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Leverkusen
Siebenschläfer-TV filmt scheue Nager

Leverkusen: Siebenschläfer-TV filmt scheue Nager
Ihr "Siebenschläfer-TV" stellen die Nabu-Mitglieder Regine Kossler (v.l.), Wilhelm Eder, Ingrid Mayer, Rainer Morgenstern, Waltraud König-Scholz und Erich Schulz vor. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Mit Webcams in Nistkästen beobachtet der Naturschutzbund (Nabu) jetzt die scheuen und seltenen Siebenschläfer beim Balzen, der Paarung und der Aufzucht des Nachwuchses. Und alles wird auf der Nabu-Homepage live übertragen. Von Gundhild Tillmanns

Der Siebenschläfer sieht aus wie eine Maus mit einem Eichhörnchenschwanz: Davon können sich die Leverkusener jetzt sogar selbst überzeugen, obwohl das nachtaktive Nagetier scheu ist und nur selten in den heimischen Wäldern vorkommt. Die örtlichen Naturschutzverbände Nabu und Bund haben jetzt aber tatsächlich WLAN in einen Wald gelegt, um mit Webcams in Nistkästen Bilder von den Siebenschläfern einzufangen und per Internet zu übertragen.

Noch läuft ein Testbild auf "Siebenschläfer-TV", in den kommenden Tagen soll die Übertragung aber auf der Homepage www.nabu-leverkusen.de "scharf" geschaltet werden. Auch über Facebook informieren die Umweltschützer über die Siebenschläfer.

Nach Beobachtungen und Zählungen des Nabu gab es im vergangenen Jahr eine Population von 17 Siebenschläfern in den heimischen Wäldern, die dann in den Nisthilfen insgesamt 15 Junge aufgezogen haben. Und in diesem Jahr sind bereits zwei Paare und zwei "alleinstehende" Siebenschläfer in die Nistkästen eingezogen, wobei insgesamt sechs mit Kameras bestückte Nistkästen zur Verfügung stehen. Der Nabu verrät bewusst nicht, in welchem Wald das "TV Siebenschläfer" aufgenommen wird, um die Nagetiere beim Balzen und Aufziehen der Jungen nicht zu stören.

Für Schulen bieten die Naturschützer aber Unterrichts- und Waldbesuche an, um die Kinder anhand der sympathischen Siebenschläfer über Artenvielfalt und deren Lebensraum zu informieren. Wer's lieber im Internet nachverfolgt, wie sich die Population der "Maus-Eichhörnchen" in Leverkusen vermehrt, dem soll in Kürze auch ein Blog und eine Facebookseite zur Verfügung stehen. Das Projekt Siebenschläfer wird mit 58 000 Euro von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW gefördert. Die Nabu-Mitglieder müssen außerdem zehn Prozent der Projektkosten durch ehrenamtliche Eigenarbeit erbringen: "Da liegen wir längst drüber", sagt Nabu-Vorsitzender Erich Schulz. Denn es seien bereits das gesamte vergangene Jahr, und vor allem jetzt in der heißen Startphase, ungezählte Arbeitsstunden geleistet worden.

Da Siebenschläfer Nagetiere sind, fraßen sie sich auch zuerst mal durch die ersten Nistkästen, drangen sogar bis zur Kamera vor. Nabu-Mitglied Wilhelm Eder ist mittlerweile aber Meister im nagefesten Nistkastenbau. Und Erich Schulz weiß, wie man mit Motorradbatterien für den nötigen Strom sorgt, denn die Kameras laufen mit Akkus. Für WLAN im Wald zu sorgen, war eine besondere Herausforderung für den Nabu, der dabei auf technische Hilfe aus dem Naturgut Ophoven zurückgreifen konnte. Bald dürfte es auch viel zu sehen geben: Obwohl die Siebenschläfer nachtaktiv sind, kommt jetzt die Zeit, wo sie auch tagaktiv sind - sonst gibt es keinen Nachwuchs.

 

Quelle: RP
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