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Leverkusen
Langwieriges Betrugsverfahren: Landgericht bestätigt Freispruch

Leverkusen. Ein langes Verfahren fand gestern vor der 3. Kleinen Strafkammer des Kölner Landgerichts mit einem Freispruch ein Ende. Angeklagt waren ein führendes Mitglied der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie und seine Frau. Der Vorwurf: Betrug. In der kurzen mündlichen Begründung meinte die Einzelrichterin, dass es keine hinreichenden Beweise für eine Verurteilung gebe. Von Manfred Schweig

Damit wurde endgültig ein Urteil des Leverkusener Amtsgerichts aus dem Jahr 2010 aufgehoben, das - damals noch recht zeitnah zum Geschehen verhängt - eine Freiheitsstrafe von drei Jahren für den Mann und zwei Jahre und fünf Monate für die Frau für angemessen hielt. Die Angeklagten ließen ihre Rechtsanwälte Berufung einlegen. Das Kölner Landgericht hob in zweiter Instanz das Urteil auf. Daraufhin erwirkte die Staatsanwaltschaft eine Revision beim Oberlandesgericht, das nach Prüfung der Aktenlage das Verfahren zur erneuten Verhandlung an eine andere Kammer des Landgerichts zurückverwies.

Gestern nun hatte die 3. Kleine Strafkammer den Fall, der auf einem größeren Immobiliengeschäft aus dem Jahr 2007 im niederrheinischen Wesel beruht, erneut zu beleuchten. Und konnte dabei einen inzwischen 77-jährigen Geschädigten als Zeugen vernehmen. Der Mann, der ein Geschäft in Wesel führt, war nicht nur sichtbar gesundheitlich angeschlagen, sondern konnte - und wollte sich offenbar - nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Zu sehr habe ihn der Verlust seiner Grundstücke mitgenommen.

Er ging aus dem vermeintlichen Geschäft so geschädigt heraus, dass zwei Zwangsversteigerungen gerade so abgewendet werden konnten. Vor Gericht berichtete er sichtlich aufgebracht, dass er immer noch arbeiten müsse, weil er zu viel bei dem Immobiliengeschäft mit dem Angeklagten aus Leverkusener verloren habe.

Er hat offenbar den lukrativ erscheinenden Angeboten so vertraut, dass er viele Regeln eines geordneten Immobiliengeschäfts nicht beachtete. Dabei spiele auch ein seiner Meinung nach gefälschtes Papier eine Rolle, mit er den Empfang von zwei Millionen Euro bestätigt haben soll. Tatsächlich seien Männer zu ihm gekommen, die ihm einen Preis von 3,8 Millionen anboten. Dann aber alles lieber in Dollar, mit der Überbringung von Bargeld in einer Kiste, bezahlen wollten. Dieses Geld sollte der Verkäufer in einem Bankschließfach deponieren. Dafür sollten auf seinen (nicht baureifen) Grundstücken Häuser gebaut werden, er sollte sogar als Bauträger mitwirken.

Mit vielen Papieren und noch mehr Gesprächen - "sie hatten auf alles eine logisch klingende Antwort" - hörte sich für den Geschädigten alles als machbar an. Der Angeklagte trat als versierter Immobilienmakler auf, einen Beruf, den er auch bei Angaben zu seiner Person vor Gericht machte. Seine Frau gab Hausfrau an, obwohl sie bei den Gesprächen oft dabei war.

In der Revisionsverhandlung hatten sie vier Rechtsanwälte dabei, die es nicht schwer hatten - auch wenn ein Gutachter bestätigte, dass eine Urkunde nur gefälscht sein konnte. Aber die Schuld der Angeklagten sei nicht mit Klarheit nachzuweisen, meinte die Richterin. Dafür waren die Angaben des Geschädigten, selbst wenn es "nur" um die Absicht einer Täuschung im Rechtsverkehr gegangen wäre und nicht um Betrug mit Urkundenfälschung, nicht stichhaltig genug.

Quelle: RP
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