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Leverkusen
Krebs und der Verlust der Tochter - "das tut so weh"

Leverkusen. Nicole Heinrichs und ihr Mann Frank haben das Schlimmste erlebt, was Eltern zustoßen kann. Sie haben ihre neunjährige Tochter verloren. Helen starb an Krebs, vier Jahre nach der Erstdiagnose. Einer Zeit voller Hoffnung, aber auch ständiger Angst. Trotz aller Trauer besteht Nicole Heinrichs darauf, dass ihr nicht das Schlimmste widerfahren ist. Das Schlimmste wäre, ein Kind plötzlich durch ein Unglück zu verlieren, vielleicht noch durch die Schuld eines anderen. "Dann würde es uns zerreißen", glaubt sie. So aber seien sie und ihr Mann in Ruhe und Frieden zurückgeblieben. Von Monika Klein

Dennoch fließen die Tränen fast drei Jahre nach Helens Tod immer noch, trotzdem sieht Nicole Heinrichs aufgeregt unserem Gespräch entgegen. Schließlich geht es um ihr Buch, in dem sie den Verlauf der Krankheit und den Tod ihrer Tochter schildert. Da ist der ganze Schmerz wieder präsent.

Das Wort "sterben" vermeidet Nicole Heinrichs, sie spricht davon, dass sie "Helen verloren haben". Diesen Augenblick beschreibt sie im ersten Kapitel ihres Buches "Konfetti und Tränen" ganz genau. Unter Tränen habe sie diesen Anfang geschrieben und sie war sicher: "Das bringst Du nie zu Ende, das tut so weh." Begonnen hatte sie, weil sie fürchtete etwas zu vergessen. "Ich wollte die Erinnerung festhalten." Denn sie wusste, da kommt nichts mehr nach.

Anfangs war es ihr "Vehikel der Trauer", aber längst ist die Autorin überzeugt, dass ihre Geschichte für Eltern in ähnlicher Situation hilfreich sein kann. Leserbriefe bestätigen das. Sie bewertet nichts, sondern beschreibt den Alltag mit seinen Konfetti- und Tränenseiten. Trotz der schweren Krankheit, unzähliger Krankenhausaufenthalte, Untersuchungen, trotz Schmerzen, Therapien und Nebenwirkungen seien es vier Jahre voller Hoffnung, Glück und Lebensfreude gewesen.

Nicole Heinrichs weiß es zu schätzen, dass sie und ihr Mann sich immer einig waren im Bemühen, das Beste für die Tochter zu entscheiden. Sie weiß auch, dass andere Ehen daran zerbrechen. "Wir haben schnell gewusst, was wir brauchen, nämlich Zeit und Ruhe", sagt sie. "Und wir haben immer alles aussprechen können." Auch wenn beide mit ihrer Trauer dem Naturell entsprechend ganz unterschiedlich umgehen, respektieren sie einander. Helens Krankheit hat ihnen viele schwere und traurige Momente beschert, aber es war auch eine glückliche Zeit. Sie haben sehr viel mehr Zeit miteinander verbracht, als Familien es im Normalfall tun. Krankenhausaufenthalte und eine zusätzliche Therapie in Paris haben sie gemeinsam erlebt und erlitten. Nie hat die Verzweiflung gesiegt, immer haben sie für Erlebnisse, schöne, fröhliche und unvergessliche Augenblicke gesorgt. Fotos vom Besuch des Eiffelturms oder aus Disneyland beweisen, dass es viele glückliche Momente gab.

Weil Helen ständig Hilfe brauchte, sie wegen Infektionsgefahr Kindergarten und Schule oft nicht besuchen durfte, musste ein Elternteil zu Hause bleiben. Als Mitinhaberin einer Kölner Eventagentur konnte Nicole Heinrichs das möglich machen. Auch ihr Mann konnte Stunden reduzieren, wenn eine Therapie anstand. Als Helen gestorben war, haben beide darüber nachgedacht ob ein Neuanfang in einer anderen Stadt die Alternative wäre. Ob sie es überhaupt aushalten können, die gesunden Nachbarskinder aufwachsen zu sehen. Sie entschieden sich dort zu bleiben, wo sie durch die gemeinsame Zeit als Familie Wurzeln geschlagen haben.

"Konfetti und Tränen" ist bei Droemer erschienen, kostet 14,99 Euro und ist in der Buchhandlung Gottschalk vorrätig.

Quelle: RP
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