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Leverkusen
Lüder Seedorf zaubert mit Kettensäge Kunstwerke

Leverkusen. 1983 fing an alles an. Da gewann Lüder Seedorf seinen ersten Kunst-Wettbewerb: Für Wermelskirchen entwarf er die Figurengruppe "Begegnung", für die er nicht nur den ersten Preis, sondern prompt auch einen Auftrag bekam. Von Tobias Falke

Die Figurengruppe zeigt zwei Frauen, die sich über eine türkische Frau, die etwas abseits sitzt. Dabei ist Lüder Seedorf die Symbolik sehr wichtig: "Ich bilde nicht nur ab, das ist mir zu platt, zu primitiv", erzählt er, "Ich bin jemand, der weiß was er will." Das war bei ihm schon als Kind so. Früh fing Seedorf an, mit dem Messer zu schnitzen. So war er schon früh als Bildhauer tätig. Er begann ein Pädagogikstudium mit dem Hauptaugenmerk auf die Kunst und war lange Zeit als Lehrer in Essen und Remscheid tätig. "Ich habe wohl immer den richtigen Ton getroffen.

Manche Schüler bringt man einfach nicht zum Malen. Da muss man sich schon was ausdenken", erzählt er. So sollten die Schüler mit ihren nassen Fingern in den Farbkasten langen und sich vorstellen, dass das Blatt Papier, das vor ihnen lag, jemand darstellt, den sie nicht leiden konnten. Das Ergebnis: "Ich habe Arbeiten von Leuten bekommen, die nie bereit gewesen wären, ein Bild zu malen. Teilweise waren das die besten Bilder, da dort viel Emotion zu sehen war. Gleichzeitig habe ich immer ein gutes Bild ihrer Psyche bekommen", erinnert er sich.

Heute gibt der 71-Jährige nur noch Bildhauerunterricht für Erwachsene. "Jetzt habe ich mehr Zeit für meine eigene Kunst und vor allem für meine Frau. Wir können nun mehr gemeinsam unternehmen", freut sich Seedorf, der seit 15 Jahren in Leverkusen wohnt und bei der Kunstnacht seit Anfang an dabei ist. "Die Leute kommen immer wieder und einige bedanken sich sogar. Sie sagen mir, dass sie mit einem ganz anderen Blick für die Kunst mein Atelier verlassen. Das ist für mich ein großes Kompliment", erzählt er.

Mit der Kettensäge arbeitet Seedorf vor einem breiten Publikum und erklärt ausführlich, wie aus einem Baumstamm ein abstraktes Kunstwerk entsteht. Richtig viel Arbeit ist das. Mit Kettensäge, Fräse, Woodcarber und Schmirgelpapier entsteht am Ende das Kunstwerk. Doch nicht nur die Arbeit an der Kettensäge zeichnet Seedorf aus. Bei der kommenden Kunstnacht wird er auch eine sogenannte Objektprojektion vorführen, die vor allen Dingen sehr ästhetisch ist. "Ich möchte den Menschen damit zeigen, dass es immer auf die Perspektive ankommt. Das Bild auf der Skulptur spiegelt meine Lebenserfahrung wieder; meinen wissenschaftlichen und sozialen Werdegang. Es ist mein emotionaler Beitrag," sagt er. Da Seedorf viel mit Stahl, Marmor und Bronze arbeitet, werden ihn einige Werke überleben. "Wenn meine Arbeit angenommen wird, egal ob ich noch da bin oder nicht, dann finde ich das einfach gut," sagt er. Live kann man ihm bei der Leverkusener Kunstnacht im Opladener Künstlerbunker über die Schulter schauen und vor allen Dingen mit ihm ins Gespräch kommen.

Quelle: RP
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