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Interview Roswitha Arnold (Grüne)
"Leverkusen muss sich klarer zum Schloss bekennen"

Interview Roswitha Arnold (Grüne): "Leverkusen muss sich klarer zum Schloss bekennen"
Kulturausschuss-Vorsitzende Roswitha Arnold. FOTO: UM (Archiv)
Leverkusen. Die Vorsitzende des Kulturausschusses will kein Disneyland, aber Vermarktung etwa des Parks, um das Museum zu erhalten. Von Peter Clement

Leverkusen Als die KPMG - ein Internationales Netzwerk unabhängiger Beratungsunternehmen - im vergangenen Jahr zu dem Schluss kam, das hoch verschuldete Leverkusen müsse sein 1951 eröffnetes Kunstmuseum Morsbroich schließen, gab es große Proteste. Eine Kommission wurde eingesetzt, die Vorschläge erarbeiten sollte, wie der Komplex erhalten und dennoch auch vermarktet werden kann. Jetzt liegt der Zwischenbericht vor. Und die Kulturausschuss-Vorsitzende Roswitha Arnold bezieht dazu Stellung.

Frau Arnold, wie bedrohlich schwebt nach Ihrer Einschätzung das Damoklesschwert der Schließung noch immer über dem Schloss?

Arnold Wir haben mit dem Museum und seinen Ausstellungen eine Perle in der Stadt, mit hervorragenden Präsentationen zeitgenössischer Kunst und überregionaler Bedeutung, und hierzu gibt der Zwischenbericht eine deutliche Positionierung wieder. In gleichem Maße macht die Kommission deutlich, wo Defizite bestehen, die einer Wahrnehmung als "Point of Interest" entgegenstehen: die Nutzungen der Räumlichkeiten im Schloss und in den Remisen, der äußere und innere Schlosspark und nicht zuletzt die Verzahnung mit den umliegenden Stadtquartieren. Wenn es gelingt, aus den Solospielern in und auf der Liegenschaft Morsbroich ein Orchester zu machen, wenn hier ein lebendiger öffentlicher Raum entsteht, mit dem sich die Menschen auf unterschiedlichste Weise identifizieren können, gewinnen wir alle.

Kulturfans, die den Gebäudekomplex vor allem als Heimat eines überregional bedeutsamen Kunstmuseums erhalten möchten, dürften an einigen Feststellungen der Kommission schlucken - schlucken Sie an den gleichen Stellen?

Arnold Es geht doch nicht darum, hier eine Art "Disneyland" zu schaffen, das den musealen und qualitativen Anspruch des Museums kommerzialisiert. Es geht darum, einen Ort (wieder) zu entwickeln und die Qualitäten aller Komponenten herauszuarbeiten. Spiegelsaal und Jagdzimmer zählen zu den repräsentativsten Räumen, die unsere Stadt hat. Es wäre sträflich, eine angemessene Nutzung (die auch wirtschaftlich erfolgreich ist) links liegen zu lassen. Und nehmen wir einmal den Schlosspark: Seit einigen Jahren boomt das Thema Gärten und Parks. Historische und zeitgenössische Anlagen sowie Skulpturenparks haben sich auch in unserer Region zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Die Chance, hiervon zu profitieren, haben wir bisher versäumt: Der äußere und innere Park sind in keinem guten Zustand, ein Parkpflegewerk liegt seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, auf Eis. Mit unserem Antrag, die Stadt möge sich an dem Bundesprogramm "Zukunft Stadtgrün" beteiligen, haben wir auch den Schlosspark im Auge; bei einer Förderzusage können die Investitionskosten geltend gemacht werden.

Im Bericht der Kommission heißt es, die Untersuchung, ob und in welchem Umfang Nutzungen im Zusammenhang mit der Vermarktung von Spiegelsaal, Jagdzimmer und sonstigen Räumlichkeiten möglich seien, habe "ein vollständig negatives Ergebnis erbracht". Welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen?

Arnold Das ist nicht richtig zitiert. Laut Bericht hat die Untersuchung von Möglichkeiten stationärer gastronomischer Einrichtungen im Zusammenhang mit der oben genannten Vermarktung ein "vollständig negatives Ergebnis erbracht".

Glauben Sie, dass es in Leverkusen nach wie vor eine stabile politische Mehrheit für den Erhalt des Kunstmuseums gibt?

Arnold Gab es die? Es waren vor allem Bündnis90/Die Grünen und CDU, die das Gutachten kritisiert und den Bestand des Museums deutlich eingefordert haben. In weiten Teilen der anderen Fraktionen habe ich diese eindeutige Positionierung nicht feststellen können. Daher war es die richtige Entscheidung, das Angebot der Kommission anzunehmen, den Themenkomplex Museum Morsbroich zunächst aus der politischen Gemengelage herauszunehmen.

Können Sie in wenigen Sätzen erläutern, warum an einem Erhalt des Museums Ihrer Meinung nach kein Weg vorbei führt?

Arnold Das Museum Morsbroich war das erste Museum nach Ende des Krieges, das verfemten Künstlern einen Ausstellungsort gegeben hat und ist heute auch Dank des ausgezeichneten Museumsteams eines der herausragenden Häuser für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Wir sollten stolz darauf sein, dass das Museum zur Stadt gehört und viele Ausstellungen, die in Leverkusen zuerst gezeigt wurden, später in großen, international bekannten Museen präsentiert werden.

Quelle: RP
 
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