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Leverkusen
Maibaum für Freundin - bloß nicht zu mickrig

Leverkusen: Maibaum für Freundin - bloß nicht zu mickrig
Ganz schön mühsam: Jum Decker schultert die Mai-Birke, die Förster Karl Zimmermann (hinten) eigens für ihn in einem Waldstück an der Schwanenmühle ausgesucht und geschlagen hat. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Ganz schön aufwendig, so ein echter Maibaum. Sogar Mutters Auto musste herhalten. Doch für die Freundin gilt, was tut "Mann" nicht alles für die Liebe, oder je größer der Baum, desto größer die Zuneigung. Von Jim Decker

Eigentlich sollte es keinen Maibaum geben. Zu kitschig, zu aufwendig, zu viel Müll und Dreck. Hatten wir so abgemacht. Eigentlich. Nun soll es doch einen geben. Mal ein romantisches Ausrufezeichen setzen. Doch wo bekomme ich jetzt einen Maibaum her? Der Blumenhändler in der Opladener Fußgängerzone hat ein etwa 1,50 Meter großes Exemplar, das traurig die Blätter hängen lässt. Zu mickrig. Für die Freundin muss es mehr sein.

Bei Förster Karl Zimmermann soll es Maibäume geben, behauptet zumindest die Chefin. "Da sind sie bei mir richtig", sagt Zimmermann am Telefon. Normalerweise gibt es die fertig geschlagenen Maibäume traditionell am 30. April zwischen 16 und 18 Uhr. Für mich macht er eine Ausnahme. An der Schwanenmühle in Langenfeld treffen wir uns, an einem Grünstreifen soll eine junge Birke geschlagen werden. "Die Bäume sind ja ein Abfallprodukt, quasi Unkraut", sagt der Förster. Rund 250 Birken schlägt Zimmermann jedes Jahr am Vorabend des 1. Mai. Und die Nachfrage steigt. "Es werden eher mehr Leute, die ihrer Angebeteten ein Bäumchen vor die Tür stellen." Mittlerweile könne man Maibäume sogar per Mail bestellen und zur Freundin liefern lassen.

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Irgendwie unromantisch - aber verständlich. Immerhin habe ich daran gedacht, das große Auto meiner Mutter auszuleihen. Mit meinem Kleinstwagen wäre das vermutlich aber sonst ein Ding der Unmöglichkeit geworden. "Das ist auch immer lustig, wenn drei Mädels einen fünf Meter langen Baum in einen VW Polo quetschen wollen", erzählt Zimmermann und lacht. In Schaltjahren dreht sich das Spiel, die Maibäume werden dann den Männern vor das Haus gestellt. Für die drei Polo-Damen, habe ich aber Verständnis. Mein stattlicher SUV gegen die Birke. Absägen, kein Problem. Aber transportieren? Knapp ein Meter Stamm muss dran glauben, dann haben wir das Bäumchen mit vereinten Kräften reingestopft. Die Autofahrt: schwierig. Ständig schwenken Ästchen und Blätter ins Sichtfeld, außerdem kitzelt ein Ast im Nacken.

Dann: Ausladen. Die Birke haben wir bequemerweise mit dem Strick eingeladen. Jetzt muss sie wieder raus. Äste brechen ab, der Stamm schabt am Leder der Sitze und das frisch gesäuberte Auto ist wieder komplett eingedreckt. Toll.

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Immerhin - das ist geschafft. Kurz stellt sich ein Glücksgefühl ein. Leider nicht für lange Zeit. Wie bringe ich das Teil wieder weg? Der Weg zur Freundin ist zu weit, also muss es wieder das Auto sein. Langsam nervt es. Letzte Hürde: Aufstellen. Eine Schnur um Stamm und Regenrinne, das muss reichen. Sieht nicht fest aus, mehr geht allerdings nicht.

"Je größer der Baum, desto größer die Liebe", sagt Maibaum-Experte Karl Zimmermann. Recht hat er. Ein ganz schöner Aufwand ist so ein Maibaum. Aber was tut man nicht alles für die Liebe. . .

Quelle: RP
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