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Leverkusen
KSL hat ein doppeltes Millionenproblem

Leverkusen. Trotz enormer Sparanstrengungen in den vergangenen Jahren werden die Ausgaben weiter gedrückt. Von Monika Klein

Die städtische Kultur soll künftig als Beitrag zur Haushaltssanierung jährlich eine Million Euro weniger ausgeben, oder alternativ einen Ausgleich auf der Einnahmeseite schaffen. Entsprechende Vorschläge machte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG am Montag in einer Sondersitzung vor: Schließung des Museums, überwiegend Honorarkräfte in der Musikschule, Gebührenerhöhungen in Stadtbibliothek, Jugendkunstgruppen und bei Ticketpreisen, Mieten im Künstlerbunker und Streichung des Jazztagezuschuss.

Tatsächlich ist das Problem noch größer, denn auf Dauer fehlt der Kultur praktisch eine zweite Million, die sogenannte "Bahnstadtmillion". Zur Gleisverlegung in Opladen musste die Stadt sieben Millionen Euro aufbringen, die nur von den freiwilligen Leistungen abgezwackt werden durften. Die Bezirksregierung ließ sich auf die Idee des damaligen Oberbürgermeisters Reinhard Buchhorn ein: Eine Million aus dem Kulturetat für die Bahnstadt zu verwenden und den Gegenwert in Spenden und Sponsoring aufzutreiben - sieben Jahre lang.

2018 wären diese sieben Jahre um, die Gleisverlegung bezahlt und die Million würde (wie früher) wieder in die KSL fließen. So hatte es Buchhorn damals allen Skeptikern versichert und das Einwerben der Drittmittel zur Chefsache gemacht. Aber nun wird es mit der Bahnstadtmillion laufen wie mit dem Soli. Die Kultur bekommt sie nicht zurück, auch wenn die Gleisverlegung bezahlt sein wird. Kämmerer Frank Stein sagt heute: "Was damals versprochen wurde, weiß ich nicht, ich war noch nicht dabei." Mit der letzten Haushaltsverfügung hat es die Bezirksregierung entsprechend angewiesen, der Rat hat es abgesegnet. Nur wenn die Stadt 2018 aus dem Nothaushalt heraus wäre, wovon derzeit niemand ausgeht, könnte sie anderes verfügen.

Auch bei der Gegenfinanzierung hakt es. Bis 2015 hat Buchhorn bei den Stadttöchtern noch Spenden und Sponsoring in ausreichender Höhe eingetrieben. Nachfolger Uwe Richrath sieht allenfalls die Hälfte als realistisch an. Das Loch wird also immer größer. KulturStadtLev muss 14,4 Millionen Euro jährlich aufwenden, um den Betrieb in allen Bereichen (Forum, Kulturbüro/Freie Szene, Museum Morsbroich, Volkshochschule, Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Musikschule) aufrecht zu erhalten. Abzüglich der Einnahmen bleibt ein jährliches Defizit von 10,3 Millionen. Den größten Teil machen mit gut 8,2 Millionen Euro die Personalkosten aus. Die Gebäude schlagen mit 400.000 Euro für Erhalt, 520.000 Euro für Energie und 800.000 Euro Abschreibung zu Buche, die EDV kostet 550.000 Euro. Der reine Gastspieletat für alle Veranstaltungen im KSL-Programm ist dagegen mit 603.000 Euro (abzüglich Einnahmen aus Ticketverkauf) vergleichsweise bescheiden.

Quelle: RP
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