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Auermühle in Leverkusen
Kriminelle Machenschaften in Flüchtlingsunterkunft

Auermühle in Leverkusen: Kriminelle Machenschaften in Flüchtlingsunterkunft
Das Herzlich-Willkommen-Schild hängt noch am Eingang zur Flüchtlingsunterkunft Auermühle, die nun leergezogen ist. Hinter den Kulissen soll die Kriminalität von mehreren Seiten aus befeuert worden sein. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Offenbar haben kriminelle Machenschaften die Schließung der Flüchtlingsunterkunft Auermühle in Leverkusen deutlich beschleunigt. Mehrere Bewohner sollen gewerbsmäßig Diebstähle begangen haben. Auch Mitarbeiter der Sicherheitsfirma sollen in die Taten verstrickt gewesen sein. Von Roman Zilles, Leverkusen

Nachdem sie Ende voriger Woche freigezogen worden ist, zeichnen sich nun die Hintergründe der vorzeitigen Schließung der Flüchtlingsunterkunft Auermühle ab. Nach Informationen unserer Redaktion haben offenbar kriminelle Machenschaften in der Einrichtung dazu geführt, dass die Unterkunft dreieinhalb Monate vor dem ursprünglich vorgesehenen Termin geräumt worden ist. Dem Eindruck, dass die schnelle Schließung allein in sinkenden Flüchtlingszahlen begründet liege, wird hinter vorgehaltener Hand heftig widersprochen.

Mehrere Bewohner sollen an gewerbsmäßigen Diebstählen beteiligt gewesen sein. Vornehmlich soll es um Ladendiebstähle gegangen sein, bei denen wohl vor allem Marken-Sportbekleidung und -Turnschuhe im Fokus gestanden haben. Bei den Tätern soll es sich vor allem um Männer aus Nordafrika handeln, die alleine nach Deutschland eingereist sind, heißt es aus gut informierten Kreisen.

Indes sollen neben den Bewohnern weitere Personen in die Machenschaften eingeweiht gewesen sein, beziehungsweise sich daran beteiligt haben. So sollen viele der Personen, die dort ein- und ausgegangen sind, zu den Abnehmern des Diebesguts gehört haben. Die Vorwürfe, die sich auch gegen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma richten, die für die Betreuung der Unterkunft in Schlebusch zuständig war, führten zu einem größeren Polizei-Einsatz an der Auermühle. Bereits vor rund zwei Wochen soll ein Zug der Bereitschaftspolizei Teile der Unterkunft durchsucht haben.

Ein Pressesprecher der Polizei bestätigte Mittwoch auf Anfrage, dass gegen Bewohner der Unterkunft sowie Mitarbeiter der Sicherheitsfirma ermittelt wird. Ausgangspunkt der Erkenntnisse der Polizei seien die Angaben eines 22-jährigen Marokkaners, der vor einigen Monaten nach Deutschland eingereist ist. Offenbar um seine Verlegung in eine andere Unterkunft zu vermeiden, habe er sich an die Heimleitung gewandt. Der Mann habe Mitbewohner belastet und Beschuldigungen gegen Sicherheitsleute vorgebracht, dass diese die mutmaßlichen Drahtzieher für die Ladendiebstähle gewesen seien.

Seine Anschuldigungen habe der 22-Jährige in den Vernehmungen gegenüber der Polizei wiederholt. "Er hat seine Vorwürfe auch dahingehend erweitert, dass es Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gegeben haben soll", sagte ein Sprecher der Polizei. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft sei daraufhin die Flüchtlingsunterkunft durchsucht worden. Gefunden wurde mutmaßliches Diebesgut wie Sportbekleidung und Turnschuhe sowie Cannabis. Bei der Droge habe es sich aber nur um eine geringe Menge gehandelt. Die Ermittlungen dauern an. Allerdings sei bereits zuvor gegen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma ermittelt worden, ergänzte der Sprecher. Vorgeworfen werde ihnen Hehlerei, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Anstiftung zum Ladendiebstahl.

Derweil soll es der 22-jährige Marokkaner trotz seiner verhältnismäßig geringen Aufenthaltsdauer in Deutschland bereits auf eine stattliche Anzahl an Vorstrafen gebracht haben. Der Polizeisprecher berichtet, der Mann sei "einschlägig polizeibekannt". Nach Informationen unserer Redaktion soll er nicht nur in Leverkusen, sondern auch überregional bei Diebstählen erwischt worden sein. Zwar sei er dem Haftrichter vorgeführt, aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden, sagte der Polizeisprecher. Inzwischen soll sich der Mann nicht mehr in Leverkusen aufhalten.

Zuletzt sollen in der Unterkunft in Schlebusch rund 80 Personen gelebt haben, die nach der Schließung an die Görresstraße verlegt worden seien. Ob sich darunter auch mögliche Personen befinden, die an den Diebstählen beteiligt gewesen sein sollen, ist unklar. Die Pressestelle des NRW-Innenministeriums erklärte sich für Auskünfte nicht zuständig und verwies auf die Bezirksregierung in Köln. Dort hieß es am Mittwoch, dass man über die Ermittlungen der Polizei im Bilde sei und kündigte für heute eine Stellungnahme zu den Vorgängen in der Unterkunft an der Auermühle an.

Quelle: RP
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