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Burscheid
Leuchtwürfel und Modellflieger locken die Fachkräfte von morgen

Burscheid: Leuchtwürfel und Modellflieger locken die Fachkräfte von morgen
Leonard Fahr, Niklas Bartkol, und Denis Zajcev (v. li.) ließen sich von Lydia Elstermeier den Modellbau erklären. FOTO: MATZERATH
Burscheid. Bei Federal Mogul in Burscheid lernen Schüler in den Ferien Technik, Elektronik und Metallverarbeitung. Von Dorian Audersch

Mit ruhiger Hand setzt Leonard Fahr den Metallbohrer an. Die Markierungen für die Löcher hat der 14-Jährige bereits vorab in das nur etwa einen Millimeter dünne Aluminiumblech "gekörnt", wie er erklärt. Dabei habe er mit einem spitzen Werkzeug eine Zentrierung geschaffen, "damit die Bohrlöcher auch genau da sind, wo sie hinsollen", sagt der Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums. Dass er sich so gut mit Material, Werkzeug und Bohrer auskennt, liegt unter anderem an Thomas Heinrichs und Lydia Elstermeier.

Die beiden sind angehende Industriemechaniker bei Federal Mogul und leiten einen Ferienkurs, in dem acht Schüler durch den Bau eines Modellflugzeugs einige Grundlagen der Metallverarbeitung lernen. Der Zulieferer für Automobilteile ist ein global aktiver Konzern mit weltweit etwa 40.000 Mitarbeitern. Rund 1800 davon sind im Werk in Burscheid tätig, in dem Kolbenringe gefertigt werden. Davon sind wiederum 65 Auszubildende.

"Mit viel Elan", seien die Schüler dabei, freut sich Elstermeier. Dass sie als junge Frau einen klassischen Männerberuf ergriff, liegt nicht nur an ihrem Vater, der ebenfalls in dem Werk gearbeitet hat. "Ich war schon immer handwerklich begabt", sagt die 20-Jährige, während sie die Schüler anleitet. "Für mich ist das genau das Richtige." Gebaut wird ein Alu-Modellflieger mit Solarzelle, der bei Sonnenschein nicht nur schick aussieht, sondern auch den Propeller drehen lässt. Abheben kann er allerdings nicht.

Das Ferienangebot ist Teil des Netzwerkes "Zukunft durch Innovation (zdi), das bei Schülern Begeisterung für die "MINT"-Berufe wecken will. Das Kürzel steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Laut Christian Wolf, Ausbildungsmeister für Metallberufe, gebe es in diesem Bereich einen großen Bedarf. "Es ist kein Geheimnis, dass Fachkräfte gebraucht werden", sagt er. Zwar gebe es noch immer mehr Bewerber als Stellen, aber die Zahl der jungen Menschen, die sich für einen Beruf in der Metallverarbeitung entschieden, sei spürbar rückläufig.

Gleiches gilt für die Elektroniker, von denen Andreas van Holt heute einige hinzugewinnen will. In seinem Kurs lernen Teilnehmer, einen elektrischen Würfel zu bauen - inklusive des Wissens über die Bauteile und Erfahrungen im Löten. "Über das Basteln kann auch der Einstieg in den Beruf gelingen", sagt Joachim Ferrier, Leiter für technische Ausbildungen. "Es gab im vergangenen Jahr einige, die nach dem Ferienkurs ein Praktikum bei uns gemacht haben." Inzwischen gebe es auch einen Azubi, der in einem Ferienangebot auf den Beruf aufmerksam wurde. Wenn nur einer von acht einen ähnlichen Weg einschlage, sei viel gewonnen, sagt Ferrier. "Und die anderen wissen dann, was ihnen liegt - und was nicht."

Bei den Schülern kommt das Angebot gut an. "zu Hause helfe ich oft meinem Vater bei handwerklichen Arbeiten", sagt Leonard. Auch beim E-Würfel sei er heute dabei. "Vielleicht strebe ich auch ein Schulpraktikum hier an, um auszuprobieren, was mir gefällt."

Quelle: RP
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