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Leverkusen
Kulturinfos in die Flüchtlingsunterkünfte tragen

Leverkusen. Die meisten Kulturschaffenden aus der freien Szene wünschen sich eine Möglichkeit, Kontakt zu den Flüchtlingen in Leverkusen zu bekommen. Das wurde schnell deutlich bei der jüngsten Kulturkonferenz, die diese Woche im Opladener Künstlerbunker stattfand. Doch wie stellt man das an? Wie kann man Flüchtlinge informieren über Kunst-Ausstellungen, Malangebote und Konzerte? Wie finden sie den Weg in die Einrichtungen? Von Monika Klein

Die letzte Frage konnte Rita Schillings, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates Leverkusen, schnell beantworten: "Wer die Sahara durchquert hat und es über das Mittelmeer bis nach Deutschland geschafft hat, der findet sich auch in Leverkusen zurecht." Ein größeres Problem stellten eher die sprachlichen Barrieren dar. Obwohl eine Kommunikation mit wenigen Brocken Englisch oder Französisch, mit Händen und Füßen immer möglich sei, wenn man es nur wolle. Diese Erfahrung hat jedenfalls die Frau gemacht, die seit mehr als zwei Jahrzehnten Anlaufstelle für Flüchtlinge ist.

25 Jahre wird der Flüchtlingsrat in diesem Jahr, aber: "Wir kommen nicht dazu, das Jubiläum zu feiern." In diesen Tagen gibt es mehr Arbeit denn je. Schillings warb vor allem für mehr Verständnis für die außergewöhnliche Situation der Menschen, die nach Anstrengung und Todesangst hier ein wesentliches Bedürfnis haben: zur Ruhe zu kommen. Deswegen dürfe man aus den Unterkünften keine Eventschuppen machen. Die seien im Übrigen alle überbelegt. "Im Moment geht es darum, Obdachlosigkeit zu vermeiden." Das Leben soll da so normal wie möglich laufen. Umso wichtiger seien Anlaufpunkte außerhalb der Unterkünfte.

Eine gesellschaftliche Herausforderung seien die Flüchtlinge in Leverkusen nicht. Denn, so rechnete Schillings vor, bei derzeit 1600 Menschen (größtenteils aus Syrien, Irak, Eritrea und Afghanistan) entspreche das gerade einem Prozent der Leverkusener Bevölkerung. "Eine funktionierende Gesellschaft ist schon in der Lage, ein Prozent aufzunehmen." Aber wie? In allen Unterkünften seien Runde Tische eingerichtet worden. Das sei der beste Ort, um mit Plakaten und Flyern zu Kulturangeboten einzuladen, riet Schillings. Bei der Übersetzung von Texten sei der Integrationsrat behilflich.

Aber den Menschen seien viele Dinge auch suspekt, warnte sie. Eltern, die vor totalitären Regimen geflohen seien, hätten beispielsweise Angst, ihre Kinder ins städtische Jugendhaus zu schicken, weil sie befürchten, man nehme ihnen die Kinder weg. Das Engagement müsse passen, gut gemeint reiche nicht. Etwa wenn man Kinderangebote in Einrichtungen für alleinreisende Männer mache. Was die Flüchtlinge bräuchten, sei Hilfe bei der Orientierung im Stadtteil, Ämterbegleitung oder Spaziergänge, Ausflüge, vielleicht zum Kölner Dom.

Quelle: RP
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