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Leverkusen
Verspielen die Sparkassen das Vertrauen der Kunden?

Leverkusen. Sparkassen sind außergewöhnliche Banken - sie sind der Allgemeinheit verpflichtet, müssen einen Teil ihrer Gewinne gemeinnützig ausgeben. Doch eine ZDF-Reportage hat am späten Mittwochabend ein ganz anderes Bild vermittelt. Die Reihe "Zoom" hat sich einige der rund 400 Sparkassen genauer angesehen. Und fand Institute, die einen eigenen Weinkeller oder Oldtimer besitzen. Nicht die einzige Kritik: Verspielen die Sparkassen das Vertrauen der Kunden? Von Peter Korn

Beim ZDF ist man mit der Zuschauerzahl von 1,72 Millionen für die nach 22.45 Uhr gesendete Reportage mehr als zufrieden - erst recht, da der Beitrag gegen das DFB-Pokalhalbfinale in der ARD lief. Ein halbes Jahr hat Autor Detlef Schwarzer recherchiert, dabei viele Widerstände überwinden müssen, wie er gestern bestätigte. Doch die enorme Resonanz aus der Bevölkerung zeige, dass man den Finger offenbar in die Wunde gelegt habe.

"Es gibt 409 Sparkassen in Deutschland, die alle dem Gemeinwohl verpflichtet sind", sagt Schwarzer: "Und doch können alle ihr eigenes Ding machen", ohne größere Durchgriffsmöglichkeiten übergeordneter Organisationen. Zwölf Prozent Dispo-Zinsen in einer Filiale, während die Sparkasse im Nachbarbezirk neun Prozent nehme - das sei ebenso ärgerlich wie teils utopisch hohe Vorstandsgehälter, während Kunden wiederum reihenweise lukrative Prämiensparverträge gekündigt oder Filialen geschlossen würden.

Ein Sprecher der Sparkasse Leverkusen versicherte gestern, solche Vorwürfe träfen auf sein Unternehmen nicht zu. Es zeichne sich vielmehr durch ein flächendeckendes Vertriebsnetz "mit allen gewünschten Kommunikationskanälen" aus: Ganzheitliche Beratung sei "seit über zehn Jahren zentraler Bestandteil der Beratungsphilosophie und -strategie", sagte er.

Darüber hinaus unterstütze man mit 1,4 Millionen Euro jedes Jahr - unabhängig von Finanzmarktkrise und Niedrigzinsniveau - Vereine und Institutionen. 450 an der Zahl, darunter Tafel, NaturGut Ophoven, Kindergärten und Schulen, Musikschule, Schützenvereine, Karnevals-Gesellschaften "und die vielen Sportvereine in den Stadtteilen".

Der renommierte Bankenprofessor Ralf Jasny von der University of Applied Science in Frankfurt hat das TV-Team unterstützt. Er nahm im Gespräch mit unserer Redaktion gestern vor allem üppige Vorstandsgehälter bei diversen Sparkassen in die Kritik - und nannte dabei auch Leverkusen: Wenn man etwa für Vorstandschef Manfred Herpolsheimer mit Bezügen und Pensionsrückstellungen jährlich mehr als 800.000 Euro aufwende, während etwa der Vorstandschef der größeren Bremer Sparkasse deutlich weniger bekomme, sei das "schon zu hinterfragen", sagte Jasny.

Die Antwort aus Leverkusen kam prompt: "Die Vorstandsbezüge basieren auf Empfehlungen des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes und werden durch individuelle Kriterien ergänzt, um der spezifischen Aufgabenstellung der jeweiligen Vorstandstätigkeit gerecht zu werden", teilte der Sprecher mit.

Neben der Bilanzsumme seien das vor allem die Entwicklung des Kredit-, Einlagen- und Wertpapiergeschäftes, Bewertungsmaßnahmen, Marktstellung (Sitz von zwei börsennotierten Großunternehmen am Standort), Personalführung und städtisches Engagement.

Die Sparkasse Leverkusen befinde sich am Markt in einer anspruchsvollen Position zwischen den Großstädten Köln und Düsseldorf. Sie habe sich eine hervorragende wirtschaftliche Position erarbeitet, die auch in den Zeiten der Finanzkrise und Niedrigzinsphase nicht gefährdet war: "Diese Erfolgsbilanz", erläutert der Sprecher, "fließt in die Kriterien mit ein."

Quelle: RP
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