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Alfons/Emmanuel Peterfalvi
"Leverkusens Mülleimer sind ein Geschenk"

Alfons/Emmanuel Peterfalvi: "Leverkusens Mülleimer sind ein Geschenk"
Emmanuel Peterfalvi in seiner Paraderolle als "rasender Reporter" Alfons aus Frankreich. Am 8. November tritt er in Opladen auf. Ins Internet stellen wir ein Video mit einem Interviewausschnitt. FOTO: Veranstalter
Leverkusen. Der "rasende Reporter" aus Frankreich über seinen Auftritt im Scala am 8. November - und was die Toluca-Mülleimer so französisch macht. Von Peter Korn

leverkusen Puschelmikrofon und orange-farbene Trainingsjacke, Zahnlücke und leicht zerzauste Haare, dazu einen Wust an Zetteln in der Hand: So kennen die Zuschauer Alfons, den rasenden Reporter aus Frankreich, der auf Wochenmärkten den Deutschen mit Charme, Trottelblick und entwaffnend direkten Fragen mehr von ihrem Wesen entlockt als jede Soziologiestudie. Mit seinem Bühnenprogramm "Wiedersehen macht Freunde" kommt der 1967 geborene Kabarettist und Comedian am 8. November nun ins Opladener Scala. Und ein Thema, das er an diesem Abend anschneiden will, bereitet ihm schon jetzt jede Menge Vergnügen.

Sie kommen nach Leverkusen . . .

Alfons (unterbricht lachend) . . . genau, die Stadt mit den Design-Mülleimern. Da ist euch in Leverkusen wirklich was ganz Tolles geglückt. Man hätte ja auch ganz normale Mülleimer nehmen können und das Geld dann dort hineinschmeißen. Aber man kann es auch so machen wie ihr, das ist völlig okay für mich.

Klar, dass Ihnen als Franzose so etwas gefällt. In Paris gibt es ja schließlich auch Designer-Toiletten auf der Straße . . .

Alfons Nicht nur das. Viele Bürgermeister in Frankreich haben von dem Leverkusener "Müll-Gate" gelesen und sich gedacht: "Das wäre doch auch mal was für uns - Mülleimer in der Innenstadt aufstellen."

Dann haben wir es jetzt also auch international geschafft, uns lächerlich zu machen?

Alfons Ist doch toll - wie ein Geschenk. Mit den Mülleimern habt ihr jetzt gewissermaßen euren eigenen Berliner Flughafen, nur dass ihr es wenigstens geschafft habt, die Eimer pünktlich aufzustellen.

In jeder Stadt, in der Sie zurzeit mit Ihrem Programm gastieren, suchen Sie einen solchen lokalen Anknüpfungspunkt. Ist Ihnen auch schon einmal passiert, dass Sie nichts gefunden haben?

Alfons Ganz selten. Aber ehrlich gesagt: Das ist doch auch schon wieder etwas Besonderes. Hallo, ich bin hier in einer Stadt, in der absolut gar nichts passiert. . . Auch daraus lässt sich etwas machen.

Befragen Sie dann das Publikum?

Alfons Nein, meine Zuschauer müssen keine Angst haben, dass ich sie auf die Bühne zerre oder einer Befragung unterziehe. Der Reporter Alfons und der Akteur auf der Bühne, das sind auch zwei unterschiedliche Dinge. Mein Programm ist so angelegt, dass zwar viel gelacht wird, manchmal aber auch ein sehr stiller, nachdenklicher Moment mit Tiefgang entsteht. Ich erzähle Geschichten, die das Leben schreibt - und das ist ja auch nicht immer nur lustig. Aber immer wunderschön.

Ihr Programm heißt "Wiedersehen macht Freunde" - wie viele echte Freunde haben Sie?

Alfons Zwei wirklich beste Freunde, die ich bereits seit meiner Kinderzeit kenne.

. . . der Zeit also, als sie Anfang der siebziger Jahre zu Hause mit einem Kassettenrecorder herumgelaufen sind und "Reportage-Aufnahmen" gemacht haben?

Alfons Genau. Die haben aber oft nicht funktioniert, weil irgendein Blödmann aus meiner Familie dazwischen gequatscht oder gezielt etwas reingerufen hat.

Sie sind bei einem Besuch in einem Kostümfundus auf Ihre Figur Alfons gestoßen, weil Sie die orange Jacke so toll fanden. Heißt das, wenn Ihnen ein anderes Kostüm gefallen hätte, würden Sie heute vielleicht als Ludwig XIV .auftreten?

Alfons (lacht) Dann hätte ich wenigstens nicht das Problem, dass ich im Winter oft friere, wenn wir draußen auf dem Markt drehen. Die Robe von Ludwig XIV. wäre sicher deutlich wärmer.

Als Franzose gilt man in Deutschland ja oft auch als Botschafter des guten Geschmacks - vielleicht nicht bei Mülleimern, aber ganz sicher beim Thema Essen. Können Sie uns Deutschen eine Genuss-Empfehlung geben?

Alfons Klar. Nehmt euch eineinhalb Stunden Mittagspause und esst langsam, nicht nur 14 Minuten. Wir Franzosen essen, während ihr Deutschen arbeitet. Ach ja, und noch etwas: Überbackener Camembert mit Konfitüre ist kein französisches Gericht. Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, das komme aus Frankreich? Für uns ist das kein Essen, sondern eine Beleidigung. Würde man das bei uns zu Hause jemandem anbieten, würde der sofort in den Keller rennen und die Guillotine wieder auspacken.

Und was sollen wir jetzt machen?

Alfons Als Leverkusener habt ihr es da einfach: Am besten nehmt ihr das Zeug und werft es in eure schönen Design Mülleimer.

ALFONS GASTIERT AM SONNTAG, 8. NOVEMBER MIT SEINEM PROGRAMM "WIEDERSEHEN MACHT FREUNDE" IM SCALA, BEGINN IST UM 19 UHR.

Quelle: RP
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