| 00.00 Uhr

Leverkusen
Marc Benecke wird zum Serientäter

Leverkusen: Marc Benecke wird zum Serientäter
Irgendwie ist er selbst auch ein Serientäter: Dr. Marc Benecke kommt von spektakulären Kriminalfällen nicht los. Foto: oetinger FOTO: Oetinger
Leverkusen. In Opladen referierte der Star-Biologe über die Besonderheiten und Abgründe von Serienmördern. Von Tobias Krell

Als Kriminalbiologe und Spezialist für spektakuläre Fälle hat Dr. Mark Benecke ein Faible für abgründige Taten. Er selbst allerdings würde mit seinen Tätowierungen schon optisch nicht zum erfolgreichen Serienmörder taugen. "Eine längere Serie von Morden legen Sie nicht hin mit einem Irokesenschnitt, Tattoos oder Piercings", versicherte er. Und beraubte seine Zuhörer im Scala damit gleich der ersten vermeintlichen Gewissheit. Dass man den Tätern ihr finsteres Tun irgendwie ansehen müsse.

In der Regel sei oft das genaue Gegenteil der Fall. Gerade sadistische Täter seien meist sogar übertrieben angepasst, gerade um nicht aufzufallen. Jürgen Bartsch, etwa der in den 1960er Jahren in Velbert vier Jungen grausam umbrachte, würde mit seinem ordentlichen Haarschnitt, dem gepflegten Äußeren, Hemd und Pullunder auch heutzutage kaum aus der Masse stechen.

"Aber er hat im Hausflur oft freundlich ,Guten Tag' gesagt", ist ein Satz, der hinterher von den Nachbarn von Serienmördern oft wie eine Art Entschuldigung zu hören ist. "Was sollen sie denn sonst sagen? ,Heil Satan' etwa"?, fragte Benecke scherzhaft. Mit einer ordentlichen Prise Humor würzte er hier und da seine Berichte und Anmerkungen zu grausamen Mordserien und machte seinen Fans die schwere Kost so etwas leichter.

Neben der Vorstellung vom Täter, dem sein finsteres Werk anzusehen sein muss, befreite "Dr. Made", der sein angestammtes Spezialgebiet - Mordaufklärung durch Insekten - diesmal beiseite ließ, gleich noch von einem weiteren Irrglauben. "Vertrauen Sie nicht Ihren Überzeugungen und der eigenen Vorstellung", warnte er. Denn das Vorgehen der Täter folge oft einer ganz eigenen Logik, die weit von dem entfernt ist, was als gesunder Menschenverstand gilt. Kannibalen wie etwa Armin Meiwes ("Kannibale von Rothenburg") oder dem Japaner Issei Kagawa, ginge es meist gar nicht um das Töten, sondern nur um das Aufnehmen der Opfer als Form der Bindung. "Deshalb kann man denen auch glauben, wenn sie versprechen, nie wieder zu töten", betonte der Kriminalbiologe. Kagawa etwa fand einen Weg, seiner Kernphantasie nahe zu kommen, ohne zu töten. Er verspeist Kot und Urin.

Während Benecke "Vater Denke", der in den 1920er Jahren im heutigen Polen mindestens 42 Landstreicher umbrachte und verspeiste, nur anhand der damals gesammelten Beweise analysieren konnte, befasste er sich mit vielen anderen Fällen ganz direkt. So sprach er mit Prostituierten oder traf sich mit dem Kolumbianer Luis Alfredo Garavito Cubillos, der mehr als 300 Kinder getötet hat.

Wie "andersherum" sadistische, narzißtische Serienmörder denken, zeigt sich an manchen Kleinigkeiten. Bartsch etwa wurde geschnappt, weil sich ein Opfer mit Hilfe einer Kerze befreite. Die hatte der Serienmörder angezündet, damit sich das Kind im Dunkeln nicht fürchtet. Und Cubilos tauschte bei den Gesprächen stets die Kaffeetassen. "Ich will ja nicht vergiftet werden", begründete er das auf Nachfrage. Und gab damit preis, das ihm herzlich egal ist, ob Benecke einen Gifttod stirbt.

Drei unterhaltsam-abgründige Stunden überzeugten nicht wenige Zuhörer, selbst zu Serientätern zu werden - allerdings natürlich nicht im strafrechtlichen Sinne.

Sie wollen jetzt lediglich auch die anderen spannenden Themen-Vorträge aus Beneckes Repertoire hören.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leverkusen: Marc Benecke wird zum Serientäter


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.