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Leverkusen
Lux: "Wir haben mehr als wir brauchen"

Leverkusen: Lux: "Wir haben mehr als wir brauchen"
Professorin Ursula Nothelle-Wildfeuer fordert die stärkere Einbindung der Entwicklungsländer in die internationalen Entscheidungen. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Nachdenkliches auf dem Martins-Empfang des Katholikenrates Leverkusen. Von Tobias Brücker

Der Martins-Empfang des Katholikenrats Leverkusen am vergangenen Samstag wurde von den schrecklichen Geschehnissen in Paris überschattet - wie wohl fast alles in diesen Tagen. Bürgermeisterin Eva Lux (MdL), die Oberbürgermeister Uwe Richrath (beide SPD) vertrat, hielt eine nachdenkliche Rede. Wegen des nachfolgenden Vortrags über die positiven und negativen Auswirkungen des Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA (TTIP) betonte SPD-Parteichefin Lux, die Wirtschaft könne nicht die oberste Prämisse der Menschen sein.

"Wir müssen uns in erster Linie um die Kriegsländer sorgen. Da ist die internationale Politik gefordert. Die jedoch stößt auch zu oft an ihre Grenzen", sagte Lux. Tausende flüchteten nach Europa. Und hier sei man sich nicht einig, was zu tun sei. "Gerade mit Blick auf Sankt Martin sollten wir nicht vergessen: Wir haben mehr als wir brauchen. Wir können Dinge abgeben - ohne dass wir es merken. Wir werden die großen internationalen Probleme nicht in Leverkusen lösen, aber wir können für ein Miteinander sorgen."

Auch Gastrednerin Ursula Nothelle-Wildfeuer, die über TTIP referierte, fiel es zu Anfang schwer, zu einem normalen Tagesablauf überzugehen. Sie stellte heraus, dass das Abkommen durchaus eine kleine Verbindung zu den Geschehnissen habe: nämlich die fortschreitende Globalisierung. Freitag habe man das hässlichste Gesicht einer so vernetzten Welt gesehen. Befürworter von TTIP sprechen von großen Chancen für die Wirtschaft, mehr Arbeitsplätzen und Vorteilen gegenüber der aufstrebenden Handelsmacht China. Kritiker befürchten jedoch, dass geltende Standards, wie der des hohen Verbraucherschutzes, durch Angleichung an Gesetze in den USA zunichtegemacht werden. Schließlich sollen alle Hindernisse, die den Handel erschweren, beseitigt werden. Doch zu wessen Nutzen? "Armutsbeseitigung ist keine Folge von Wettbewerbserhöhung", stellte Nothelle-Wildfeuer heraus, "der Handel kann gnadenlos sein. Für kleine und mittelständische Unternehmen wird es härter. Große Unternehmen werden die Auswirkungen kaum merken."

Die guten Jobprognosen (rund 200.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland), sagt die 55-Jährige, könnten sich erst nach Jahrzehnten einstellen. Dabei quasi gänzlich außen vor: die Schwellen- und Entwicklungsländer, aus denen viele Menschen fliehen. Gerade sie bedürften einer speziellen Hilfe. "Für Tunesien wird ein wirtschaftlicher Rückgang von 4,4 Prozent erwartet - das wäre ein Dämpfer für die dortigen Demokratiebemühungen. Es müssen klare Regeln geschaffen werden, bei denen auch Entwicklungsländer eingebunden sind", betonte die Professorin.

Quelle: RP
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