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Leverkusen
Bayers "Kunst für den Arbeitsplatz" bestaunen

"Kunst für den Arbeitsplatz" von Bayer bestaunen
Welche Werke Bayer wann und warum angeschafft hat, erfuhren RP-Leser jetzt bei einer exklusiven Führung. FOTO: RM
Leverkusen. In einer exklusiven Kuratoren-Führung durften Leser der Rheinischen Post die "Highlights der Sammlung Bayer" erleben. Von Marion Meyer

Moore, Miro, Kirchner, Chagall, Gerhard Richter - Meisterwerke der Kunstgeschichte kann man momentan im Erholungshaus erleben. Nun kamen Leser der Rheinischen Post in den Genuss einer exklusiven Kuratoren-Führung durch die Ausstellung "Highlights der Sammlung Bayer" - und konnten dabei erfahren, warum Noldes Hamburger Hafen so düster aussieht, Picasso seine Geliebte gleich vier Mal in Lithographien verewigte und warum Martin Kippenberger einen "4. Preis" vergibt.

Rund ein Dutzend Leser der Rheinischen Post hatten bei einer Verlosung die Tour gewonnen. Nach Sekt und Häppchen zur Stärkung ging es auch gleich los mit der Führung. Kuratorin Andrea Peters leitet das Referat Kunst bei Bayer Kultur und hat die Ausstellung zusammengestellt.

Denn die Bayer-Sammlung besteht aus 5000 Werken, die eigentlich dazu dienen, die Kunst in den Arbeitsalltag zu bringen. In der Bayer-Artothek können sich Mitarbeiter Kunstwerke für ihre Büros oder für einen Konferenzraum aussuchen. Dabei gibt es natürlich viele Grafiken: Die sind zwar nicht unbedingt unempfindlicher, aber besser in Büros zu integrieren." Bayer ging es nie darum, teuere Kunstwerke zu erwerben, sondern um Kunst am Arbeitsplatz, "um gute Grafiken für die Büros", erklärte Andrea Peters die Vielzahl an Papierarbeiten, die nun auch im Erholungshaus zu sehen sind.

Auch das Theater mit Ausstellungsflächen wurde 1907 als "Ort für die Zeit nach der Arbeit" gebaut, erläuterte Peters. Los geht die Ausstellung mit Ölbildern von Otto Bollhagen. Als Industriemaler verewigte er frühe Ansichten des Bayer-Werks und dokumentierte so die Veränderungen, die Wiesdorf Ende des 19. Jahrhunderts nach der Gründung des Werks am Rhein vollzog. Seine sechs Meter breite Ansicht gibt es allerdings nur als Reproduktion zu sehen. Direkt daneben hängt Max Liebermanns berühmtes Porträt von Carl Duisberg, der laut Peters "den lebendigen Blick" des Firmengründers eingefangen hat.

Dieser Ausschnitt der Sammlung mit 100 Werken stellt einen Teil der Ausstellung zu "125 Jahre Werk am Rhein" dar, die 2015 in Berlin zu sehen und mit 250 Werken umfangreicher war. In dieser Zusammenstellung hat Peters nun darauf geachtet, dass sich "in der Chronologie die Sammlungsgeschichte widerspiegelt". Viele Werke wurden allerdings nach 1950 erworben. Damals waren Bilder und Grafiken von Picasso und Miro noch erschwinglich. Heute fördert Bayer Kultur eher junge Künstler.

Weiter geht es über die Brücke-Künstler Nolde und Schmitt-Rottluff zu Max Beckmann, dessen Stillleben 1950 direkt vom Künstler gekauft werden konnte. Von Ernst Ludwig Kirchner besitzt Bayer 23 Zeichnungen aus allen Werkphasen, anhand derer man die Entwicklung des Künstlers nachvollziehen kann. Picasso verewigte seine Geliebte Francoise Gilot mehrmals, er feilte immer wieder an seinen Lithographien: Nicht das Endergebnis stand im Mittelpunkt, sondern der Schaffensprozess - ein Merkmal, das ihn mit vielen heutigen Künstlern verbindet. Die 50er Jahre brachte die Abstraktion, Künstler wie Henry Moore, Ernst Wilhelm Nay und Bernhard Schulze stehen stellvertretend dafür.

In der ersten Etage geht es weiter in die 70er und 80er Jahre. Warhol und Gerhard Richter hängen wirkungsvoll gegenüber. Eine Skulptur von Roberto Cordone aus Kunststoff entstand, weil Bayer immer wieder Künstler animierte, sich mit dem Werkstoff auseinanderzusetzen.

Gerhard Richter setzt den Glanzpunkt am Ende der Ausstellung. Nach guten anderthalb Stunden gab es Applaus für die Kuratorin und lobende Worte: "Sie hat das toll erklärt. Ich will auf jeden Fall noch mal wiederkommen.", sagt RP-Leser Klaus Schäfer.

Quelle: RP
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