach dem einheitlichen Prinzip, das im Erzbistum gilt, geordneten Archiv. FOTO: UM
Leverkusen. Das umfassende Archiv der Pfarrgemeinde St. Maurinus und Marien ist nun einheitlich erfasst. Kosten: 20.000 Euro. Von Monika Klein

Es ist schon vorgekommen, dass Pfarrer Ulrich Sander eine halbe Stunde oder mehr nach Kirchenunterlagen suchen musste. Das ist ab jetzt anders, denn ein Blick in die Findbücher der Pfarreien St. Maurinus und St. Maria Rosenkranzkönigin genügt, um zu wissen, wo genau das entsprechende Schriftstück abgelegt ist. Das sollte nicht mehr als zwei Minuten dauern, versprach Stefan Plettendorff vom Historischen Archiv des Erzbistums Köln, als er jetzt das nun professionell geordnete Kirchen-Archiv offiziell in die Hände der vereinigten Pfarrgemeinde übergab.

Mehrere Jahre hat die aufwendige Arbeit gedauert. Die Pfarreien hatten zwar ihrer Verpflichtung nach dem kirchlichen Archivgesetz genügt und nichts weggeworfen. Immerhin finden sich in der rund 1000 Jahre alten Pfarrei St. Maurinus etliche historische Schriftstücke, die teils vor 1800 verfasst sind. Ehrenamtler hatten die Bestände auch grob geordnet. Aber die Dokumente lagerten an zwei verschiedenen Orten, die im Quettinger Keller waren auch schon ein wenig von Schimmel befallen. "Wir haben erkannt, dass dies unsere Möglichkeiten übersteigt, sowohl was die Kompetenz als auch die Zeit angeht", berichtet Bernhard Geuß, der sich im Kirchenvorstand für das Archiv verantwortlich erklärt hat.

Das Gremium galt es allerdings zunächst davon zu überzeugen, Geld in die Vergangenheit zu investieren. Denn abgesehen von den Kosten für sieben sichere Aktenschränke und säurefreie Archivkisten fielen etliche Arbeitsstunden zum Sichten, Erhalten, Registrieren und Ablegen an. Kostenpunkt: 20.000 Euro, die das Erzbistum allerdings bis zu 70 Prozent bezuschusst, außerdem gab es Mittel des Landschaftsverbandes, so dass die Pfarrei den Rest aus zweckgebundenen Spenden der Gemeindeaktion "Ich für uns" begleichen kann. Nun sind die Archivgüter professionell nach dem einheitlichen Prinzip erfasst, das im ganzen Erzbistum gilt und in anderen ähnlich gehandhabt wird. Und genauso wie es in den Pfarreien Wiesdorf, Opladen und Schlebusch bereits seit einigen Jahren der Fall ist. Wechselt der Pfarrer in eine andere Gemeinde, kann er sich auf diese Weise sofort zurechtfinden, erläutert Pfarrer Ulrich Sander den Vorteil. Schließlich sei es ja kein Geheimnis, dass Lützenkirchen/Quettingen nach Opladen kommen, wenn er in Ruhestand gehe.

Die abgeschlossenen Kirchenbücher, in denen Taufen, Hochzeiten und Sterbefälle festgehalten sind, gehen 30 Jahre nach dem letzten Eintrag (bei Taufmatrikeln spätestens nach 90 Jahren) als Dauerleihgabe ans Diözesanarchiv, wo sie digitalisiert werden, so dass die Gemeinden vor Ort weiterhin Zugriff haben. Einige in Schweinsleder gebundene Exemplare hat Plettendorff bei der Übergabe noch mitgenommen. Die ältesten Eintragungen waren hier aus dem Jahr 1770. Ahnenforscher müssen also nach Köln fahren, um Kirchenbücher einzusehen. Das sei ohnehin vorteilhafter, weil das Archiv täglich geöffnet habe, während das Pfarrbüro nur noch einige Stunden in der Woche besetzt ist, meint Geuß.

Wer Archivunterlagen vor Ort einsehen möchte, sollte deswegen auch vorher unbedingt einen Termin vereinbaren. In den grauen Metallschränken im Lützenkirchener Pfarrhaus liegen nur die archivwürdigen Unterlagen. Darüber hinaus fand man beim Ordnen weitere Akten, Bücher und Bilder, von denen man sich nicht trennen mochte, die aber nicht in ein Kirchen-Archiv gehören. Diese hat Geuß in vielen Stunden sortiert und geordnet in ausrangierte Schränke geräumt, die Messdiener ins Dachgeschoss getragen hatten. Ein Exemplar des Lützenkirchener Findbuches schenkte die Gemeinde dem ehemaligen Pfarrer Msgr. Hans Thüsing zu seinem 85. Geburtstag und diamantenem Priesterjubiläum in diesem Jahr.

Quelle: RP
 
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