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Postskriptum Diese Woche In Unserer Stadt
Kita-K(r)ämpfe, die völlig unnötig sind

Leverkusen. Förderung von Kindern in Kitas: Die Stadt hat dazu einen speziellen Leitfaden rausgegeben. Doch der bedarf mehr Flexibilität, fordert die Politik - und hat damit völlig Recht.

Ein bisschen hat es gedauert, bis die Politik wach geworden ist. Aber immerhin zwei Wochen nach dem Bekanntwerden des Falls des SSV Lützenkirchen, der für Kinder einer städtischen Kita sein Sportangebot nicht mehr offerieren darf (wir berichteten), kommen die Sozialdemokraten mit einem Antrag um die Ecke. Der soll diesen Aufreger oder vielleicht besser Missstand, über den in der Stadt und unter RP-Lesern eine heftige Diskussion entbrannte, beheben oder zumindest abmildern.

Fraktionschef Peter Ippolitio schreibt also nun an SPD-Genossen und Bürgermeister Uwe Richrath: "Die Verwaltung wird beauftragt, den pädagogischen Leitfaden, sowie ggf. weitere Vorgaben für die Arbeiten in Leverkusener Kindertagesstätten so anzupassen, dass Angebote von Vereinen und Initiativen im Tagesablauf für einzelne Gruppen weiterhin möglich sind."

Auslöser für das Dilemma des SSV Lützenkirchen mit seinem Projekt, bei dem rund 50 Kinder mit motorischen Schwächen und/oder Übergewicht kostenlos Turnunterricht angeboten wird, ist ein neuer pädagogischer Leitfaden der Stadt. Der besagt: Die Selbstbestimmung des Kindes soll im Mittelpunkt stehen - statt festgelegter Gruppen zu einer festen Zeit soll es verschiedene Bildungsbereiche geben, bei denen die Kinder ihre Beschäftigung frei auswählen können. Selbstbestimmung im Kindergartenalter? Das stieß auf Unverständnis bei vielen Leverkusenern. Auch bei Pädagogen an Schulen, die über motorische Unzulänglichkeiten von Schülern geklagt hatten und fürchten, dies könne sich durch das Verhindern solcher Angebote wie das des SSV noch verschlimmern. Motto: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Die SPD kennt diese alte Weisheit auch und begründet im Antrag: "Wir begrüßen Angebote von Vereinen in Leverkusener Kindertagesstätten sehr. Sportliche Aktivitäten in Vereinsstrukturen fördern die motorischen und sozialen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen. Ein Heranführen von diesen im frühen Kindesalter kann daher nun befürwortet werden." Die Sozialdemokraten versuchen, für Stadt und Vereine jetzt einen Mittelweg zu finden - aus gerichtetem und freiem Lernen. "So werden auch weitere Lebensphasen entsprechend vorbereitet." Ippolito fordert mehr Flexibilität im Leitfaden. Recht hat er. Bleibt die Stadt jetzt stur, verdirbt sie es sich gleich mit mehreren: Ehrenamtlern, Eltern, Erziehern. Ein K(r)ampf, der nicht nottut.

Quelle: RP
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