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Leverkusen
Künstlerische Sicht auf Beziehungen

Leverkusen. Anna Matzek und Katharina Meierjohann stellen am Wochenende in der Galerie Künstlerbunker Karlstraße aus. Von Monika Klein

Seit fast anderthalb Jahren teilen sich Anna Matzek und Katharina Meierjohann ein Atelier im Opladener Künstlerbunker. An diesem Wochenende zeigen sie erstmals in einer Zweierausstellung, was im täglichen Blickkontakt nebeneinander entsteht. "Nicht, dass der Eindruck entsteht, man kennt sich" - der Titel trifft durchaus auf die Arbeits-WG zu. Immer wieder sei die eine verblüfft, wenn sie auf die aktuelle Arbeit der anderen schaue, obwohl man sich doch schon recht gut kenne, erzählt Anna Matzek.

Aber für zwischenmenschliche Beziehungen gilt wohl grundsätzlich, dass sich immer wieder eine neue, unerwartete Seite oder Entwicklung zeigt. Um solche Beziehungen, um gegenseitige Wahrnehmung geht es auch in den Arbeiten, die beide Künstlerinnen für diese Schau ausgewählt haben. Die läuft als Zusatzausstellung zum Jahresprogramm der Künstlerbunker-Gemeinschaft nur über ein Wochenende.

Beide zeigen in der Galerie nicht das gesamte Spektrum ihrer Tätigkeit, sondern haben die Werke so ausgewählt, dass für den Besucher die Linien klar erkennbar sind. Anna Matzek hat großformatige Gemälde von Kindern aufgehängt. Es sind ganz persönliche Betrachtungen ihres sechsjährigen Sohnes Emil, den sie gar nicht genug anschauen kann.

Anders als auf der Fotografie, mit der sie bestimmte Situationen zur malerischen Ausarbeitung festgehalten hat, erzählt sie mit dem Pinsel in der Hand eine konkrete Geschichte. Durch Weglassen von Einzelheiten oder dem realen Hintergrund, den sie stets abdunkelt, wird zum Beispiel aus dem Jungen im Kapuzenhandtuch, der in Wirklichkeit mit einem Besenstil Zauberer spielte, auf dem Bild ein Kämpfer mit Kutte und Laserschwert. Und zwar in vielen Farbschichten, so dass er dennoch räumlich erscheint.

Im winzigen fensterlosen Innenraum tritt Anna Matzek selbst in Kommunikation mit dem Besucher, mit Hilfe einer stummen Videoarbeit. Dazu hat sie sich selbst gefilmt, wie sie einredet auf ihren Gesprächspartner, als den sich der Betrachter im Spiegel selbst erkennt.

Zart wirken die Beziehungszeichnungen von Katharina Meierjohann neben den großen Gemälden, obwohl sie durchaus auf die Wirkung von Farbflächen setzt. Die Konturlinien hat sie mit der Nähmaschine "gemalt", was gerade bei großen Formaten zu unerwarteten Verflechtungen führte. Die langen Enden ließ sie lose hängen als Sinnbilder für möglich neue Verflechtungen und Richtungen. Klarer sind die Linien, wenn sie mit großen Stichen von Hand aufgenäht wurden.

Malerisch dagegen wirken vier großformatige Blätter, die sich tatsächlich als Abzüge von Scans gefalteter Frottiertücher entpuppen. Die Tiefenwirkung sei dabei besser als bei Fotos, sagt Meierjohann.

Quelle: RP
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