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Leverkusen
Kunstwelten aus Bausteinen der Natur

Leverkusen: Kunstwelten aus Bausteinen der Natur
Landschaftsmaler einer besonderen Art: Helmut Tigges komponiert Naturimpressionen neu und schafft so eigene Bildwelten. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Der Maler Helmut Tigges zeigt ab Sonntag 48 Arbeiten der vergangenen Jahre im Künstlerbunker an der Karlstraße. Von Monika Klein

Bei den Bildern von Helmut Tigges ist es ratsam, ganz genau hinzuschauen. Und das gilt insbesondere für den Titel, den er über die Einzelausstellung der AG Leverkusener Künstler im Bunker Karlstraße gesetzt hat: "Meine Landschaften".

Tatsächlich wird man keine einzige genau so im Tessin, auf Sardinien, Menorca oder Usedom wiederfinden, obwohl die einzelnen Elemente wie Felsformationen, Bewuchs oder Wasserverlauf durchaus der Realität entsprechen. Aber Tigges hat die einzelnen naturgeschaffenen Bausteine gesammelt und setzt sie nach kompositorischen Gesichtspunkten oder Lust und Laune ganz neu zusammen. Fügt beispielsweise einen Strand ein, wo sich in Wirklichkeit ein felsiger Landzug zu einem tatsächlich gesehenen Leuchtturm schlängelt. Oder er schafft Kompositionen, die man theoretisch so auf Usedom finden könnte, aus den Zutaten Wasser, Achterwasser, Binnenstrukturen und Schilffeldern. Eine ganze Reihe von Variationen hat er aus den Motiven Hünengräber, Findlingen und Baumgruppen komponiert, wie er sie auf Rügen fand.

Es sind also tatsächlich seine eigenen Landschaften, die er von Sonntag an in der Galerie Künstlerbunker zeigt. 48 Arbeiten der letzten Jahre hat er zusammengetragen, und eine ganze Reihe sind deutlich größere Formate, als man sie noch aus der beruflich aktiven Zeit des Lehrers kennt.

Früher überwogen die erzählerischen und detailgenauen Zeichnungen, die gespickt waren mit Aussagen, Andeutungen und Anregungen zu Assoziationen. Heute sind die Bildinhalte sparsamer gesetzt, sie bekommen mehr Raum. Aber das Hintergründige, Desperate und Fragwürdige enthält auch fast jede Gouache, jedes Acryl- oder Ölgemälde in dieser Schau.

Und wenn es sich einmal tatsächlich "nur" um eine reine Landschaft handelt, wird der Betrachter schon misstrauisch und sucht verzweifelt nach dem Bruch, nach einem unstimmigen Detail auch in dieser Arbeit.

"Die Landschaft ist immer zuerst da", erklärt Helmut Tigges seine Vorgehensweise. Und dann kitzelt ihn wohl der Schalk im Nacken, dann reizt es ihn, ein wenig Verwirrung zu schaffen durch wenige zusätzliche Bilddetails. Da stellt er zwei Figuren an einen von massigen Felsen umgebenen See, die aber scheinbar weder die Faszination der Natur noch das Bedrohliche des Massivs oder der verdunkelten Wolken wahrnehmen. Der eine betrachtet die Landschaft nicht direkt, sondern auf seinem iPad, und der andere hat den Kopf abgewandt. Auf einem anderen See schwimmen rote Papierboote. Aber irgendetwas stimmt da nicht, denn tatsächlich befinden sie sich unter der Wasserlinie. Den fensterlosen Innenraum des Bunkers hat Tigges zur "Alpenkammer" erklärt. Dort zeigt er seine individuellen Alpenlandschaften, garantiert ohne röhrenden Hirsch.

Die Ausstellung von Helmut Tigges "Meine Landschaften" wird am Sonntag, 11. Juni, um 11.30 Uhr in der Galerie Künstlerbunker, Karlstraße 9, eröffnet. Eine Einführung gibt Klaus Wolf. Öffnungszeiten bis 24. Juni: mittwochs, freitags samstags von 16 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
 
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