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Leverkusen
Leverkusen - arm, aber jung und sozial

Leverkusen: Leverkusen - arm, aber jung und sozial
Als Stein Dezernent wurde, stand das alte Rathaus noch (oben), heute befindet es sich in der Galerie. FOTO: Archiv/umi
Leverkusen. Den alten Ratssaal hat Frank Stein noch plastisch vor Augen: "Die orangefarbenen Wandbehänge, den lindgrünen Teppich, ein Raum ohne Fenster", erinnert sich der 54-jährige an den Tag seines Amtsantritts in Leverkusen. Das ist nun 17 Jahre her. Von Bernd Bussang

17 Jahre, vier Oberbürgermeister, zehn Bürgermeister, mehr als 100 Rats- und 150 Ausschusssitzungen, wie der scheidende Stadtkämmerer, der bis 2013 für Bürger, Umwelt und Soziales zuständig war, gestern beim Pressegespräch vorrechnete. Stein wechselt zum 1. Oktober als Kämmerer nach Bergisch Gladbach. Zeit also für eine persönliche Bilanz, aber auch für einen Blick auf die Stadt und ihre Veränderungen.

Frank Stein als noch junger Dezernent FOTO: Ralph Matzerath (Archiv)

Vom Bayer-Werk zum Chempark: "Im Jahr 2000 gab es die alte ,Mutter Bayer' noch", erinnert sich Stein. Im Zuge der Globalisierung hat sich der Chemie-Konzern aufgeteilt mit weitreichenden Folgen auch für die Stadt. 2005 schließt Stein als Umweltdezernent den "Bodenschutzvertrag Chempark" mit Bayer Lanxess und Currenta, ein wegweisendes Vertragswerk, das Sicherung und Entsorgung von Altlasten umfassend regelt.

Von der autogerechten zur menschenfreundlichen Stadtplanung: Die Umweltpolitik hat den scheidenden Dezernenten immer wieder beschäftigt. PCB-Sanierung in Schulen, Nachhaltigkeit, Lokale Agenda sind Stichworte eines tiefgreifenden Wandels auch im Bewusstsein der Bürger, den er moderiert und begleitet hat. Stein nennt ein Beispiel: Als er in Leverkusen anfing, "war noch eine große Ringstraße in den Köpfen". Der ÖPNV galt als Auslaufmodell, die Zukunft gehörte dem Auto - "das würde heute sicher niemand mehr behaupten".

Frank Stein (54) nimmt Abschied von Leverkusen. FOTO: Miserius

Von der schrumpfenden, alterenden zur wachsenden, sich verjüngenden Stadt: In Steins Amtszeit fallen viele wegweisende Sozialprojekte, durch die Leverkusen auf sich aufmerksam machte. Dazu gehört die Pionierarbeit in der Altenhilfe ebenso wie das Leverkusener Modell "Flüchtlinge", das auf schnelle Eingliederung etwa durch den Bezug einer eigenen Wohnung setzt.

Besonders stolz ist Stein auf das 2007 begonnene Projekt "Stadt Rheindorf Nord", für das insgesamt mehr als zwölf Millionen Euro in den Stadtteil geholt werden konnten. "Sozialpolitik bedarf einer klaren Analyse", ist Stein überzeugt und verweist auf die regelmäßig erscheinenden Sozialberichte.

Zu einer lebenswerten Gesellschaft gehört für ihn aber auch der Bereich der öffentlichen Sicherheit. Dort habe sich in Zeiten der Terrorgefahr vieles verändert. Die Stadt habe darauf reagiert, etwa mit der Einführung eines Krisenstabs für Großschadensereignisse 2005 und der Entwicklung neuer Sicherheitskonzepte. Auch die Modernisierung und der Neubau von Feuerwachen gehören für Stein dazu. Das zentrale Projekt ist der Neubau der Hauptwache der Berufsfeuerwehr mit einem Gesamtvolumen von 90.8 Millionen Euro.

Vom Überfluss zum Nothaushalt: Als Kämmerer hinterlässt Stein ein bestelltes Haus. Das von den Aufsichtsbehörden vorgegebene Ziel eines ab 2018 ausgeglichenen Haushalts wird nach jetzigem Stand erreicht. Sparsame Haushaltsführung und sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen haben dazu beigetragen, auch wenn Risiken etwa bei Ausgaben für Flüchtlinge und Sozialhilfe bleiben.

Ausblick: Stein zitiert aus Thomas Manns "Buddenbrocks": "Sei am Tag mit Lust bei den Geschäften, aber mache nur solche, bei denen wir nachts gut schlafen können." - Für die Zukunft wünscht er Leverkusen eine "kollegialere, mehr am Gelingen als am Scheitern ausgerichtete politische Kultur".

Quelle: RP
 
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