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Leverkusen
Lungenarzt stellt Strafanzeige gegen VW

Leverkusen: Lungenarzt stellt Strafanzeige gegen VW
Norbert Karl Mülleneisen hat Strafanzeige gegen VW, Porsche und Audi gestellt - unter anderem wegen "gemeingefährlicher Vergiftung". FOTO: UM
Leverkusen. Leverkusen hat ein Umweltproblem. Am Kontrollstandort Gustav-Heinemann-Straße wurden die zulässigen Werte überschritten. Die Stadt muss bis 2017 Gegenmaßnahmen verabschieden. Auch die Ärzte machen sich zunehmend Sorgen. Jetzt wurde Norbert Mülleneisen aktiv. Ein weiteres Signal gegen Umweltverschmutzung. Von Susanne Genath

Der Diesel-Abgas-Skandal bei VW ruft nun auch einen Leverkusener Lungenarzt auf den Plan. Der Rheindorfer Allergologe Norbert Karl Mülleneisen hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder von VW, Audi und Porsche wegen fortgesetztem gewerbsmäßigem Bandenbetrug, gemeingefährlicher Vergiftung, Luftverunreinigung und schwerer Körperverletzung bei der Kölner Generalstaatsanwaltschaft gestellt. Dort ist die Anzeige noch nicht bekannt. Allerdings dauert es der Behörde zufolge stets einige Tage, bis Anzeigen erfasst sind.

Mülleneisen wirft zwölf Personen - darunter Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, Ulrich Hackenberg (Ex-Audi-Vorstand) und Heinz Jakob Neußer (Ex-VW-Vorstand) - sowie weiteren Verantwortlichen aus den drei Unternehmen vor, "in Autos, die zum öffentlichen Verkauf bestimmt sind, eine Software eingebaut zu haben, die gesundheitsschädliche Abgase vertuscht und dadurch eine schwere Gesundheitsschädigung einer großen Zahl von Menschen verursacht zu haben". Die Software habe 15-35fach höhere Schadstoffe auf der Straße als im Testmodus verursacht und so Tausende Tonnen von gefährlichen Umweltgiften in die Luft geblasen.

"Atemwegserkrankungen, Asthma und Atemwegsallergien nehmen nachweislich zu, insbesondere wenn Menschen nahe an den Hauptverkehrsstraßen wohnen", sagt Mülleneisen. Er selbst stelle in seiner Praxis fest, dass die Zahl von Atemwegserkrankungen in Leverkusen zugenommen habe, die nicht auf Nikotin zurückzuführen seien. "Diese Patienten waren jedoch, oder sind noch, Feinstaub und Stickoxid an viel befahrenen Straßen ausgesetzt." Allerdings räumt der Rheindorfer Arzt ein, dass als Verursacher nicht nur die vom Abgas-Skandal betroffenen Autos in Frage kämen, sondern auch andere Fahrzeuge und Rheinschiffe.

Dennoch wünscht sich Mülleneisen, dass die Verantwortlichen des Abgasskandals zur Rechenschaft gezogen werden. "Jeder Arzt, der einen Fehler bei einer Behandlung macht, haftet dafür mit seinem Privatvermögen", sagt der Mediziner. Die in den Skandal verwickelten Manager hätten hingegen trotz ihres Fehlverhaltens noch üppige Bonuszahlungen bekommen. Der Lungenarzt wirft in seiner Anzeige deshalb den Genannten vor, die Gesundheit unbeteiligter Menschen beschädigt zu haben, indem sie "durch Vorspiegelung falscher und Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt" hätten.

"Es ist eine allgemeine Erkenntnis, dass Atemwegserkrankungen durch Luftverschmutzung zunehmen", sagt Mülleneisen. Deshalb sei das Regionale Praxisnetz Leverkusen, dessen Schatzmeister er sei, zurzeit auch dabei, eine Unterschriftenliste zusammenzustellen. "50 bis 60 Ärzte haben schon unterschrieben", berichtet Mülleneisen. "Denn es reicht nicht mehr, Individualmedizin zu betreiben. Es muss einen vorbeugenden Gesundheitsschutz für alle geben."

Der Meinung ist auch Dr. Bernhard Rappert, Vorsitzender des Praxisnetz'. Er hofft, dass die Unterschriftenliste Wirkung zeigt. "Wir wollen die Politiker dazu bringen, sich Gedanken zu Umweltverschmutzung und Luftreinhaltung zu machen, vor allem im Zuge des Autobahnausbaus in und um Leverkusen", sagt er. Diese Aspekte müssten ebenfalls in Überlegungen einfließen, ob eine Brücke oder ein Tunnel gebaut werde.

Ob hier die Strafanzeige von Norbert Karl Mülleneisen mit zu einem Umdenken in Sachen Luftreinhaltung führen kann, steht noch nicht fest. "Es könnte auch sein, dass die Kölner Generalstaatsanwaltschaft die Anzeige direkt an die zuständige Generalstaatsanwaltschaft weiterleitet, die sich schon jetzt mit dem VW-Fall beschäftigt", erklärt Ulrich Bremer, Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft. "Es macht ja Sinn, dass der Fall aus einer Hand bearbeitet wird."

Quelle: RP
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