| 15.09 Uhr

AfD in Leverkusen
Lieber Storch als Straußenvogel

Leverkusen: Beatrix von Storch von der AfD ist lieber Storch als Straußenvogel
Beatrix von Storch am Rednerpult im Schloss Morsbroich. FOTO: Matzerath, Ralph
Leverkusen. Die AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch sprach im Schloss Morsbroich über Familienpolitik, Migration und Demografie und betonte: Die AfD steckt den Kopf nicht in den Sand. Von Julia Rathcke

Am Ende des Vortrags springt ein älterer Herr auf und sagt: "Das ist der am schlechtesten vorbereitete Auftritt, den ich je gehört habe!" Kurze Irritation, auch bei von Storch, dann ruft ein anderer: "Sie sind doch von den Grünen, fragen Sie mal lieber Claudia Roth, wie sie Deutschland retten will!" Unter dem Lachen der anderen im Saal entgegnet von Storch: "Ich freue mich, dass Sie sich hierher trauen, ich hoffe, Sie lernen etwas!"

Überhaupt bemüht man sich am Donnerstagabend bei der kurzfristig veranschlagten Veranstaltung um Pointen. Es gibt Bier. AfD-Kreisverbandssprecher Yannick Noé kündigt von Storch mit den Worten an, sie sei eigens aus Brüssel angereist. "Ich komme doch gerne, das ist mein Job. Die AfD ist vor Ort und zeigt den Menschen, wovor sie am meisten Angst haben: dass wir AfDler nicht verrückt sind, sondern ganz normal", sagt sie.  

Das Publikum lacht und klatscht. Die kleinen Mühen scheinen sich für die rund hundert Gäste jeden Alters gelohnt zu haben; jeder, der kommen wollte, musste vor der Veranstaltung eine Email schreiben, um kurzfristig den Veranstaltungsort zu erfahren – aus Sicherheitsgründen, sagt der Kreisverband.

Kritik der Antifa

Es ist keine Seltenheit mehr, dass AfD-Termine geheim gehalten werden, da sowohl die Partei als auch die Gastwirte häufig mit Protesten rechnen müssen. Auch die Leverkusener Antifa hatte vor der Veranstaltung einen offenen Brief an die Stadt verfasst und kritisiert, dass städtische Räumlichkeiten für eine Partei bereitgestellt würden, "die in jeglicher Hinsicht weg von Freiheit und Vielfalt will, um rassistischer Hetze Platz zu machen und sich in einer bunten, multikulturellen und toleranten Stadt wie Leverkusen zu etablieren." Vor Ort zeigten sie sich am Donnerstagabend nur vereinzelt.

Unter dem Titel "Familienpolitik, Migration und Demographie" gibt Beatrix von Storch dann 90 Minuten lang einen Überblick über die AfD-Ansichten, stellt die Geburtsraten deutscher Kinder den Migrationsstatistiken gegenüber, rechnet vor, wem der Staat wie viel für Rente, Hartz IV und Integration zahlt und kommt zu dem Schluss: "Ich denke, Sie sollten sich Sorgen machen!" Aber für das pauschal konstatierte vermeintliche Dilemma von weniger Kindern bei Deutschen und immer mehr Migration habe auch die AfD keine schnelle Lösung. "Ich nehme vorweg: Die Migranten sind nicht die Lösung", erklärt von Storch, einige Zuhörer lachen und nicken. Man brauche nicht möglichst viele Menschen, sondern möglichst fleißige. Zustimmung im Publikum. Und die braucht nicht nur der Kreisverband Leverkusen mit Blick auf die NRW-Landtagswahl im Mai 2017, sondern auch Beatrix von Storch, die im September für den Bundestag kandidieren und Brüssel gegen Berlin tauschen will.

Erziehung durch Mütter wichtigste Aufgabe

"Lieber ein Storch als ein Straußenvogel!", empfiehlt die AfD-Bundesvorsitzende sich selbst, denn sie stecke den Kopf nie in Sand. Sie werde gegen die "Einwanderung in die Sozialsysteme" kämpfen. Und weil Wahlkampf nie monothematisch ist, spricht von Storch außerdem noch über Familienpolitik. Die deutsche Familie in Form von Mutter-Vater-Kind und die Erziehung der Kinder durch ihre Mütter, das sei die wichtigste gesellschaftliche Aufgabe überhaupt, damit Kinder später etwas zur Gesellschaft beitragen. Um es abzukürzen, liest sie nur die Überschriften aus dem AfD-Grundsatzprogramm vor: "Mehr Kinder statt Masseneinwanderung", "Diskriminierung der Vollzeit-Mütter stoppen" und so weiter.

Zum Schluss bedanken sich Zuschauer, einer erzählt eine Anekdote aus dem Ersten Weltkrieg, ein anderer sagt, Deutschland könne sich ja nicht um alles kümmern. Mitgliedsanträge werden ausgefüllt. Eine Frau erklärt, wenn das so weitergehe mit der "Masseneinwanderung" in ihrem Wohnort Mülheim, wolle sie Deutschland verlassen. Flüchten quasi.

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