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Leverkusen
Maikäfer erobern Wald und Garten zurück

Leverkusen: Maikäfer erobern Wald und Garten zurück
Diese putzmunteren Krabbeltiere fand Sonja Hoffmann beim Umgraben ihres Gartens. Vor zwei Wochen waren sie noch dicke Larven, aber inzwischen haben die Käfer ihre Metamorphose abgeschlossen und sind bereit für ihren ersten Flug. FOTO: Uwe Tiberius
Leverkusen. Seit Jahrzehnten pflegt Sonja Hoffmann den Garten ihres Hauses in Lützenkirchen. Nun hat sie dabei erstmals Maikäfer-Larven im Erdreich gefunden. Naturschützer bestätigen: Die Population der Insekten erholt sich seit einigen Jahren. Von Dorian Audersch

Gartenarbeit ist für Sonja Hoffmann mehr als nur ein Hobby. Rund 400 Quadratmeter Grün liegen hinter ihrem Haus. "Es gibt eigentlich immer etwas zu tun", sagt sie mit Blick auf die Blumenbeete. Als sie vor Kurzem einige Schneeglöckchen ausgraben will, um die Bepflanzung für Frühling und Sommer zu ändern, macht sie einen erstaunlichen Fund: Zehn Maikäferlarven wühlen sich durch das Erdreich.

"Ich dachte erst, ich sehe nicht richtig", meint die 71-Jährige. Seit 1978 lebe sie in dem Haus und grabe den Garten um, "aber Maikäfer habe ich dabei noch nie entdeckt." Das sei eine "kleine Sensation", meint die Rentnerin. Tatsächlich wurden die Insekten beinahe ausgerottet. Vor allem in den 1960er bis 1980er Jahren setzten Landwirte massiv Pestizide ein, um die blattfressenden Käfer von ihren Feldern fernzuhalten. In den Jahrzehnten davor wurden oft ganze Schulklassen zwischen April und Mai losgeschickt, um die Tiere zu sammeln. Das war in pestizidlosen Zeiten der einzige Weg, der Plage Herr zu werden. Eine Zeit lang standen die Sechsbeiner gar auf der Speisekarte: kandiert, geröstet oder als Fleischeinlage in der Suppe.

Der Feldzug gegen die knapp drei Zentimeter großen Käfer führte zu einem dramatischen Rückgang der Population. "Seit einigen Jahren erholen sich die Bestände", sagt Jürgen Kossler. Der Artenschutzbeauftragte der Stadt sieht der Rückkehr der Maikäfer gelassen entgegen. Schädlich seien die Insekten nur, wenn sie massenhaft aufträten. "Es handelt sich zwar um Blattfresser, die eine Vorliebe für Eichen haben, aber ein vitaler Baum steckt das in der Regel weg - zumal sie im Juni noch einmal austreiben können." Das bestätigt auch Claudia Heitmann von der Biologischen Station Leverkusen und Köln, die vom Naturschutzbund (Nabu) getragen wird. "Ich bin froh über jeden Marienkäfer, den ich sehe", sagt sie. Die Fluginsekten seien ein Teil der Nahrungskette, der vor allem Vögeln, Dachsen, Wildschweinen, Fledermäusen und anderen Waldbewohnern schmecke. "Die Erholung der Population ist kein Problem - im Gegenteil." Schwieriger sei es hingegen, wenn die Maikäfer in großen Schwärmen auftreten würden.

Die Larven der Tiere werden "Engerlinge" genannt. Das Männchen stirbt nach der Begattung, das Weibchen nach der Eiablage. Nach vier bis sechs Wochen schlüpfen die Engerlinge in feuchtem Humusboden, den die Insekten zur Eiablage bevorzugen. Sie verbeiben drei bis fünf Jahre im Boden, ehe sie das Tageslicht erblicken, und ernähren sich vor allem von Wurzeln. In der Regel dauert die Metamorphose zum Käfer rund vier Jahre. Interessant ist, dass die Zyklen regional synchronisiert sind. Das heißt, dass die Käfer mehr oder weniger zur gleichen Zeit das Erdreich verlassen.

Viele Menschen verwechseln übrigens Mai- mit Marienkäfern - obwohl es optisch eigentlich kaum eine Ähnlichkeit gibt. Marienkäfer sind orange oder rot und schwarz gepunktet. Maikäfer sind hingegen eher grau-bräunlich, viel größer und teilweise behaart. Sonja Hoffmann hat die fast fertig entwickelten Larven jedenfalls in der Erde ruhen lassen, bis sie nun als Käfer durch die Lützenkirchener Gärten und Wälder schwirren können.

Vorher gab es aber noch eine kleine Biologie-Stunde für ihre fünf Enkelkinder im hauseigenen Garten. "So etwas sieht man schließlich nicht alle Tage", sagt die 71-Jährige .

Quelle: RP
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