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Leverkusen
Königlich Flämische Philharmonie überzeugt mit gewaltigem Klang

Leverkusen. Ohrwürmer bei einem Konzertbesuch sind meist einprägsame Melodien. Bei der 7. Sinfonie von Ludwig van Beethoven aber sind es eher die verschiedenen rhythmischen Grundmuster der einzelnen Sätze - jedenfalls, wenn sie so unerbittlich und einprägsam durchgehalten werden wie beim Gastspiel der Königlich Flämischen Philharmonie bei Bayer Kultur im Erholungshaus. Von Monika Klein

Dirigent Philippe Herreweghe, der vor allem durch seine kernigen Interpretationen Alter Musik in historischer Aufführungspraxis bekannt geworden ist, nutzte hier die Möglichkeiten, die ein großes und modernes Orchester bietet. Er entfachte einen gewaltigen Klang und schaffte trotz allem eine erstaunliche Transparenz der Stimmen. Vielleicht sogar, weil er so konsequent auf perkussive Klarheit und Präzision setzte.

Geht man davon aus, dass Beethovens Siebte als musikalische Verarbeitung des Kriegsgeschehens vor Wien zu verstehen ist, dann betätigte sich Herreweghe als - wenn auch ausgesprochen ästhetischer - Kriegstreiber, der seine Soldaten elektrisiert. Nicht nur wegen der fanfarenartigen Elemente und des finalen Triumphzuges der feinen königlich-flämischen Bläser. Vor allem wegen des nicht nachlassenden Grundmusters im ersten und im letzten Satz. Vorwärtsdrängend und rhythmisch punktiert wie eine aufgehetzte Reiterstaffel ließ er den dritten Satz anders als in den gängigen Aufnahmen musizieren.

Dabei ist der Dirigent kein Taktschläger. Für Zuhörer ist es kaum verständlich, wie er die Eins eines Taktes markiert, wenn er seine Arme in Rollbewegungen führt. Aber sein Orchester, mit dem er fast 20 Jahre zusammenarbeitet, versteht seine Anweisungen offenbar genau. Jedenfalls hing die Wirkung unmittelbar vom präzisen Zusammenspiel ab. Das strukturierte auch den dritten Satz, der als fahle Trauermusik begann und den Hörer mit behutsam gespielter und tröstender Melodik in den Arm nahm.

Solche Momente gab es auch im ersten Teil des Abends bei Beethovens Klavierkonzert Nr. 5, bei dem Orchester und Pianist Paul Lewis wundervoll zusammenarbeiteten. Ein Hauch von Musik wehte im Mittelsatz durch den Saal, samtweiche Melodik und facettenreiche Binnendynamik. Energisch, klar und pulsierend dagegen die Ecksätze, die auf rhythmische Prägnanz in heroischem Duktus setzten.

Quelle: RP
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