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Leverkusen/Paderborn
Leverkusener soll für internationale Zigaretten-Bande gearbeitet haben

Leverkusen/Paderborn. Gerade hat das Landgericht Paderborn die ersten Urteile gegen Mitglieder einer Bande von Zigaretten-Schmugglern gesprochen, die von Belgien aus Zigaretten illegal auf den (Schwarzen) Markt in Deutschland geworfen hatte. Ohne einen 54-Jährigen aus Leverkusen, so ist der Zoll sicher,wäre die Herstellung der Zigaretten in der riesigen Menge nicht möglich gewesen: Er gilt als der "Chefmechaniker" der Bande. Über einen Zeitraum von einem Jahr sollen im belgischen Eupen rund 1,7 Millionen Stangen Zigaretten illegal produziert worden sein - der Steuerschaden in Deutschland beläuft sich nach Schätzungen des Zolls auf über 50 Millionen Euro. Von Ulrich Pfaff

Nach drei Monaten Verhandlungsdauer hat das Landgericht Paderborn am Dienstag fünf Männer zu langjährigen Haftstrafen verurteilt - sie gelten als harter Kern zumindest des deutschen Teils der international agierenden Bande. Offensichtlich eine wichtige Rolle hatte der 54-jährige Deutsch-Russe aus Leverkusen innerhalb der kriminellen Organisation. Er gilt als der "Chefmechaniker" der Bande, der in Eupen die betagten Maschinen am Laufen gehalten haben soll. Er hatte bei einer Vernehmung durch Zollfahnder Anfang Juni Angaben gemacht, die seine Rolle verdeutlichen.

Aufgrund einer Jahre langen Bekanntschaft mit dem Spediteur, der als Hauptangeklagter in Paderborn verurteilt wurde, sei er im April 2014 angeworben worden. Nach einem Treffen in Eindhoven sei er mit verbundenen Augen von dort aus zur Anlage gefahren worden - erst mehrere Male später habe er herausfinden können, dass es sich bei dem Standort um Ostbelgien habe handeln müssen. Der 54-Jährige gab an, er habe dort eine betriebsbereite Fertigungsstraße für Zigaretten vorgefunden, die er am laufen zu halten hatte. Die Maschinen hätten jedoch elektrische Probleme gemacht, so dass er darauf bestanden habe, eine weitere in Gang zu bringen. Diese sei dann im Juni betriebsbereit gewesen. Der Aussage beim Zoll zufolge will der Leverkusener lediglich ein Mechaniker gewesen sein, der bei Störungen der Anlage oder von Bauteilen hinzugerufen wurde - gelegentlich sollen auch Teile zu ihm nach Hause gebracht worden sei, um repariert zu werden. Sein Stundenlohn habe 30 Euro betragen.

Ein Problem in der Anlage seien die rumänischen Arbeiter gewesen, die für diese Tätigkeiten nicht qualifiziert gewesen seien: Deshalb habe bei den Zigaretten kein einheitlicher Fertigungsstandard erreicht werden können, zudem habe es keine Qualitätskontrolle gegeben.

Die Ermittler sind sicher, dass der Leverkusener in der Hierarchie zwar nicht weit oben stand, aber dennoch eine wichtige Rolle hatte: "Ohne seine Tätigkeit wäre der Produktionsprozess nicht reibungslos gelaufen, der Ausstoß an Zigaretten deutlich geringer gewesen", sagte ein Zollfahnder. Er soll sogar mit einer Schusswaffe "versorgt" worden sein, um sich bei einem Angriff durch eine konkurrierende Bande aus dem Baltikum schützen zu können. Nach bisherigen Informationen ist gegen den 54-Jährigen noch keine Anklage erhoben worden. Er hatte als Zeuge im am Dienstag beendeten Prozess in Paderborn aussagen sollen, diesmal hatte er jedoch wegen des Ermittlungsverfahrens gegen ihn geschwiegen.

Quelle: RP
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