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Leverkusen
Märchen mit viel Witz

Leverkusen. Zum ersten Advent beginnt die Zeit der Weihnachtsmärchen. In der Opladener Festhalle präsentiert die Volksbühne Bergisch Neukirchen ihre 48. Einstudierung getreu dem Motto "Kinder spielen für Kinder": Jorinde und Joringel. Von Monika Klein

Während draußen die Weihnachtsbäume erleuchtet sind, wurde der Kalender auf der Bühne ein halbes Jahr weitergedreht. Der Maibaum ist frisch aufgestellt, Kinder und Jugendliche mit Blumenkränzchen auf dem Kopf tanzen drumherum. Jorinde wird zur Maikönigin gekürt. Ihr Liebster, der Schafhirte Joringel, soll Maikönig sein. Jana Fischer, die bei der Regieführung von Karin Leweke unterstützt wird, hat die Vorlage der Brüder Grimm passend für die Volksbühnenbesetzung umgeschrieben. Die erste Szene der Märchenproduktion zeigt ungetrübte dörfliche Idylle und bedient den nostalgischen Landlust-Trend. Aber so heil freundlich bleibt das Leben selbst in der Märchenwelt nicht. Obwohl es natürlich ein gutes Ende gibt. Diese Gewissheit sollten auch die kleinsten Zuschauer haben, denn mittendrin gibt es durchaus Stellen zum Fürchten.

Das liegt in erster Linie an der bösen Zauberin Ugala, die genau in dem Wald ihr Unwesen treibt, wo die Dorfjugend eine zünftige Walpurgisnacht mit Lagerfeuer feiern will. Das Fest nimmt ein vorzeitiges Ende, unfreiwillig. Die grausige Ugala (von Nina Gress mit der nötigen Kälte gespielt) verzaubert die gute Heldin (Sophia Abtahi mimt sie lieb und anmutig) in einen Vogel. Und Joringel (Henri Färber) kann ihr nicht helfen, weil er vorübergehend zu Stein erstarrt. Doch sobald er sich wieder regen kann, setzt er mutig alles daran, die Freundin zu erlösen. Ein abenteuerliches Vorhaben, dem sich ein Geisterjunge (Mathis Färber) anschließt.

Ganz unvorbereitet traf Jorinde und Joringel ihr Schicksal nicht, denn die alte Gaya (Mascha Gress) hatte die Zukunft in der Hand des Mädchens gelesen. Die Wahrsagerin gehört zu einer Gaukler-Gruppe, die auf dem Dorfplatz eine Sondervorstellung gib: Schlangentänzerin (Gwen Wons), Gewichtheber (Malik Zynda) und Bärenführerin (Clara Fischer) gestalten ein kleines Programm. Im Pelz des geduldigen Dressurbären steckt Adrian Abtahi und der Planwagen wird von einem prächtigen Pferd gezogen, in dem sich zwei Erwachsene verbergen.

Tiere gehören jedes Jahr zur Produktion. Die kleinen Schafe von Joringel werden von den Kleinsten im Ensemble gespielt. Einige haben sogar ein wenig Text, die anderen laufen einfach mit in ihren wolligen Hüllen und sorgen für anrührend witzige Momente. Gerade mal drei Jahre alt ist die Jüngste.

Wie sie haben fast alle Mitspieler angefangen und die Kunst Weihnachtsmärchen von der Pike auf gelernt. Der Theaterverein, der im nächsten April sein 70-jähriges Bestehen feiert, ist eine große Familie. Das merkt man an der geschulten Sprache, an Bühnenpräsenz und Disziplin. Nicht nur bei den Hauptdarstellern, sondern auch bei den anderen Personen aus dem Dorf. Sie lassen sich ausreden, halten Pausen ein, wo bei der halböffentlichen Generalprobe die ersten erwarteten Lacher aus dem Saal kommen. Alle kennen ihr Stichwort, so dass die Geschichte trotz einiger Umbaupausen fließt.

Bühnenbild und Ausstattung sind natürlich wichtig, wenn man das Publikum verzaubern will. Dafür gibt es bei der Volksbühne BN altbewährte Spezialisten und neuerdings auch Jüngere, die sich mit dem Einsatz von Technik auskennen. So wird der stattliche Wald von hinten auf die Kulissenwand projiziert. Das erlaubt den schnellen Wechsel zwischen Tag beziehungsweise leicht nebliger Nachtstimmung und ermöglicht, das Schloss der bösen Zauberin wie im Märchen näherkommen zu lassen. Die Spannung in der Geschichte wird immer wieder durch witzige Einwürfe gebrochen.

Öffentliche Aufführungen von Jorinde und Joringel in der Festhalle am Markt: 28. November, 5., 6., 12., 13., 19. Dezember jeweils 14.30 Uhr und 17 Uhr. Eintritt sechs Euro.

www.vbnlev.de

Quelle: RP
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