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Beginn der Narrensession
Matze I. ist der jüngste Prinz in Leverkusen

Prinz sucht Frau - Tollitäten-Vorstellung in Leverkusen
Leverkusen. Die neue Narrensession bietet in Leverkusen eine Besonderheit: Mit dem 25-jährigen Mathias Probst wird der jüngste Prinz der Alt-Leverkusener und Opladener Karnevalsgeschichte durch die Säle ziehen: Der gebürtige Schlebuscher (10. April 1992) löst damit den bisherigen Rekordhalter Toni Blankerts von der Spitze der "Jungprinzen" ab. Von Ulrich Schütz

Blankerts wurde 1973 mit 36 Jahren Tollität, damals noch in der Kreisstadt Opladen. Am heutigen Samstag stellte Uwe Krause (Präsident des Festausschusses Leverkusener Karneval, FLK) "Mathias I." im Alkenrather Bürgerhaus offiziell vor.

Oberbürgermeister Uwe Richrath stattete den "Kleinen" (im Vergleich zum Seniorenalter der vielen Vorgänger-Prinzen) altersgemäß aus: mit Schultüte, Rucksack und einem Roller. Eine prinzliche Einschulung eben. Da staunte der Manforter Jung' Probst dann doch: Immerhin ist er seit 2013 geprüfter Elekromeister. Der Stadtchef lud den Jungprinzen gleich zum Mitregieren ins Rathaus ein: "Dafür verlange ich auch keinen Kindergartenbeitrag", witzelte Richrath. Der designierte Prinz antwortete mit einer launigen Rede. "Ich übernehme an Weiberfastnacht die Macht im Rathaus und werde mit meiner jungen und offenen Art die Stadt regieren", warnte er den Noch-Oberbürgermeister.

Der 25-Jährige schob dann noch einen persönlichen Werbeblock ein und wandte sich an die Mädels im Saal: "Ich bin Single. Ihr habt jetzt die Möglichkeit, mir Euren Namen und Eure Telefonnummer zuzurufen", ermunterte Probst. Daraus wurde nichts, aber die Session hat ja gerade erst begonnen. Persönliche Nachrichten sind auch im Netz möglich: Der neue Prinz hat eine Facebook-Seite geschaltet – natürlich für alle Nachrichten und Bilder rund um seine Tollität Matze I.

Einige Mitglieder der Leverkusener Karnevalsgesellschaften haben den Manforter Jung in den vergangenen Monaten schon kennengelernt: "Ich bin inkognito herumgereist und habe die Gesellschaften besucht", erzählt Probst im Gespräch mit unserer Zeitung. Diese Besuche sind Teil seines Konzeptes, sich in lockerer Atmosphäre bekannt zu machen und – vor allem – die Vernetzung der Leverkusener Karnevalisten zu verdichten. Gerade heute, wo die närrischen Gesellschaften um jede Unterstützung kämpfen, sei der Zusammenhalt wichtig, findet Probst.

Der künftige Obernarr tritt für die "Karnevalsfreunde Manfort 1930" an, deren Mitglied er seit 2013 ist (für seine Proklamation am 25. November, Forum, 19.11Uhr, gibt es noch Karten). Die Karnevalsgesellschaft feiert in dieser Session 88. Geburtstag und 44 Jahre Lappenclowns. Als Pagen sind Studentin Katharina Schmidt (19) und Krankenpflege-Azubi Elena Hammer (21) dabei. Beide sind – wie ihr Prinz - Mitglieder der Katholischen jungen Gemeinde (KjG). Page Hammer (ein Hobby: Boxen) tanzt sonst in der Mädchengarde der Altstadtfunken Opladen. Gerhard Schmidt (2. Vorsitzender der Manforter) und Peter Stumpf (Vorsitzender) ziehen als Adjutanten mit.

Prinz zu sein, das hat Matze I. seit einigen Jahren geplant. Mit seinen Nebenjobs als Veranstaltungstechniker sparte er sich ein finanzielles Polster an. Der Manforter geht dazu von Unterstützung durch seine Gesellschaft und Sponsoren aus. Was er als Tollität ausgeben wird oder muss, sagt Probst nicht. Die inoffiziell gehandelten Summen nennen eine Spanne für Leverkusener Prinzen von ca. 5000 bis 25.000 Euro. Sein Chef Bernhard Schmitz (Küppersteg) hat ihm auch Hilfe zugesagt – etwa wenn Probst mal für Prinzenauftritte während der eigentlichen Arbeitszeit weg muss. Das Ehepaar Schmitz hat für das närrische Geschehen viel Verständnis: "Mein Chef und seine Frau waren lange Jahre Mitglied bei der KG Jan van Werth und sind viel aufgetreten", berichtet Probst.

Der neue Prinz ist bekennender Fan des "traditionellen Kölner Karnevals". Die Tendenz, Karnevalssitzungen in eine Art Ballermann-Partys zu verwandeln, kritisiert er. "Ich liebe Büttenredner wie den Weltenbummler, das Colonia Duett, die es schafften, die Sitzungsbesucher so in den Bann zu ziehen, dass sie leise waren und zuhörten." Auf die Frage, wie er als Prinz junge Leute für den Karneval faszinieren will, reagiert der 25-Jährige nachdenklich. Intensive Jugendarbeit sei sicher wichtig. "Wir müssen die Jugendlichen persönlich da abholen, wo sie stehen", sagt Probst. Als langjähriger Gruppenleiter der KjG Manfort hat er da Erfahrung.

Er selbst bekam ganz klein einen per Foto dokumentierten speziellen Kontakt zum Narrentum: Als Kind sitzt er auf dem Arm von Prinz Uwe I. Krause, dem heutigen Präsidenten des FLK. Das war in der Session 1997. Dazu kamen Besuche des Manforter Pfarrkarnevals sowie die Teilnahme an den Zügen in Schlebusch und Wiesdorf dazu. Karneval, das sei für ihn, "gemeinschaftlich mit anderen Spaß zu haben". Die Besonderheit dabei: Matze I. trinkt keinen Alkohol: "Schmeckt mir nicht, brauche ich nicht", sagt er.

Seine Vorstellung in Alkenrath vor rund 200 Vertretern der jecken Szene wurde begleitet von sehenswerten Auftritten der Kindertanzgruppe der KG Feuerwehr Opladen und der Show-Tanztruppe "Just 4 fun" (KG Fidelio Manfort), die professionelles Niveau erreicht haben. Lorenz Smidt, FLK-Senatspräsident, legte zuvor ein bühnenreifes Programm hin. Witzig gestaltete der ehemalige Leverkusener Möbelhaus-Chef die sonst oftmals so trockene Vorstellung der drei FLK-Senatoren. Diesmal sind es Samet Dzeladini (Stadthallen-Wirt Bergisch Neukirchen), Uwe Richrath (Oberbürgermeister) und Marc Adomat (Kultur- und Schuldezernent). Weil Adomat gerade auf Finnlandreise ist, stülpte Smidt dessen Senatormütze einfach auf die Hand des Stadtchefs, hängte den Orden dazu und überreichte die Ernennungsurkunde. Der Saal tobte. FLK-Präsident Uwe Krause sang in einem neuen, sehr melancholischen Lied über seine Gefühlswelt: "Wer immer lacht, dem glaubt man nicht, das er auch mal weinen kann", lautet darin ein Hauptsatz.

 
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