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Bewohner hortete Chemikalien
Spezialkräfte untersuchen Brandhaus in Leverkusen

Leverkusen: Chemie-Experten untersuchen Brandhaus in der Innenstadt
Eine Task-Force untersuchte am Mittwoch das Brandhaus in der Leverkusener Innenstadt nach Spuren. FOTO: Miserius
Leverkusen. Experten der Polizei und des Landeskriminalamtes suchen am Mittwoch nach Spuren in dem Haus in der Leverkusener Innenstadt, in dem am Montag ein Brand ausgebrochen war. Bei dem Einsatz war die Polizei auf eine unbekannte Chemikalie gestoßen.  Von Bernd Bussang, Leverkusen

In der grünen Siedlung an der Clemens-Winkler-Straße unterbrach am Mittwochmorgen eine elektrische Heckenschere die sommerliche Stille. Auch vor dem Brandhaus wenige Meter weiter wurde gearbeitet, allerdings still. Hinter einer Absperrung standen Experten von Polizei und Feuerwehr gebeugt über einem Tisch. Sie hantierten mit Flüssigkeiten und Glasbehältern, bedienten ein mobiles Röntgengerät und blickten immer wieder auf den Monitor eines aufgeklappten Laptops.

Feuerwehr-Großeinsatz bei Brand mit Chemikalien in Leverkusen FOTO: Miserius, Uwe

Eine vielköpfige Expertengruppe aus der Analytischen Taskforce (AFT) der Feuerwehr, die eigens aus Köln gekommen war, wurde unterstützt von Chemikern des LKA und Brandermittlern der Kölner Kripo (Kommissariat 13). Gemeinsam sondierten sie den Tatort, um weiterhin offene Fragen zu klären: Welche pulverförmige Substanz hatte der 45-jährige Ex-Bewohner in der Wohnung hinterlassen, die er vor etwa vier Wochen nach einer Räumungsklage hatte verlassen müssen? Gibt es weitere Chemikalien in dem Haus? Wie gefährlich sind sie? Und schließlich: Wie hatte es zu dem Brand kommen können, der am Montagnachmittag einen Chemie-Alarm in der City ausgelöst hatte?

Ex-Bewohner ist tatverdächtig

Von einem Tatort ist nun zu Recht die Rede. Denn die Kripo ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung, bestätigt Polizeisprecher Lutz Flaßnöcker. Im Fokus der Ermittlungen stehe der 45-jährige Ex-Bewohner des leerstehenden Hauses. Eine fahrlässig herbeigeführte Selbstentzündung von in dem Haus gelagerten Chemikalien können die Ermittler bisher ebenso wenig ausschließen wie eine aktive Brandstiftung. "Für uns kommt der Mann als Tatverdächtiger infrage", sagt der Polizeisprecher. Wo hat er sich zum Zeitpunkt des Brandereignisses aufgehalten? Hat er ein Alibi? Das sind weitere Fragen, die die Ermittler nun beantworten müssen. Nur soviel steht fest: Für einen terroristischen Hintergrund gibt es laut Flaßnöcker derzeit keinerlei Hinweise.

In dieses Raster würde der 45-Jährige auch nicht passen. Wie ein Nachbar berichtet, soll er viele Jahre bei Bayer gearbeitet haben, bevor er seinen Job verlor. "Der Nachbar beschreibt ihn als "eher ruhigen Typen, der nicht viel geredet hat". Er soll mit einer russischen Lebensgefährtin in dem Haus gewohnt haben. "Chemie war offenbar sein Hobby, seit er Kind war", sagt der Nachbar.

Mann war polizeibekannt

Von diesem "Hobby" weiß auch die Polizei. Dort gibt es bereits eine Akte über den offenbar sehr experimentierfreudigen Mann und diverse Einsätze. Wie Nachbarn berichten, soll der Hobby-Chemiker im Garten einen Stein gesprengt und später auch schon mal den Keller in Brand gesetzt haben.

Der Brand im Dachstuhl des Wohnhauses hatte am Montagnachmittag einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr ausgelöst. Nachdem Löscheinheiten einen verschmorten Kanister mit einer weißen, pulverförmigen Substanz in dem brennenden Haus entdeckt hatten, lösten sie über das Warnsystem Nina einen Chemie-Alarm aus. Umliegende Straßen wurden abgesperrt, Nachbarn gebeten, Türen und Fenster zu schließen. Feuerwehrmänner legten Chemieschutzanzüge und Atemgeräte an, um das Feuer zu löschen und den Einsatz zu beenden.